Tanzwissen

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Tanzen ist in allen Kulturen der Welt tief verwurzelt. Bewegung zu Musik, Rhythmus oder Gesang wird als gemeinschaftliche Freizeitaktivität, Ausdruck von Gefühlen, soziale Interaktion und nicht zuletzt als kräftespendende Quelle erlebt. Tanzen belebt Körper, Geist und Seele und begeistert in seinen Kunstformen.

 

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DancePodGuest - Oliver Dähler

Dance and Transition

Oliver Dähler ist Tänzer, Tanzpädagoge, Tanzvermittler und Choreograf. Nebst seiner künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit engagiert er sich stark im Bereich der Umschulung und Weiterbildung von Tanzschaffenden. Er hat einen Executive Master in Arts Administration und ist sowohl Initiant, als auch Geschäftsleiter des Transition-Center SSUDK für die Karriereentwicklung von darstellenden Künstler:innen.

Viele Tänzer:innen können ihren Beruf nicht bis zur ordentlichen Pensionierung ausüben, daher ist eine berufliche Umstellung inhärenter Bestandteil ihrer Laufbahn. Oliver Dähler und die SSUDK sind überzeugt, dass darstellende Künstler:innen, insbesondere Tänzer:innen hochspezialisierte Expert:innen auf ihrem Gebiet sind und es gilt die hervorragenden Skills auch für die Zeit nach ihrer Bühnenlaufbahn sinnvoll zu nutzen, damit diese zurück in die Gesellschaft fliessen können 

Im DancePodGuest spricht er über Herausforderungen, denen Tanzschaffende im Umschulungsprozess oder bei der Gründung einer eigenen Tanzschule begegnen, die Kompetenzen, die sie sich während ihrer künstlerischen Laufbahn aneignen und seine eigenen Erfahrungen als Bühnentänzer und Tanzpädagoge.

 

Zum Podcast DancePodGuest - Oliver Dähler

Weitere Informationen zum Transition-Center SSUDK

Weitere Informationen zu Oliver Dähler

 

 

 

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DancePodGuest - Nina Corti

Die Kunst des Flamenco

Nina Corti hat die Flamencokunst geprägt, wie kaum jemand anderes. Sie hat als Künstlerin viele Erfolge gefeiert, ist mit unzähligen professionellen Musikschaffenden, Musikformationen und Orchestern an renommierten Häusern und Bühnen auf der ganzen Welt aufgetreten und hat ebensoviele Menschen mit ihrem Tanz begeistert. Dabei ist sie sich selber als Künstlerin immer treu geblieben.

2022/23 feiert sie ihr 50-jähriges Bühnen- und Karrierejubiläum und hat 2021 ihr eigenes Tanzstudio “Vorstadt66” in Schaffhausen gegründet, wo sie ihren grossen Erfahrungsreichtum in Kursen und Workshops an ihre Schüler:innen weitergibt. 

Im DancePodGuest blickt Nina Corti auf ihr Lebenswerk zurück und erzählt wie sie zum Flamenco gefunden hat, von ihrer Verbindung zur Musik, was sie inspiriert und herausfordert und über die Freude ihre Kunst mit anderen zu teilen.

 

Zum Podcast DancePodGuest - Nina Corti

Weitere Informationen zu Nina Corti

 

 

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«Wheels In Line» - Line Dance mit Rollstuhl

Interview mit Karin Müntener

Line Dance war für Karin Müntener genau die Tanzart, die sie suchte. So wurde aus ihrem Hobby ihr Beruf, ihre Berufung. Diese Leidenschaft möchte sie mit allen Tanzschüler:innen teilen.

Seit 2008 unterrichtet Karin Line Dance und 2011-12 machte sie die Ausbildung zum Line Dance-Teacher beim Dachverband SCWDA. Man trifft sie an vielen nationalen und internationalen Events und selber organisiert sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter zahlreiche kleinere und grössere Events.

Bereits 2011 hast du dein eigenes Line Dance Studio Speedy Gon-CH-ales in Sennwald und Buchs gegründet. Wie ist es dazu gekommen, dass du dein Leben dem Line Dance verschrieben hast?

Tanzen war schon immer mein Traum. Leider war es in unserer Kindheit noch nicht so, dass man von den Eltern für ein Hobby überall hingefahren wurde. So tanzte ich als Kind vor dem Spiegel im Hausflur. In den Flitterwochen in Florida sah ich dann das erste Mal Line Dance. Ich schaute gefesselt diesen Tänzer:innen zu und wusste, dass es genau das ist, wonach ich immer gesucht habe. Da es aber in der Schweiz noch nicht bekannt war, lernte ich die ersten Tänze mit Videos daheim im Wohnzimmer. Es vergingen wieder viele Jahre, bis endlich in unserer Gegend ein Line Dance-Kurs angeboten wurde. Von da an konnte mich niemand mehr bremsen.    

Was fasziniert dich besonders an diesem Tanzstil?

Ich tanze alleine und bin doch nicht alleine. In der Disco fühlte ich mich nicht wohl. Ich wollte einen Ablauf beim Tanzen oder einen Tanzpartner der mich führt. Beim Line Dance sind die Schrittfolgen vorgeschrieben, aber ich habe immer noch die Möglichkeit, meinen eigenen Variationen und Style einzubringen. Dazu kommt, dass ich nicht abhängig von einem Tanzpartner bin und zu vielen verschiedenen Musikstilen tanzen kann, sei es Country, Pop, Rock, Blues. Die Vielfalt der Tanzschritte, von Cha Cha Cha über Swingtänze, Polka und mehr machen Line Dance zudem spannend. An Events kann ich alleine gehen und treffe viele Gleichgesinnte in allen Altersklassen.

Nebst regulären Kursen leitest du auch eine Line Dance Tanzgruppe für Rollstuhlfahrende und Fussgänger:innen. Kannst du uns etwas zu den Anfängen von «Wheels in Line» erzählen?

In der Tageszeitung stand, dass Fussgänger:innen für einen Rollstuhl Tanzkurs gesucht werden. Da ich gerade die Tanzlehrer:innenprüfung in der Tasche hatte, konnte ich meine Fühler für Neues ausstrecken. Bei der Anmeldung sagte ich, dass ich Tanzlehrerin sei und mehr zur Weiterbildung den Kurs besuchen möchte. Ich bekam dann aber die Mitteilung, dass sie nun genug Tänzer:innen hätten. So war das für mich erst mal ad acta gelegt. Drei Monate später bekam ich ein Mail, ob ich nicht direkt diesen Kurs übernehmen und leiten wolle. Und so nahm das Ganze seinen Lauf. Der ideale Ort wurde gesucht, Tänze umchoreographiert und ich traf mich mit den Rollstuhlfahrer:innen zum Austausch. Ich setzte mich selber in den Rollstuhl, um mich mit den Bewegungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Im November 2013, nach einem halben Jahr Vorbereitung, fand dann der Tag der offenen Türe in der Turnhalle in Sennwald statt. Ich spürte die Freude und den Spass bei den Interessent:innen und entschloss mich, den Kurs zu starten. Somit waren die «Wheels in Line» geboren. Seit etwas mehr als einem Jahr sind wir nun in Buchs im eigenen Tanzlokal, welches wir nach einer Spendensammlung behindertengerecht umbauen durften.   

2023 feiert ihr mit «Wheels in Line» das 10-jährige Jubiläum. An welche Momente erinnerst du dich besonders gerne?

Da sind viele Erinnerungen. Eigentlich ist jede Tanzstunde ein besonderer Moment. Uns besuchen immer wieder Gäste. Durch diese Begegnungen im Kurs erleben wir Spannendes und Neues. Natürlich sind auch all die verschieden Auftritte unvergessen. Ein Auftritt ist mit etwas mehr in Erinnerung verbunden. Wir traten vor internationalen Line Dancern auf und spürten, wie nahe unser Auftritt allen ging. Bei Auftritten beeindruckt mich auch immer wieder, wie humorvoll und gelassen Rollifaher:innen mit Hindernissen umgehen. Da kann man sehr viel von ihnen lernen!  

Welchen Herausforderungen seid ihr im Verlauf der Jahre begegnet?

Wo „rollstuhlgängig“ drauf steht ist nicht immer rollstuhlgängig drin. Das erleben wir vor allem, wenn wir on tour sind. Sei es der Transport vom Bahnhof zum Ort des Events, das Hotelzimmer, der Veranstaltungsort oder die öffentlichen Toiletten. All die Erlebnisse zu erzählen sprengt den Rahmen dieses Interviews. Eine grosse Herausforderung ist sicher, dass wir alle sehr weit auseinander wohnen. Wir haben Tänzer:innen aus den Kantonen St. Gallen, Graubünden, Thurgau und Aargau. Bei einem Auftritt ist das Koordinieren, wo und wie wir uns treffen, nicht einfach. Einige reisen mit dem Zug. Da kommt man am Abend nicht immer überall hin. Kurzfristige Anfragen sind also kaum realisierbar.

Im Tanzunterricht gilt das Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ So finden wir immer eine Lösung und jede:r macht so viel, wie er:sie kann.  

Wie hat die Arbeit mit “Wheels in Line” deine pädagogische Tätigkeit über die Jahre beeinflusst? Was hast du gelernt?

Demut, Geduld und Dankbarkeit. Nichts ist selbstverständlich. Alles was bei uns so einfach und schnell erledigt ist, braucht bei Menschen mit Handicap viel, viel länger. Ich bin dankbar, dass ich mit so tollen Menschen zusammenarbeiten darf. Ich lerne auch sehr viel von ihnen.

Was ist dir wichtig in deinen Tanzkursen? Was inspiriert dich?

Der Spass und die Gemeinschaft. Mir ist in allen Kursen wichtig, dass meine Schüler:innen mit Freude zum Tanzen kommen und mit einem Lächeln nach Hause gehen. Wichtig sind mir auch gemeinsame Eventbesuche, wo wir Erlerntes anwenden können. Wir treffen immer wieder Leute, welche sich nicht vorstellen können, dass man im Rollstuhl tanzen kann.   

Was würdest du Tanzpädagog:innen, die ihren Tanzunterricht und das Tanzangebot an ihrer Schule inklusiver gestalten möchten, mit auf den Weg geben?

Nicht reden, sondern tun. Probiert es doch einfach! Natürlich ist es nicht überall möglich, da eine gewisse Infrastruktur gegeben sein muss. Je nach Behinderungsgrad braucht es vielleicht eine Begleitperson die mitmacht. Man wächst mit der Erfahrung. Perfektion braucht es nicht - Freude steht im Vordergrund.     

Was möchtest du Tanzenden mit und ohne Rollstuhl mit auf den Weg geben?

Dankbar zu sein, ein so schönes Hobby zu haben und mehr Geduld mit sich selber und den Anderen zu üben. Es ist nicht wichtig wie wir tanzen – sondern dass wir tanzen! 

 

Weitere Informationen Speedy Gon-CH-ales

 

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We’ve got the power - Dance teacher's views on autonomy and person-environment fit

MAS Thesis Michelle Schachtler Dwarika

Geschichten über strenge, kontrollierende und destruktive Lehrmethoden, gerade in Tanzgenres wie dem Ballett, sind kein erst kürzlich, im Zuge von “#metoo" entdecktes Phänomen.

Vielmehr scheinen solche Geschichten uns daran zu erinnern, dass die autoritäre, stillschweigende und von oben nach unten gerichtete Lehrtradition, die durch verzerrte Machtverhältnisse gekennzeichnet ist, auch bei uns noch nicht der Vergangenheit angehört.

Durch die Linse der Selbstbestimmungstheorie untersucht Michelle Schachtler Dwarika in ihrer Masterarbeit welche Einstellungen und Auffassungen Tanzunterrichtende zu Autonomie und Autonomieunterstützung haben (dazu gehören z. B. die Bereitstellung persönlicher Wahlmöglichkeiten und die Begründung und Wertschätzung von Individualität) und wie diese den Unterrichtsstil beeinflussen. Außerdem setzt sich die Arbeit mit Erfahrungen und Ansichten von Tanzlehrpersonen in Bezug auf die Person-Umwelt-Passung und deren Beziehung zur Autonomie auseinander.

Michelle Schachtler Dwarika ist Tanzwissenschaftlerin, Forschungsassistentin und Gastdozentin für Tanzpsychologie. Als Mitglied des IADMS Dance Educator's Commitee arbeitet Michelle eng mit einem internationalen Netzwerk von Tänzer:innen und Tanzpädagog:innen zusammen. Zu ihren Hauptinteressen gehören psychische Gesundheit und  Resilienz im Tanz, Stressoren und Bewältigungsstrategien sowie Autonomie in der Tanzpädagogik. 2022-2026 promoviert sie an der Universität Birmingham im Bereich Sport- und Tanzpsychologie.

 

Hier lesen Sie die Zusammenfassung der Studie

Weitere Ressourcen zum Thema Resilence and Ethics in Dance Education 

 

 

Foto: Eduardo Valle de Anton

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Buchtipp I «Tanz einfach!» von Peter Lovatt

Wie Rhythmus und Musik uns gesund, glücklich und stark machen

Bewegung verbindet Menschen. Bewegung verändert unser Denken. Bewegung vermittelt Emotionen. Bewegung ist das bestimmende Merkmal des Lebens und sein wichtigster Motor für Veränderungen.

«Tanz einfach!» ist ein Buch für Menschen, die klüger, stärker und glücklicher sein wollen.

Es enthält Fakten, wissenschaftliche Erkenntnisse, persönliche Geschichten und vor allem Tanz. Es inspiriert, die Musik aufzudrehen, aufzustehen und sich selbst glücklich zu tanzen – auch und gerade diejenigen, die von sich selbst glauben, sie könnten nicht tanzen.

Der Ansatz von Dr. Peter Lovatt in «Tanz einfach!» basiert auf der Grundannahme, dass wir zum Tanzen geboren sind. Der Tanz ist eine der stärksten Kommunikationsformen, die wir haben. Tanz ist unser Puls, unser Herzschlag, unser Atem. Er ist der Rhythmus unseres Lebens.

Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Tanzen die Art und Weise, wie Menschen fühlen und denken, verändern und das Selbstwertgefühl eines Menschen steigern kann. Tanzen ist nicht nur schlichtes Bewegungstraining. Die Erfahrung, sich einem Rhythmus hinzugeben, kann einen tiefgreifenden Einfluss auf alle unsere Lebensbereiche haben – es hilft uns, besser zu kommunizieren, kreativer zu denken und kann uns kraftvolle Impulse geben, um unser Leben positiv zu verändern. Sich selbst im Moment bei einem Song oder einem anderen Musikstück zu verlieren, kann Ängste, Depressionen und Gefühle von Einsamkeit lindern. Dabei spielt es keine Rolle, wie gut jemand tanzen kann, noch geht es um einen bestimmten Tanzstil. 

Wenn Sie geglaubt haben, Worte seien mächtig, dann warten Sie ab, bis Sie erleben, was Bewegung kann …

Dr. Peter Lovatt ist Tanzpsychologe und in England auch als Dr.Dance bekannt. Nach seiner Karriere als professioneller Musicaltänzer studierte er Psychologie, Englisch und Neural Computation und verband seine Faszination für Psychologie und Neurowissenschaft mit seiner Leidenschaft für das Tanzen. 2008 eröffnete er sein “Dance Psychology Lab”, wo er erforscht, wie Bewegung soziale Interaktionen, unser Denken sowie die Art , wie wir Probleme lösen, beeinflusst. Zudem ist Dr. Peter Lovatt Motivations-Coach und hält weltweit Vorträge über die transformative Macht des Tanzens.

 

 

Buch auf deutsch «Tanz einfach!»

Weitere Informationen zu Peter Lovatt

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Soft Skills in Dance

A guidebook to enhance your practice

Wie wir unsere eigenen Stärken erkennen, uns um andere kümmern, wie wir mit Ungewissheit und Komplexität umgehen und wie wir uns im Raum zurechtfinden - das sind nur einige der wesentlichen menschlichen Fähigkeiten, auch Soft Skills genannt, die wir beim Tanzen entwickeln.

Welche Fähigkeiten üben und entwicklen wir, wenn wir eine Tanzerfahrung teilen? Was geschieht, wenn wir uns in die Augen schauen, uns die Hand reichen oder gemeinsam im Moment balancieren?

Wir üben uns in der Fähigkeit des Miteinanders.

Wir navigieren durch das empfindliche Gleichgewicht zwischen unserer eigenen Realität und der der anderen.

Zusammen zu tanzen bringt die Menschen in den gegenwärtigen Moment und schafft eine gemeinsame Erfahrung, um sich als Teil eines Kollektivs, einer Gemeinschaft zu fühlen: 

Was wir körperlich üben, wird zu unseren geistigen Fähigkeiten. 

Was wir geistig üben, prägt die Art und Weise, wie wir auf andere in unserem Umfeld zugehen.

Je mehr wir diese Art von Soft Skills im Tanz verkörpern und uns dessen bewusst sind, desto stärker können diese Fähigkeiten werden.

Das Team von Empowering Dance - The Soft Skills Teaching and Learning Approach, das vom EU-Programm Erasmus Plus mitfinanziert wird, hat diesen digitalen Leitfaden entwickelt, um Tanzschaffende (Choreograf:innen, Tanzende, Tanzpädagog:innen) dabei zu unterstützen, die Vermittlung von Soft Skills in ihre künstlerische Tanzpraxis sowie in andere Arbeitsbereiche außerhalb des Tanzes zu integrieren.

Die Entwicklung des Leitfadens wurde von Monica Gillette und Prof. Sara Houston in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunstschaffenden und sieben europäischen Partnerinstitutionen - CSC - Centro per la Scena Contemporanea (Bassano del Grappa, Italien), Dansateliers (Rotterdam, Niederlande), HIPP - Croatian Institute for Movement and Dance (Zagreb, Kroatien), K3 | Tanzplan Hamburg / Kampnagel (Deutschland), La Briqueterie CDCN (Val-de-Marne, Frankreich), University of Roehampton (London, UK) und University of Zagreb, Academy of Fine Arts (Kroatien).

 

Link zum Leitfaden in englischer Sprache Soft Skills in Dance Guidebook

Webseite Empowering Dance 

 

Fotocredit: Empowering Dance - The Soft Skills Teaching and Learning Approach

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«Mental Coaching bedeutet, das Innere nach außen zu bringen»

Interview mit Rebekka Scharf

Die österreichische Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin Rebekka Scharf ist Dipl. Mental Coach für Erwachsene sowie Tanz- und Kulturschaffende mit Schwerpunkt Aufbau Selbstvertrauen, Blockaden lösen und Selbstfindung.

Sie hat ihre Ausbildung an der Anton Brucker Privatuniversität in Linz abgeschlossen und bildete sich in New York an der Martha Graham und Merce Cunningham School weiter. Sie tanzte in verschiedenen zeitgenössischen Produktionen in der Schweiz, tourte mit der Kelly Family durch Deutschland und bespielte verschiedene Gothik-Musikveranstaltungen mit der Company „Cie Quilla“. Sie unterrichtet in diversen Tanzschulen und ist Mitglied beim Schweizer Dachverband V-P-T sowie bei der Swiss Coaching Association SCA.

Nebst deiner künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit, bist du diplomierter Mental Coach, kannst du uns etwas mehr zu diesem Berufsfeld erzählen?

Der Beruf Coach ist vor allem bekannt im Sportbereich. Sportler:innen zu coachen, um Höchstleistungen zu erzielen und mental zu stärken. 

Der Unterschied zu Trainer:in und Berater:in ist, dass wir als Coach davon ausgehen, dass jeder Mensch die Lösung bereits in sich trägt. Coaching ist eine Reise zu sich selbst. Durch kreative Interventionen und Impulse meinerseits erarbeiten die Klient:innen selbständig ihr Ziel sowie die nächsten Schritte dahin. Es ist jedes Mal aufs Neue spannend, den überraschten Gesichtsausdruck der Klient:innen zu beobachten und mitzuerleben sowie die Motivation, die nächsten Schritte nun anzugehen.

Als Mental Coach arbeiten wir auftrags- und zielorientiert. Wir gehen in die Tiefe, verweilen da kurz und legen dann den Fokus nach vorne. Beobachtungen aus der Metaperspektive ermöglichen uns einen anderen Blickwinkel, und oft geschieht bereits hier ein Aha-Erlebnis.

In deiner Diplomarbeit zum Dipl. Mental Coach hast du dich vertieft mit dem „Selbst“ bei Tanz- und Kulturschaffenden auseinandergesetzt.

Das Selbst betrifft das eigene Selbstvertrauen, den Selbstwert sowie die Eigen- und Fremdwahrnehmung. „Wie nehme ich mich wahr, wie werde ich wahrgenommen?“, „Was sind meine Stärken, und woran möchte ich noch arbeiten“, „Was motiviert mich, was zieht mich runter?” und „Wie soll ich mich entscheiden?“

Ein Auszug aus Gedanken, welche Tanz- und Kulturschaffende oft heimsuchen. Gedanken sind kraftvoll und bestimmen unser Handeln und unsere Präsenz maßgeblich – auch unbewusst.

Misserfolge werden als persönlichen Misserfolg angesehen und schnell kann es passieren, dass man sich wertlos und schlecht fühlt. Der Fokus liegt dann vor allem beim Misserfolg, die kleinen Erfolge werden übersehen, meistens. 

Theoretisch ist uns das allen bewusst. Wir wissen, dass der Fokus auf dem Positiven uns hilft, der Negativspirale zu entkommen. Praktisch gesehen ist dies dann oft gar nicht so einfach. 

Von Mental Coaching für Tänzer: innen hat man bereits gelesen und es gibt mittlerweile auch Workshops in einzelnen Tanzschulen – es ist jedoch noch nicht sehr verbreitet. Aber genau da sehe ich Potential und auch Bedarf um Tänzer: innen mental noch stärker zu machen, zu unterstützen, zu fördern, den eigenen Wert noch mehr zu erkennen und Ängste und Blockaden in Stärken umzuwandeln.

Wie bist du zum Mental Coaching gekommen? 

Als Tanzpädagogin merkte ich rasch, wie sehr mich eigentlich der Mensch und die persönlichen Geschichten und Erfahrungen faszinierten - mehr als die vorgegebene Tanztechnik. 

Bei jedem:r einzelnen nehme ich den momentanen Stand ihres Könnens und setze da in meiner Arbeit als Tanzpädagogin an. Ich möchte Emotionen sehen und spüren und die Tänzer:innen da abholen, wo sie gerade stehen. Mich interessiert und fasziniert der Mensch mit seiner individuellen Bewegungssprache und wie Emotionen auf die eigene individuelle Art ausgedrückt werden.

Oft merkte ich, dass Tänzer: innen sich selbst zurücknahmen aus Angst zu versagen, sich zu blamieren und den eigenen Wert nicht kannten. Mich interessierte daher, wie kann man dem entgegenwirken – ja, sogar unterstützen. Wie kann der Fokus auf positive Gedanken uns unterstützen, bei sich zu bleiben und sich nicht von Meinungen und Wahrnehmungen anderer aus der Bahn werfen zu lassen? Wie kann man sich selbst und die jeweilige Rolle authentisch und überzeugend rüberbringen? Diese Fragen stellte ich mir immer und immer wieder.

Was fasziniert dich am Mental Coaching?

Als langjährige Tänzerin und Tanzpädagogin durfte ich neben der Bühnen- und Unterrichtserfahrung auch viel über Emotionen und über das Selbst erleben. Glücks- und Erfolgsgefühle, welche mich motivierten und mir das Gefühl gaben, nichts und niemand kann mich in meiner Kreativität aufhalten, lösten sich ab durch Ängste aller Art, die mir den Boden unter den Füssen wegzogen. Angst, nicht gut genug zu sein, es niemals zu schaffen, zu versagen und sich zu blamieren und negative Gedanken, die mich darin bestärkten, bestätigten und am Erfolg hinderten.

Wie sehr Gedanken uns in allem bestärken können und wie man diese FÜR uns und IN unser Schaffen einsetzen kann, das interessierte und faszinierte mich von Anfang an. Auch die Einstellung zu sich selbst, das Vertrauen in sich als Person und in die eigene Arbeit.

Du bist immer noch auch als Tänzerin und Tanzpädagogin aktiv, wie hat die Auseinandersetzung mit dem Mental Coaching deine pädagogische Arbeit und deine Sichtweise auf den Tanz beeinflusst?

Ich versuche ganz klar Coaching und Pädagogik zu trennen. Mein Fokus im Unterricht ist aber wie bereits erwähnt, die Tänzer: innen in ihrem Sein zu stärken und darauf aufzubauen. Zudem achte ich darauf, dass verschiedene Rollen und Emotionen durch die Tänzer: innen authentisch dargestellt werden und arbeite vermehrt mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung.

Zukünftig werde ich neben Einzel- auch Gruppencoachings anbieten, welche in Rahmen von Workshops explizit für Tänzer: innen angeboten werden. Dazu erarbeite ich im Moment ein Konzept zugeschnitten auf Themen, welche hilfreich für Tänzer:innen, Tanzpädagog:innen und Kulturschaffende im Berufsalltag sein werden.

Was würdest du Tanzlehrpersonen und Tänzer:innen mit auf den Weg geben?

Ich würde ihnen ein paar Fragen mitgeben: Wo stehe ich im Moment? Was macht mich aus? Was sind meine Stärken? Woran möchte ich arbeiten? Wo möchte ich hin?

Sich selbst zu reflektieren ist bereits der erste Schritt zu sich selbst und den eigenen Stärken.

Manchmal sieht man aber vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Da empfehle ich wärmstens, sich die Zeit und den Raum zu geben, sich einer externen Person anzuvertrauen. Einer Vertrauensperson, die die Themen neutral betrachtet und zusammen mit den Klient:innen analysiert und zum selbst definierten Ziel begleitet – Schritt für Schritt.

 

Weitere Informationen: www.rebekkascharf.com

Foto: Igor Rus

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Dodzi Dougban - Künstler auf Augenhöhe

Filmdoku über einen gehörlosen Tänzer

Wir tauchen ein, in ein Leben voller Tanz. In seiner Kunst geht es dem energievollen und ausdrucksstarken Hip Hop Tänzer Dodzi Dougban um Sein, um Begegnungen auf Augenhöhe, um Sensibilität und die Bestärkung anderer. Es geht um ein Leben in Verbindung zu Menschen, die sich gegenseitig akzeptieren und bereichern.

Als gehörloser Afrodeutscher begegnet Dodzi von klein auf Vorurteilen. Er wächst mit Tanz und Rhythmus auf und entwickelt früh Strategien gegen Diskriminierung. Das inspirierenden Filmporträt von “Sehen statt Hören” gibt Einblick in das Leben dieses mitreissenden Tänzers und begleitet ihn in seinem künstlerischen Alltag.

 

Zum Film Dodzi Dougban - Künstler auf Augenhöhe

 

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The role of imagery in becoming a dance professional

Masterthesis von Salomé Martins

Die Tänzerin und Tanzpädagogin Salomé Martins sieht Imagery als Schlüsselinstrument, das der Bewegung auf ästhetische, sensorische, emotionale und authentische Weise Qualität verleiht und sie verbessert.

Die Praxis der Imagination, Visualisierung und Bildsprache wird schon seit langer Zeit in verschiedenen Kontexten, von religiösen, spirituellen und heilenden Praktiken bis hin zu Psychotherapie und Sport eingesetzt. Die ersten Erfahrungen mit Bildern und Bewegung beginnen, sobald die Schüler:innen das Tanzstudio betreten, und entwickeln sich allmählich weiter zu verschiedenen Typen und Kategorien. Für Salomé Martins stellt Bildsprache/Imagery eine Vorbereitung auf das Erlernen einer Tanztechnik dar und ist ein essentieller Bestandteil des Prozesses des Erlernens einer Tanztechnik und der Entwicklung einer individuellen Bewegungssprache.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat sie sich mit anatomischen und metaphorischen Bildern auseinandergesetzt, um das Verständnis für das wichtigste Werkzeug, das jede:r Schüler:in bereits besitzt, zu wecken - den physischen Körper. Dabei stützt sie sich auf wissenschaftliche Studien, sowie ihre eigene Forschungsarbeit und Erfahrungen als Schülerin, professionelle Tänzerin und Tanzpädagogin.

Nach Abschluss ihrer tänzerischen Ausbildung in Portugal war Salomé Martins als Tänzerin, Solistin und Probeleiterin an verschiedenen Theatern und Tanzcompanies in ganz Europa engagiert, u.a. am Tanz Luzerner Theater, beim Ballet National de Marseille, am Staatstheater am Gärtnerplatz in München, Staatstheater Darmstadt und Braunschweig. 2022 schloss sie ihren Master in Dance/Teaching and Coaching Dance Professionals an der ZHdK Zürich ab.

 

Video Link in englischer Sprache The role of imagery in becoming a dance professional

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«Wichtig ist nur, wer du sein willst»

Tanz in seiner Vielfalt entdecken: Welcome to Burlesque!

New Burlesque feiert die Weiblichkeit, doch was ist Burlesque? Wie nehmen wir diese Kunstform wahr? Wir sind diesen Fragen nachgegangen und wurden in eine glamourvolle Welt der Verführung, voller Glitzer und Humor, hineingezogen.

Was es war - Die Anfänge

Der Begriff Burlesque stammt vom italienischen Wort «burla», das Scherz, Witz oder Spass bedeutet. 

Im 16. Jahrhundert bezeichnete Burlesque eine Theaterform der «einfachen» Leute, welche von derben, skurrilen Inhalten und überspitzten Charakteren gezeichnet war. Den Ursprung finden wir in der italienischen Operette von Francesco Berni, dem Namensgeber dieser Kunstform.

Durch Wanderbühnen in Europa hinterliessen die volksnahen Darbietungen einen bleibenden Eindruck. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich verschiedene eigenständige Formen. 

Zu was es wurde - Weiterentwicklung

Der Schritt vom Strassentheater mit seinen skurrilen Parodien hin zur Show mit erotischen Komponenten vollzog sich ab dem 19. Jahrhundert. Die Burlesque Dar- bietung, mit ihren humoristischen sowie erotischen Elementen, entwickelte sich dann zu einem eigenständigen Genre, sozusagen vom Volkstheater zur Kunst des Entblätterns.

Um den Unterhaltungswert der varietéähnlichen Darbietungen zu erhalten, wurden Elemente aus dem Rahmenprogramm der Wanderzirkusse kopiert und in den sogenannten Sideshows weitergelebt. Attraktive Damen deuteten einen Striptease an und wurden dabei von Unterhaltungskomikern begleitet. Nicht selten bedeutete so ein Auftritt für den Komiker die Feuerprobe: Wer das Publikum zum Zuhören und Lachen bringen konnte, obwohl sich nebenbei eine Schönheit beinahe auszog, der hatte offensichtlich Talent und wurde wieder engagiert.

Als beim Striptease nach 1930 die vollständige Entkleidung erfolgte, löste sich die Verbindung von Moderation, Tanz, Gesang und angedeutetem Striptease auf.

Im Film «I’m no Angel» (ersch. 1933) spielt Mae West eine Tänzerin beim Zirkus, welche erotische Auftritte mit kultiviertem Smalltalk verband. Als Inbegriff der Femme fatale brach sie etliche damals gültige sexuelle Tabus, indem sie die Freiheit der Liebe und Gleichheit der Geschlechter proklamierte.

Im Laufe der 40er und 50er Jahre entwickelte sich Burlesque weiter und vermischte sich zunehmend mit dem populärer werdenden Pin-up. 

Mit der in den 60er Jahren aufkommenden sexuellen Revolution geriet der Burlesque-Tanz immer mehr in Vergessenheit und wurde erst Anfang der 90er Jahre durch den sogenannten New Burlesque wiederbelebt.

Was es ist - Burlesque heute

New Burlesque ähnelt dem Striptease. Der Unterschied zum herkömmlichen Striptease besteht im Grad des Ausziehens. Während beim Striptease die Hüllen ganz fallen, bleiben beim Burlesque die wichtigsten Stellen bedeckt. Die Brustwarzen werden mit Nipplepads bedeckt, die Höschen sind knapp, werden aber nicht aus- gezogen. Aufwändige Kostüme mit Federboas, Netzstrümpfen, Fächern und Korsagen betonen die Weiblichkeit. Oft schlüpfen Tänzerinnen in Rollen, verknüpfen ihre Bewegungen und Songtexte mit tänzerischen und verführerischen Nummern. Sogar Elemente des modernen Tanzes sowie Accessoires aus der Fetischszene sind hier zu sehen. Erlaubt ist, was gefällt. New Burlesque feiert die Weiblichkeit: niveauvolle Unterhaltung, welche erotische Fantasien anregt. 

Mit dem Hollywoodfilm «Burlesque» (2010) haben Christina Aguilera und Cher die Kunstform auf die Kinoleinwand gebracht. Auf einen Schlag wurde Burlesque weltweit bekannt. Die Choreografien und Tänze im Film sind heute noch in den Köpfen der Personen verankert. 

Wir von der TVS durften 2022 der «European Queen of Burlesque» Meisterschaft, mit international renommierten Künstler:innen beiwohnen und wurden mit humorvollen, sinnlichen, erotischen, faszinierenden und mystischen Shows verwöhnt. Mit Styles wie Classic, Neo, Comedy und Dark Cabaret sind den Künstlerinnen fast keine Grenzen gesetzt. Beim Boylesque verwandeln sich sogar männliche Künstler zu glamourösen Geschöpfen. Es war erfreulich zu erleben, dass Burlesque nach wie vor sehr facettenreich ist und alles erlaubt ist, was gefällt. Im Anschluss an die Show, hatten wir die Gelegenheit, mit einer Vertreterin des Comedy Burlesque zu sprechen: Cheeky Kelly hat das Publikum mit einer raffinierten Parodie, gespickt mit gleichermassen schrillem wie subtilem Witz, begeistert.


Interview mit der Burlesque Tänzerin Cheeky Kelly

Cheeky Kelly, was bedeutet für dich Burlesque? 

Ursprünglich galt Burlesque als eine humorvolle und theatralische Darstellung. Burlesque stammt vom Wort «burla», das lustig bedeutet – für mich persönlich ein sehr wichtiger Aspekt! Burlesque heisst aber auch, sich ausdrücken zu können und zu zeigen, wer man wirklich ist. Ethnische Herkunft, Nationalität, Aussehen oder Figur spielen keine Rolle – es ist nur wichtig, wer du sein willst und dass du den Mut hast, dies durch Burlesque auszuleben. 

Wie bist du zu Burlesque gekommen?

Nachdem ich Mutter geworden war, hatte ich das grosse Bedürfnis, etwas für mich zu tun. Ich wollte meinen Körper wieder besser spüren und etwas ausüben, das sich gut anfühlt. Also trat ich im 2013 der Secret Follies Company bei und tauchte in die Kunst des Burlesque ein. Nach ein paar Lektionen war mir sofort klar, zu welchem Stil ich mich zugehörig fühlte. Es verging nicht viel Zeit, bis ich meinen ersten Auftritt hatte – seitdem trete ich bei verschiedenen Veranstaltungen auf (Kabarett Ohlala Chérie in Zürich, Kabarett Lune Noire in Bern sowie private Veranstaltungen). 

Du hast dich wegen des Ursprungs des Burlesque für den Comedy Style entschieden. Finden wir in den verschiedenen Shows, die du anbietest, auch andere Styles?

Mein Burlesque Style ist durch und durch von der Comedy geprägt. Ich liebe es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und die Zuschauer zum Lachen zu bringen – denn vergesst nicht, was Burlesque ist: Es ist nicht nur eine Verführungskunst auf höchstem Niveau, sondern die Kunst des Ausdrucks!

www.cheekykelly.com

Bericht von Katiuscia Di Marino und Jenny Leone (unterrichtet selbst Burlesque Workshops) von Polelicious Pole Dance Winterthur.

 

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Tanzen macht glücklich!

Interview mit Sylvia Frauchiger

Tanzen macht glücklich, davon ist Sylvia Frauchiger überzeugt. Im TVS Interview geht sie den Fragen auf den Grund, wie Tanz und Glück miteinander verbunden sind, wie das Wissen um Glück den Tanzunterricht bereichern kann und warum der Tanz, sowie das Glück in die Schule gehören.

Sylvia Frauchiger hat ihre Ausbildung zur Tänzerin und Tanzpädagogin an der Rotterdamse Dansacademie (heute Codarts) abgeschlossen. Sie unterrichtet Zeitgenössischen Tanz im Studio Akar in Bern und in zahlreichen anderen Institutionen für Menschen zwischen 4 und 90 Jahren. Ausserdem ist sie Lehrerin für das Schulfach Glück, Kursleiterin und Coach für Persönlichkeitsentwicklung.

Was ist Glück?

Die einfachste Frage zuerst. . .! Immer wieder stelle ich sie in meinen Kursen und auch mir selbst. Und es gibt einfach so viele Antworten! Glück ist ein Gefühl. Ein schönes Gefühl, das wir Menschen bewusst oder unbewusst anstreben. Wir alle möchten glücklich sein. Wir tun alles Erdenkliche, mehr oder manchmal auch weniger Sinnvolle, um dieses Glück für einen kurzen Moment zu fühlen. Ein wunderschöner, oft flüchtiger Seinszustand, der den ganzen Körper erfasst. 

In meiner Arbeit liegt der Schwerpunkt auf dem psychologischen Wohlbefinden. Es wird auch das eudaimonische Wohlbefinden, oder Werteglück genannt und geht zurück auf Aristoteles. Hier ist der Fokus auf dem persönlichen Wachstum und der Selbstentfaltung. Dieses Glück hat viel damit zu tun, dass man in seinem Leben autonom handeln kann, Umweltanforderungen meistern kann, persönliches Wachstum erlebt, positive Beziehungen pflegt, sich selbst akzeptiert und einen Sinn im Leben erkennen kann.  

Was hat Tanz mit Glück zu tun?

Tanzen macht nachweislich glücklich. Es kommen auf natürliche Weise viele Faktoren zusammen, die laut der Glücksforschung dazu beitragen, das Glücksempfinden zu steigern. Beim Tanzen bist du ganz im Moment anwesend, oft in einem Flow Zustand, wo du an nichts anderes denkst. Du bist in Verbindung mit dir, deinem Körper, deinen Gefühlen, deiner Seele, aber auch mit dem Raum, der Musik und anderen Menschen. Du tust deinem Körper und deiner Seele etwas Gutes und zusätzlich schüttet der Körper beim Tanzen die Glückshormone Dopamin und Endorphin aus.Tanzen stärkt zudem die Selbstwahrnehmung und im besten Fall das Selbstvertrauen. Also ein richtiger Glückscocktail, der ganz bewusst genossen werden kann.

Macht Tanzen immer glücklich?

Natürlich hängt der Glücksfaktor sehr davon ab, wie der Unterricht stattfindet, oder in welchem Umfeld man tanzt. Tanzen daheim zu deiner Lieblingsmusik oder an einer Party bringt manchmal mehr Glücksgefühle als die Tanzschule. Tanzen kann nämlich auch unglücklich machen. 

Unglücksfaktoren sind:  Sich immer zu vergleichen, sich überfordern, nicht auf seinen Körper hören, sich selbst abwerten, sich zu hohe Ziele setzen und die kleinen Fortschritte nicht wertzuschätzen. Dazu kommt es auf die Unterrichtsmethode an und schlussendlich vor allem auch auf die Tanzlehrperson, bei der du den Unterricht besuchst. Diese sollte achtsam korrigieren und keinesfalls deine Person damit abwerten oder blossstellen. Tanzen ist immer sehr persönlich. Es ist dein Körper, der da Kritik erhält und der untrennbar mit deinen Gefühlen und deiner Seele verbunden ist. Unachtsame Kommentare können tief gehen und sehr verletzend wirken.

Hol dir Hilfe, wenn dich das Tanzen nicht mehr glücklich macht! Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, aber das Grundgefühl sollte ein gutes sein. Achte gut auf deinen Körper. Wisse stets, dass Körper, Geist und Seele mit dir tanzen. Das kann nicht getrennt werden und alle Ebenen brauchen deine Aufmerksamkeit. Der Körper zeigt es durch Schmerzen, der Geist durch schlechte Gedanken und die Seele durch traurige Gefühle, wenn etwas nicht mehr stimmt. Probiere der FREUDE zu folgen, sie kennt den Weg zum Glück am besten!

Du unterrichtest das Fach «Glück» an Schulen und bietest verschiedene Fortbildungen für Lehrpersonen an. Kannst du uns mehr dazu erzählen?

Das Schulfach Glück kommt auch der positiven Psychologie und hat zum Ziel das psychologische Wohlbefinden der Kinder zu stärken. Es wurde von Dr. Ernst Fritz Schubert ins Leben gerufen. Ich habe am Fritz- Schubert- Institut die Weiterbildung besucht, nachdem mir bewusst wurde, wie sehr die selbststärkenden Faktoren in den Schulen fehlen und wie stark glücklich es machen kann, wenn man erkennt, wie wertvoll und richtig man ist. Auch bei schlechten Noten, oder wenn man nicht der Norm entspricht. Im Unterricht probiere ich mit den Kindern herauszufinden, was ihre Stärken sind, was sie gut können, was sie glücklich macht und was sie brauchen, um sich gut und sicher zu fühlen. Wir reden auch viel über Gefühle und natürlich tanzen wir immer!

Wie bist du zum Glückscoaching gekommen?

Glückscoaching ist für mich Persönlichkeitsentwicklung. Entwicklung verstehe ich im Sinne von: Alles was nicht zur natürlichen Persönlichkeit gehört «entwickeln», damit das Schöne in jeder Person wieder sichtbar ist. Der Kern ist immer heil und schön, nur oft eingewickelt und verdeckt. Menschen die an sich glauben, sich lieben, ihre Talente und Stärken zum Wohle aller einbringen und glücklich sind, sind unerlässlich für eine bessere Welt. Deshalb fange ich mal in den Schulen an. Kinder sind die Zukunft.

Wie hat das deine tanzpädagogische Arbeit beeinflusst?

Mir war schon immer wichtig, dass meine Schüler:innen glücklich aus meinem Unterricht kommen. In den letzten Jahren habe ich das «Glück» immer bewusster als Ziel und Fokus ins Zentrum gestellt. Ich baue auch vermehrt Körperwahrnehmungsübungen und Achtsamkeit in meinen Unterricht ein. Ich probiere noch bewusster immer wertschätzend zu sein, persönliche Fortschritte zu sehen und die Schüler:innen nicht zu vergleichen. Ich gebe mir Mühe alle zu sehen und dort zu ermutigen, wo sie es brauchen. 

Der Tanz begleitet dich schon dein ganzes Leben lang, was fasziniert dich immer noch daran?

Tanz ist ein Wunderding. Mich fasziniert am meisten, was er mit uns macht, mit unseren Gefühlen und unserer Seele, wie er uns glücklich machen kann! Ob als Zuschauerin oder als Tanzende, hat Tanz für mich, wie fast nichts sonst, die Kapazität Gefühle herbeizuzaubern und oft auch das Glück. Ich liebe den Tanz, weil beim Tanzen das Glück immer mitschwingt. Verbindung ist das Zauberwort. Im Tanz fühle ich mich manchmal so glücklich verbunden mit mir, dem Raum, den Menschen, der Musik und dem Universum. Das schafft nur der Tanz. 

 

Weitere Informationen www.raum-für-glück.ch

Foto: Rolf Siegenthaler

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DancePodGuest - Gizella Erdös

Von der Liebe zum Tanz, verzerrten Körperbildern & Essstörungen

Nebst ihrer künstlerischen, choreografischen und tanzpädagogischen Arbeit, begleitet Gizella Erdös als Bewegungsanalytikerin und -therapeutin Menschen mit Essstörungen am Kompetenzzentrum für Essstörungen in Zürich.

Für Gizella Erdös ist Tanzpädagogik auch eine Lebenshaltung - seit über 35 Jahren unterrichtet sie mit viel Leidenschaft Charaktertanz, unter anderem an der Ballettschule für das Opernhaus Zürich und hat für diverse Produktionen Choreografien kreiert. Im Podcast spricht sie über ihre Liebe zum Tanz, von verzerrten Körperbildern und möglichen Auslösern von Essstörungen und wie diesen im Tanzunterricht entgegengewirkt und damit umgegangen werden kann.

 

Zum Podcast auf schweizerdeutsch: DancePodGuest - Gizella Erdös

 

Weitere Informationen zu Gizella Erdös 

Anlaufstelle bei Essstörungen: Schweizer Gesellschaft für Essstörungen 

 

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Tanz und Intimität - Intimacy Direction & Coordination

Interview mit Emma Murray

Die neuseeländische Tänzerin und Choreografin Emma Murray setzt sich im TVS Interview mit dem Thema Tanz und Intimität auseinander.

Emma war Solistin am Royal New Zealand Ballet und tanzte am Stadttheater Bern. Nebst ihrer künstlerischen und choreografischen Tätigkeit, unterrichtet sie an verschiedenen Tanzschulen und Companies. 2020 schloss sie den Master in Performance Art Practice an der HKB Bern ab und macht aktuell eine Ausbildung in Intimacy Direction & Coordination (TIE).

Aktuell bildest du dich zum Intimacy Director & Coordinator (TIE)” weiter, kannst du uns etwas mehr zu diesem Berufsfeld erzählen und wie du dazu gekommen bist, dich mit dem Thema Tanz und Intimität auseinanderzusetzen? 

Eine Tanzkollegin in Neuseeland, die ihre Ausbildung vor kurzem abgeschlossen hat, machte mich auf die Online-Kurse in Intimitätsführung und -koordination aufmerksam. Intimitätsexpert:innen sind Choreografierende und Fürsprecher:innen von Schauspielenden. Bei Szenen, die Nacktheit und/oder intime Körperkontakte beinhalten, fungieren sie als Verbindungsglied zwischen Darstellenden und der Produktion. Intimacy Direction bezieht sich auf die Arbeit für Theater oder Live-Performance, Intimacy Coordination auf die Arbeit für Fernsehen und Film. 

In der Film- und Theaterbranche werden schon seit längerem Intimacy Directors und Coordinators in Arbeitsprozesse eingebunden, wo siehst du Potential für diese Arbeit im Tanzbereich? 

Ich denke, dass die auf Zustimmung basierenden Praktiken, die der Intimitätsarbeit innewohnen, für junge Tanzschüler:innen und auch im Tanzausbildungsbereich ganz allgemein, von großem Nutzen sein können. Die Intimitätsarbeit beschäftigt sich mit wichtigen Fragen zum Thema Grenzen und Schnittstellen zwischen körperlichen, beruflichen, persönlichen und kulturellen Grenzen. Auch die grössere Tanz-Community kann vom Wissen, wie man innerhalb dieser Grenzen kooperativer und kreativer arbeiten kann, nur profitieren.

Wo siehst du die grössten Hürden oder Herausforderungen? 

In der Schaffung neuer Normen innerhalb der Tanzkultur.  Zum Beispiel, zu etablieren, dass Tänzer:innen, mit denen man gut arbeiten kann, Tänzer:innen sind, die pünktlich erscheinen, sich gut im Raum einfügen, aber auch ihre eigenen Grenzen respektieren und Bedürfnisse artikulieren können.

Hast du als Tänzerin selber Momente erlebt, in denen du dich unwohl gefühlt hast? 

Ja. Den Unterschied zwischen Unbehagen und einer Grenze zu erkennen, ist etwas, das ich immer noch lerne, innerhalb und außerhalb des Tanzstudios!

Körperkontakt gehört in vielen Tanzstilen mit dazu, sei dies im Paartanz, Contact Impro oder auf der Bühne, im Laien als auch professionellen Bereich, dabei nimmt jeder Mensch Berührungen anders wahr. Welche Aspekte können auch in den Tanzunterricht übertragen werden oder miteinfliessen?

Als Pädagog:in, Regisseur:in oder Choreograf:in kann man oftmals die eigene “Machtposition” nicht einfach abgeben, aber man kann Wege finden, diese durch auf Zustimmung basierten Praktiken zu mildern, oder abzuschwächen. In einem der TIE-Online-Kurse, an dem ich teilgenommen habe, wurde die Zustimmung als Raum zum Atmen bezeichnet - um im Proberaum bewusst informierte Entscheidungen treffen zu können. Die Verwendung offener Fragen, ist beispielsweise eine gute Möglichkeit dies zu tun, oder sich auf ein Pausenwort zu einigen. Anstatt "Nein" zu sagen, was sich in einer kollaborativen Umgebung als harter Stopp und Herausforderung anfühlen kann, kann die Wahl eines Ersatzwortes oder einer Geste, eine Pause oder einen Raum zum Atmen und Nachdenken ermöglichen, bevor das Gespräch fortgesetzt wird.

Der Umgang und die Beziehung zum eigenen Körper ist in allen Tanzbereichen immer wieder zentrales Thema. Wie hat sich deine Beziehung zu deinem Körper über die Jahre verändert? Und wodurch wurde dies beeinflusst?

Mehr und mehr empfinde ich es als Privileg, so lange mit dem sich bewegenden Körper gearbeitet zu haben. Trotz (oder gerade wegen?) der fehlenden Sicherheit, hat mir die Zeit, die ich als Tänzerin, Lehrerin oder Choreografin damit verbracht habe, durch und über den Körper (nach)zudenken, zu einer Reihe von wertvollen Fähigkeiten verholfen, die zu einem guten Leben beitragen.

Gerade im Bereich der Intimität ist Kommunikation von grösster Wichtigkeit. Welche Rolle spielt dabei die Sprache?

Ich war überrascht zu erfahren, wie sehr die Arbeit der Intimitätsführung und -Koordination auf choreografischen Werkzeugen beruht. Der Tanz und die Intimitätsarbeit teilen sich ein ähnliches Vokabular für die Bewegungsführung. Ein Vokabular, das zum Beispiel verschiedene Berührungsebenen oder den sich vergrössernden oder verkleinernden Abstand zwischen einzelnen Körperteilen oder Körpern beschreibt. Die Sprache ist prägnant und kodifiziert und zielt darauf ab, nicht überladen oder sexualisiert zu sein. Folglich wird von den Darstellenden nicht erwartet, dass sie bei der Aufführung intimer Szenen eine "Chemie" oder "eine bestimmte Art von Magie" erzeugen. Diese entlastete Sprache, die für die Choreografie intimer Momente oder direkter Bewegungen verwendet wird, ermöglicht den Tänzer:innen und Schauspieler:innen Handlungsfreiheit und bewegt sich während den Proben innerhalb von klaren Grenzen.

Wie hat die vertiefte Auseinandersetzung mit dieser Thematik deine eigene künstlerische und pädagogische Arbeit beeinflusst?

Ich bin begeistert von der Aussicht, dass diese Arbeit in meine Unterrichtspraxis einfließen wird - während ich mehr lerne und mich qualifiziere. Ich möchte wirklich dazu beitragen, die Säulen der Intimitätsführung und -Koordination mit dem Berufsfeld Tanz zu teilen. Nicht, um den kreativen Ausdruck einzuschränken oder zu zensieren, sondern um seine Qualität zu verbessern, indem ich diejenigen ermächtige, die für die Kreieren und Performen verantwortlich sind!

Was wünscht du dir für den Tanz? 

Machtpositionen und wahrgenommene Arbeitsknappheit (Gig-Economy) führen bei Tänzer:innen und Tanzschaffenden oft zu einem Überlebensmodus, der ihr kreatives und kognitives Denken hemmen und sich möglicherweise auf Fragen rund um das Thema Zustimmung auswirken kann. Ich würde das Tanzstudio gerne als einen Ort der Ermächtigung und Empowerments sehen, für all diejenigen, die dort arbeiten. 

 

Weitere Informationen zu Emma Murray

www.emmamurray.ch

 

Informationen zum Thema Intimacy Direction & Coordination

www.theatricalintimacyed.com

www.idcprofessionals.com

 

Foto: Nicole Pfister - Choreografie: Emma Murray

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“manntanzt” - Männer wippen nur mit dem Fuss…

Interview mit Tina Mantel

Tina Mantel ist seit den 1980er Jahren als freiberufliche Choreografin, Tänzerin und Pädagogin tätig. Ihre Tanzausbildung erhielt sie in New York (BFA Juilliard School) wo sie auch das Choreografieren entdeckte. Sie unterrichtete über zehn Jahre lang Tanz, Choreografie und Tanzgeschichte an der Zürcher Hochschule der Künste. Danach studierte sie Tanzwissenschaft und gründete das Projekt „manntanzt“.

2021 lancierte sie das Tanzmehr Bühne mit*ein*ander*es Tanzfestival. Sie ist Vorstandsmitglied der TanzLOBBY IG Tanz Zürich und unterstützt als Coach Tanzschaffende auf ihrem persönlichen Weg.

Du bist Choreografin, Tanzschaffende und Tanzwissenschaftlerin und arbeitest seit vielen Jahren im Bereich des künstlerischen Community Dance, kannst du uns etwas mehr zu diesem Arbeitsfeld erzählen?

Das Unterrichten war für mich immer Teil meiner Tätigkeit, nicht nur Profis, sondern auch nicht-professionell tanzende Menschen von Kindern bis Senior:innen möchte ich Tanz als Kunstform erleben lassen. Die künstlerische Arbeit an Projekten mit solchen Gruppen begann mit „manntanzt“. Im künstlerischen Community Dance arbeiten wir als professionell ausgebildete Tanzschaffende mit sogenannten „Lebensexpert:innen“, d.h. Menschen, die ihre ganze Biografie, ihre Schwächen und Stärken in den künstlerischen Prozess einbringen, über die Mittel der Bewegung. Was mich daran interessiert, ist immer wieder neu zu entdecken, wie aus Bewegung „Tanz“ wird – und was das genau für mich ist. Laien sind in der Regel nicht behaftet mit tänzerischen Bewegungsmustern, sie gehen anders an Aufgabenstellungen heran als professionelle Tänzer:innen. Das hat viel mit Entdecken zu tun und mit Authentizität. Eine Poesie des tänzerischen Ausdrucks mit ihnen zu entwickeln, finde ich immer wieder magisch. 

Im Jahr 2012 hast du “manntanzt” ins Leben gerufen. Was genau steckt dahinter?

Ich hatte damals an der ZHdK den ersten Bachelor Studiengang für Zeitgenössischen Tanz organisiert und bei den Aufnahmeprüfungen wieder einmal erlebt, wie wenig tanzende Männer es in der Schweiz gibt. Von ca. 50 Bewerbungen waren gerade mal drei Männer, einen konnten wir aufnehmen. Als der Studiengang aus politischen Gründen gestoppt wurde, liess mich die Frage nicht mehr los, weshalb in unserer westlichen Kultur Männer kaum Zugang zum künstlerischen Tanz haben. So entstand die Idee, zu diesem Thema ein Projekt zu machen, eben „manntanzt“. Es war nur als Workshop Aufführung gedacht, aber zusammen mit dem Regisseur Roger Nydegger entstand dann ein abendfüllendes Stück, das alle begeistert hat. In der Folge bot ich den teilnehmenden Männern an – es waren 13 – ein regelmässiges Tanztraining für sie durchzuführen. Seither sind insgesamt vier abendfüllende und drei kürzere Produktionen entstanden und das Training läuft kontinuierlich, wenn auch mit Schwankungen bei den Teilnehmerzahlen. 

Wie kommst du als Frau dazu, ein Tanzformat speziell für Männer zu entwickeln?

Vielleicht ist es für professionelle Tänzer so selbstverständlich, dass es wenig Männer in Tanzangeboten gibt, dass sie nicht auf die Idee kommen. Zu Beginn fand ich es wichtig, dass ich mit einem Mann zusammen arbeite bei einer Produktion. Inzwischen weiss ich, dass dies nicht notwendig ist. Bei einem Mann als Leitung würden vielleicht Konkurrenzgefühle oder Alpha Gehabe aufkommen. Wir sind jetzt ein reines Frauenteam bei der Probenarbeit mit Delia Dahinden (Regie) und Antje Brückner (Licht) und das funktioniert sehr gut. 

Letztendlich ist es ein feministisches Projekt, Männern den Zugang zum künstlerischen Tanz zu erleichtern. So wie Fussballspielen für Mädchen inzwischen selbstverständlich ist, wünsche ich mir, dass Jungs und Männer sich dem Tanz zuwenden können, ohne verachtende Vorurteile aus ihrem Umfeld aushalten zu müssen.  

Wie kann man sich eine manntanzt Stunde oder Workshop konkret vorstellen?

Das Montagstraining unterscheidet sich inhaltlich nicht von einem Angebot für eine gemischte Gruppe. Vielleicht nutze ich manchmal andere Bilder oder Musikstücke, aber das sind Nuancen. Das wichtigste ist, dass die Männer unter Gleichgesinnten sind und ihr Interesse am Tanz ausleben können. In gemischten Gruppen sind sie ja die Exoten, das mögen viele nicht. 

Ich biete in der ersten Stunde ein Körpertraining für Bewusstsein, Kraft, Flexibilität und Koordination an, basierend auf Zeitgenössischem Tanz und José Limon Technik. Im zweiten Teil improvisieren wir mit wechselnden Themen, alleine, zu zweit und als Gruppe. Hier ist der kreativ-gestalterische Aspekt im Vordergrund.  Für reine Selbsterfahrung gibt es andere Angebote.

Die Jubiläums Workshops dauern einen Tag und nehmen jeweils das Thema eines manntanzt Stückes auf. Beim ersten Workshop geht es wie beim Stück von 2012 um die Hemmungen aber auch Sehnsüchte, die Männer mit Tanz verbinden. Andere Themen sind männliche Pioniere aus der Tanzgeschichte, Nähe und Distanz zwischen Männern oder die Frage nach einem zeitgemässen Heldentum.

Welchen Herausforderungen begegnest du in deiner Arbeit?

Die grösste Herausforderung ist immer wieder, tanzinteressierte Männer zu finden, denen mein Angebot zusagt. Die Männer, die bei einer Produktion mitwirken, machen nach dieser zeitintensiven Phase oftmals eine Pause. Junge Männer scheinen sich nicht mehr frei nehmen zu können für das Tanzen, wenn sie Väter werden. Älteren Männern werden die körperlichen Herausforderungen irgendwann zu viel. So gibt es immer wieder Wechsel, aber es ist schön, dass viele Männer im Schnitt ca. 4 Jahre bleiben.

An welche manntanzt Momente und Erlebnisse erinnerst du dich besonders gerne?

Wenn ein Mann über den Tanz etwas Neues über sich erfährt und sich wohler fühlt in seinem Körper, ist das ein Geschenk. Immer wieder die Offenheit, Energie und Kreativität der Männer im Training zu erleben, finde ich erfüllend. Und in jedem Stück gab es lustige, ästhetisch schöne und emotional berührende Momente. Zum Beispiel das Ende von „Von Mann zu Mann zu Mann“, wenn die Tänzer in einer Reihe mit dem Rücken zum Publikum stehen, und zaghaft ihre Hände zueinander ausstrecken und wieder sinken lassen. Das hat mich jedes Mal gerührt und dieses Gefühl im Publikum wieder zu erkennen, fand ich sehr schön. 

Du hast dich auch wissenschaftlich damit auseinandergesetzt und an der Uni Bern eine Arbeit zu diesem Thema geschrieben: “manntanzt - how male dancers destabilize gender roles”. Die Beziehung zwischen Tanz und Männlichkeit, scheint, gerade in der westlichen Kultur, immer noch mit gewissen Vorurteilen belastet zu sein, worin siehst du aus tanzwissenschaftlicher Sicht mögliche Gründe dafür?

Ich kenne da verschiedene Ansätze. Einerseits auf einer kulturhistorischen Ebene: Der männliche Körper durchlief in den letzten zweihundert Jahren einen historischen Wandel. In prähistorischen Zeiten tanzten fast ausschliesslich Männer, auch Louis XIV erhielt seinen Übernamen „Sonnenkönig“ von einer Hauptrolle in einem Ballett. Doch der männliche Tänzer verschwand im 19. Jahrhundert, in der Zeit des romantischen Balletts und Ballerinen Kults, praktisch von den westlichen Theaterbühnen. Ähnlich verschwand auch der männliche Akt aus der Malerei und Bildhauerei, und die männliche Kleidung erfuhr mit der Einführung des schwarzen Anzugs ein einheitliches Understatement. Männer wurden quasi unsichtbar während sie gleichzeitig für den normativen Blick in patriarchalen Gesellschaften stehen. Deshalb sind Männer auf der Bühne in einer prekären Lage, wenn sie wie Tänzer, ihren Körper ins Rampenlicht stellen. Denn der heterosexuelle, männliche Blick darf sich per definitionem nicht für das Spektakel des tanzenden männlichen Körpers interessieren, da sonst unbewusste oder bewusste homoerotische Reaktionen ausgelöst werden, die wiederum homophobe Reaktionen provozieren

Auf einer individuelleren Ebene reibt sich das Kontrollbewusstsein in unseren mittel- und nordeuropäischen Gesellschaften mit dem Tanz. Vor allem Männer lernen immer noch, dass ein richtiger Mann seine Gefühle unter Kontrolle hält und seinen Körper diszipliniert. Tanz ist immer auch ein Stück Kontrollverlust, tanzend entziehen wir uns dem rationalen Denken, das fällt Männern schwerer als Frauen. Auch die Kirche hat dazu beigetragen, dass Tanzen als minderwertige oder gar keine Kunstform betrachtet wird. 

Hingegen hat der Tanz für Männer in südlichen oder osteuropäischen Gesellschaften eine ganz andere Bedeutung. Dort wo der Volkstanz ein aktiv gelebter Teil der Kultur ist, finden Männer selbstverständlicher zum Tanz, als Hobby oder als Beruf. 

Welche Haltung liegt deiner künstlerischen und pädagogischen Arbeit zugrunde?

Ich kann das vielleicht so zusammenfassen: Respekt und Neugierde für die tanzenden Menschen einerseits und das Teilen meiner grossen Leidenschaft für den Zeitgenössischen Tanz als kreative Ausdruckform. 

Wie hat deine Arbeit im Bereich des Community Dance, deine Sicht auf Tanz verändert oder beeinflusst?

Mich interessiert Perfektion nicht mehr, tanztechnische Leistungen kann ich schätzen, aber sie begeistern mich selten. Und die Kommunikation mit dem Publikum ist mir immer wichtiger geworden. Ich möchte die Menschen erreichen und sie nicht ratlos vor einem Tanzstück sehen. Mit der ersten “manntanzt” Produktion fand ich heraus, dass diese Männer auf der Bühne, die wie der Bruder, Vater oder Nachbar aussehen, die Zuschauenden unmittelbar ansprechen und berühren. Weil die Identifikation selbstverständlicher ist, als mit durchtrainierten, virtuosen, professionellen Tänzern. Die ich aber auch sehr schätze!

Was motiviert dich an deiner Arbeit? Woraus schöpfst du?

Ich hoffe, das habe ich bereits ausgedrückt: ich liebe den Tanz und möchte ihn deshalb möglichst vielen Menschen zugänglich machen, ob sie selbst tanzen, auftreten oder Stücke schauen. Tanz leidet unter anderem darunter, dass alle meinen zu wissen, was es ist, aber jede:r Mensch etwas anderes darunter versteht. Tanz kann soziale Praxis sein an Partys und Feiern, es kann ein Sport sein, er wird kommerziell genutzt in Werbung oder Musikvideos, und er kann eben auch eine Kunstform sein. Und auch da gibt es eine grosse Bandbreite vom Klassischen Ballett bis zum Konzept Tanz. Wer mehr über Tanz weiss, findet einen besseren Zugang dazu. Das ist meine Motivation. 

Das Tanzen ist auch weiterhin meine Quelle – ich fühle mich nie so lebendig wie beim Tanzen und ich hoffe, dass dies noch lange so ist.

In diesem Jahr feiert manntanzt sein 10-jähriges Jubiläum. Wie geht es weiter und welche Wünsche und Visionen hast du für die nächsten zehn Jahre?

Ich wünsche mir, dass es manntanzt Satelliten in verschiedenen Städten gibt - unterschiedliche Tanzangebote, die sich an Männer und Jungs richten. Ich möchte selbst noch einige Stücke mit Männern auf die Bühne bringen und dann auch eine Nachfolge finden, so dass die Arbeit weitergeht, auch wenn ich einmal nicht mehr die Energie dafür habe. Kurzfristig wünsche ich mir vor allem, dass sich genügend interessierte Männer melden, um die Workshops in Winterthur, Basel, Bern und Luzern durchführen zu können!

Was würdest du Tanzschulen, Tanzpädagog:innen und tanzfreudigen Männern mit auf den Weg geben, in Bezug auf genderübergreifende Zugänglichkeit von Tanz?

Ich empfehle unbedingt Angebote nur für Buben, Jungs und Männer einzurichten, geleitet von männlichen und weiblichen Tanzschaffenden. Das können zu Beginn kurzfristige Workshops oder Projekte sein. Es fällt Männern leichter, sich für eine begrenzte Zeit und ein klares Ziel zu verpflichten, als für einen regelmässigen Kurs. In gemischten Gruppen könnten die Bedürfnisse der Männer und Frauen angesprochen werden und sie allenfalls auch mal geschlechtergetrennt etwas erarbeiten lassen. Gerade bei Kindern ist die Begeisterung vieler Mädchen für rosa Kleidchen eher abschreckend für Jungs – und auch gewisse Mädchen.

Den tanzfreudigen Männern wünsche ich, dass sie ein Angebot finden, das ihnen zusagt und den Mut, es auch auszuprobieren! Und sich nicht abschrecken lassen, falls sie der einzige Mann sein sollten. 

 

Weitere Informationen: manntanzt - Tina Mantel

Videolink: manntanzt

Informationen Jubiläumsworkshops

Hier lesen sie die Arbeit in englischer Sprache “manntanzt - how male dancers destabilize gender roles”

Social Media: @manntanzt auf Facebook und Instagram

 

Fotocredit: Roman Bernhard

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Perfektionismus

IADMS - Ressource Paper für Tänzer:innen und Tanzpädagog:innen

In Zeitungsrezensionen werden oft die Worte "perfekt" oder "makellos" verwendet, um darauf hinzuweisen, dass bei einer Tanzaufführung etwas Erstrebenswertes geschehen ist. Aber ist Perfektion oder Exzellenz vorteilhafter? Gibt es einen Unterschied zwischen den beiden, und wenn ja, was könnte er für Tänzerinnen und Tänzer und für diejenigen, die sie unterrichten bedeuten?

Die Psychologin Harriet Braiker hat einmal gesagt: "Das Streben nach Exzellenz motiviert, das Streben nach Perfektion ist demoralisierend". Vielleicht in Anerkennung der Tatsache, dass ein Tänzer oder eine Tänzerin hoch streben und hart arbeiten muss, bevor er oder sie eine gute Leistung erbringen kann, versuchen Pädagog:innen manchmal, Schülerinnen und Schüler zur Perfektion zu inspirieren. 

In diesem Beitrag werden zunächst die aktuellen Vorstellungen über Perfektionismus, einschließlich seiner positiven und negativen Aspekte, beschrieben. Anschließend wird ein Überblick über einschlägige Forschungsarbeiten zu den Beziehungen zwischen Perfektionismus und einer Reihe von Indikatoren für Wohl- und Unwohlbefinden oder Krankheitsbildern gegeben. Der Beitrag befasst sich auch mit der Frage des Perfektionismus unter Tanzpädagog:innen, Schüler:innen und Tanzenden und schließt mit Empfehlungen für die Praxis ab.

Der Artikel wurde von Sanna Nordin-Bates in Zusammenarbeit mit dem IADMS Dance Educators’ Committee 2014 verfasst.

 

Hier lesen Sie den ganzen IADMS Artikel in englischer Sprache Perfectionism - Ressource Paper for Dancer and Teachers

Hier finden Sie viele weitere spannende Ressourcen und Informationen IADMS - International Association for Dance Medicine and Science

 

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In y/our Shoes - The Role of Empathy in Coaching Dancers

Masterthesis von Ilana Werner

Die Verantwortung, die das Coaching von Tänzer:innen mit sich bringt, ist enorm hoch. Wenn wir über Kunst sprechen, egal ob es sich um eine Statue, ein Lied, ein Gemälde oder ein Tanzwerk handelt, sprechen wir normalerweise über das Endprodukt. Der Weg zu einem fertigen Bühnenstück ist jedoch ein sehr komplexer, vielschichtiger und vor allem kollaborativer Prozess.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat sich Ilana Werner mit dem Thema Empathie im Bereich des Coachings auseinandergesetzt und die Beziehung und das Zusammenspiel von Tänzer:innen und Tanzpädagog:innen, Ballettmeister:innen und Probeleitenden beleuchtet. In einer Podiumsdiskussion spricht sie mit drei erfahrenen Experten, über die Schönheit dieser Aufgabe, die Rolle der Empathie im Arbeits- und Lernprozess, aber auch über Schwierigkeiten und Herausforderungen, und die katastrophalen Folgen eines Mangels an Empathie.

Ilana Werner verbrachte 12 Jahre ihrer Karriere als erste Solistin beim Bayerischen Staatsballett in München und tanzte danach beim Ballet du Capitole in Toulouse und dem Ungarischen Nationalballett in Budapest. 2021 absolvierte sie ihren Master of Arts in Teaching and Coaching Dancers an der ZHdK in Zürich, sie ist international als Gastcoach an Schulen und Compagnien tätig und war Ballettmeisterin am Tanz Luzerner Theater, ist zertifizierte Übersetzerin und mittlerweile auch in der Betrugsverhinderung eines namhaften Kreditunternehmens tätig. 

 

Hier lesen Sie die Masterarbeit auf englisch In y/our Shoes - The Role of Empathy in Coaching Dancers

Video Link In y/our Shoes

 

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DancePodGuest - fit 4 performing arts

Interview mit Angélique Keller

Angélique Keller ist ausgebildete Sportwissenschaftlerin, hat an der Uni Bern Dance Science studiert und lange Jahre als Sporttherapeutin an der Schulthess Klinik Zürich (Swiss Olympic Centre) gearbeitet und professionelle Athlet:innen und Tänzer:innen auf ihrem Weg zurück zum Sport oder auf die Bühne begleitet.

2018 hat sie fit4performingarts Angélique Keller gegründet, ein Angebot, dass sich an Tänzer:innen, Tanzpädagog:innen und Tanzinstitutionen aus allen Bereichen richtet. Es umfasst Check-ups, Konditions-, Präventions- und Back-to-stage Programme, Konsultationen sowie Dance Science Workshops & Vorträge. Ausserdem beschäftigt sich Angélique vertieft mit Spiraldynamik und verschiedenen Bewegungsformen und hat unter anderem Konditionsprogramme für das Ballett Zürich, das Landestheater Ballett Salzburg und das Ballett Leipzig konzipiert.

In der zweiten Episode des DancePodGuest spricht Angélique über ihre Arbeit mit Tänzer:innen, ihre Motivation und Ziele und über gesundes und nachhaltiges Training, im Laien- als auch professionellen Bereich, über alle Tanzsparten hinweg. Ausserdem geht sie verschiedenen Trainigsmythen auf den Grund, betont die Wichtigkeit von bewussten Ruhephasen und erzählt von ihrer Interventionsstudie zum Thema plyometrische Sprungkraft, die sie im Rahmen ihres MAS Studiums mit dem Ballett Zürich durchgeführt hat.

 

Hören Sie hier das ganze Interview in deutscher Sprache DancePodGuest - “fit 4 performing arts”

Weitere Informationen zu Angélique Keller finden Sie unter www.fit4performingarts.ch

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Tango trifft auf Dance Science

Interview mit der TVS-Stipendiatin Annatina Luck

Annatina Luck ist Tangotänzerin, Tanzpädagogin, Choreografin und hat 2013, zusammen mit Daniel Aranda, ihre eigene Tanzschule "La Porteña”, im Herzen von Zürich eröffnet. Sie ist Gewinnerin des TVS-Stipendiums 2021 und studiert aktuell an der Uni Bern im Studiengang MAS Dance Science.

 

Bewegung war schon immer deine Leidenschaft. Du hast deine Ausbildung zur zeitgenössischen Tänzerin an der Universität der Künste in Amsterdam und an der Alvin Ailey School in New York gemacht, wie bist du zum Tango gekommen?

Nach meiner vierjährigen Ausbildung in New York, war für mich klar: Hier will ich leben. Nachdem ich eine Green Card gewonnen hatte, stand mir nichts mehr im Wege. Fast 20 Jahre lang nannte ich New York mein Zuhause und tanzte, choreografierte und unterrichtete modernen Tanz. Bei einer abendfüllenden Show im „Steps on Broadway“, wo ich meine Choreografien präsentierte, sah ich zum ersten Mal eine Tango-Performance. Ich war so fasziniert, dass ich am nächsten Tag meine erste Tango Lektion nahm und von da an wusste ich: Das ist meine Zukunft.  

Seit Jahren unterrichtest du sowohl an deiner eigenen Schule, als auch als Gastdozentin in der Schweiz und im Ausland. Welche Haltung liegt deiner pädagogischen Tätigkeit zu Grunde?

Im Vordergrund steht immer die Person, der:die Schüler:in. Den Inhalt der Lektionen passe ich immer wieder aufs neue den Bedürfnissen der Schülern:innen an. Es braucht Flexibilität und Kreativität, denn nur im Verstehen des Einzelnen kann der Tango vollumfänglich vermittelt werden.

Mein Unterricht folgt den Prinzipien des traditionellen argentinischen Tangos, und es ist mir wichtig dass die Schüler in einem sicheren Umfeld lernen können. Ich achte darauf, dass die Atmosphäre trotz der anspruchsvollen Inhalte entspannt und locker bleibt.  

Du hast 2021 eines der TVS-Stipendien erhalten, um das CAS “Dance Science: Health & Performance” an der Uni Bern zu machen. Was hat dich dazu motiviert, dieses Studium in Angriff zu nehmen?

Das mag lustig tönen, aber in erster Linie Dr. Derrick Brown! Er war 1992 mein Lehrer an der Universität der Künste in Amsterdam, wo ich meine Ausbildung als Tänzerin absolvierte. Damals wie heute war er eine Inspiration für mich. Als ich anfing, mich für das Studium zu interessieren und sah, dass er als Studienleiter und Dozent aufgeführt war, war ich mir sicher, dass mich dieses Studium weiterbringen würde. Zudem hat mich auch mein Partner, der selbst Wissenschaftler ist, motiviert. 

Wie hast du organisatorisch das Studium und den beruflichen Alltag unter einen Hut gebracht?

Anfangs war es eine Herausforderung, weil ich neben Beruf und Studium noch eine 2 jährige Tochter habe. Aber wie bei vielen Dingen im Leben, wenn es Spass macht und die Motivation da ist, kann man vieles unter einen Hut bringen. Dr. Andrea Schärli, die Studienleiterin des MAS/CAS Dance Science, hat mir von Anfang an versichert, dass sie viel Verständnis für unterschiedliche Lebensumstände hat und dass es eine gewisse Flexibilität im Studium gibt.  

Du hast im Rahmen deiner CAS Weiterbildung  eine Literaturstudie verfasst: ”Can Tango Improve the Quality of Life in Non-Professional Dancers” und bist darin der Frage nachgegangen ob und wie Tango die Lebensqualität von nichtprofessionellen Tanzenden verbessern kann? Kannst du uns etwas mehr dazu erzählen?

Als professionelle Tangotänzerin interessierte mich das Thema natürlich und viele Faktoren, die ich intuitiv wahrgenommen hatte, bestätigten sich mir auch bei der Recherche zum Thema.

Die Vorteile des Tangotanzens sind erwiesenermaßen weitreichend. Studien haben gezeigt, dass Tangotanzen Depressionen und Stress reduzieren, Achtsamkeit fördern und die psychologische Funktionalität positiv beeinflussen kann. Außerdem kann Tangotanzen das Sturzrisiko bei älteren Menschen verringern und die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Frage gewidmet, wie Tangotanz und Musik kognitive Prozesse und kortikale Aktivitäten beeinflussen können. Es gibt aber noch viel zu erforschen, um Zusammenhänge und Einflüsse genauer verstehen zu können. 

Du bist selber seit Jahren Tangotänzerin und -lehrerin, wie hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema deine pädagogische Arbeit beeinflusst?

Ich habe gelernt, mich im Unterricht differenzierter und präziser auszudrücken. Ich habe ein besseres Verständnis für das Wie und Warum der Dinge, und dadurch werden die Erklärungen für die Schüler:innen fundierter. Ich verstehe die Ursachen jetzt viel besser und dies gibt mir die Möglichkeit, die Schüler:innen besser zu unterstützen. Ich sehe viele Dinge, die im Unterricht als Pädagogin und auch bei mir als Tänzerin verbessert werden können. Das betrifft verschiedene Bereiche, über die wir gelernt haben, z. B. Anatomie, Verletzungsprävention, motorisches Lernen, Unterricht für verschiedene Altersgruppen, Psychologie und mehr. Ich bin sicher, es wird noch viel Interessantes kommen, ich bin ja erst im 2. Jahr meines Studiums.

Was würdest du angehenden Stipendiat:innen mit auf den Weg geben?

Ich kann die Ausbildung nur empfehlen. Natürlich kommt es immer auf den Hintergrund des Einzelnen an, aber ich hatte aufgrund meiner Leidenschaft für das Tanzen wenig Erfahrung mit dem wissenschaftlichen Ansatz. Mir hat es den Horizont geöffnet, und ich sehe Wege, die Theorie in die Praxis umzusetzen. 

Welche Erlebnisse mit und im Tanz haben dich besonders geprägt, wenn du zurückblickst? Was waren für dich die schönsten Tanzerfahrungen?

Im Tanz haben mich vor allem das Überwinden von Herausforderungen, das Nicht-Aufgeben und die Freude am Lernen geprägt. Die Disziplin, die Kameradschaft, die Fähigkeit, komplexe Bewegungsabläufe zu erlernen und kreativ zu sein, kann in fast jedem Lebensbereich außerhalb des Tanzes angewendet werden. 

Es gab viele schöne Tanzerlebnisse im Unterricht, auf der Bühne, auf Tourneen, aber was letztlich für immer bleibt und für mich am schönsten ist, sind die Freundschaften, die daraus entstanden sind.

Woraus schöpfst du, was inspiriert dich bei deiner Arbeit?

Inspirationen gibt es viele: einerseits selber Neues zu lernen, anderseits mich am Fortschritt anderer zu freuen und vor allem immer wieder neue Wege zu entdecken. Nach mehr als 20 Jahren, seit ich meine erste Tangostunde genommen habe, habe ich nie aufgehört zu lernen. 

 

 

Weitere Informationen zu Annatina Luck

Weitere Informationen zu den TVS Stipendien finden Sie unter Bildungsbeiträge 

Foto: Leon Le Photography

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Let’s Dance! - Mein Körper gehört mir

Tanzdokureihe auf Arte

Die neue 6-teilige Tanzdokureihe von Arte zeichnet die Geschichte des Tanzes vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute nach und geht dabei auf sämtliche Formen von Ballett über HipHop bis zum Volkstanz ein. Sie lässt Tänzer und Choreographen aus der ganzen Welt zu Wort kommen – die Thematik des Körpers im Tanz zieht sich wie ein roter Faden durch die Sendungen.

„Let’s dance!“ geht Körpermustern jenseits der Norm und Akzeptanz in der Gesellschaft nach. Die Dokumentation befasst sich mit den Schönheitsidealen im 20. Jahrhundert aus Sicht des Tanzes. Zudem zeigt sie auf, wie eine Norm durchgesetzt, hinterfragt und dann aufgebrochen wird, und wie letztlich in jeder Choreographie das Verhältnis zum Instrument des Tanzes, dem Körper, neu definiert wird.

Zur Sendung Let’s Dance! - Mein Körper gehört mir 

 

 

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Contemporary Approaches to Dance Pedagogy - die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Eine Literaturstudie zu aktuellen Ansätzen in der Tanzpädagogik

Die tanzpädagogische Praxis hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert und weiterentwickelt. Laut Banon (2010) ist Tanz eine intellektuelle, körperliche und sensorische Reaktion auf die Erfahrung der Welt.

Während im traditionellen Übertragungsmodell, die Schüler:innen vor allem durch Nachahmung bestimmte Bewegungsmuster und -vokabular lernten, die von einer erfahrenen Lehrperson vorgegeben wurden, nutzen viele Tanzpädagog:innen mittlerweile ein breites Spektrum an Unterrichtsstrategien, -Methoden und Werkzeugen, um ihre Schüler:innen zu motivieren und begeistern.

Anu Sööt (Doctor of Phyilosophy) ist Dozentin an der Universität Tartu in Estland. In diesem Artikel teilt sie die Erkenntnisse und Ergebnisse einer Literaturstudie zu allgemeinen Entwicklungstrends und Herausforderungen in der zeitgenössischen Tanzpädagogik. Auf Grundlage der Literaturrecherche wurden sieben Hauptthemen identifiziert, die im Artikel näher erläutert werden:  

  • Das ganzheitliche Modell der Tanzpädagogik
  • Selbstregulierung und Reflexion im Lernen
  • Der somatische Ansatz
  • Tanz als Kunstform in Bezug auf die Tanzpädagogik
  • Formen der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kunstformen
  • Die Rolle neuer Technologien und Massenmedien in der Tanzpädagogik
  • Der multikulturelle Ansatz, Geschlecht und Sexualität

 

Hier lesen Sie den Originalartikel in englischer Sprache

Contemporary Approaches to Dance Pedagogy

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Spiegelneuronen und zeitgenössischer Tanz

Ein Artikel über die Rolle und Funktion von Spiegelneuronen

Serena Loprevite ist Tanzschaffende, Choreografin, Kinesiologin und hat ihren Master in klinischer Posturologie an der Universität Pisa abgeschlossen. In diesem, nicht nur für zeitgenössische Tänzer:innen anregenden Artikel, setzt sie sich mit Fragen der Funktion und Rolle von Spiegelneuronen in Lern- und Beobachtungsprozessen, sowie der Fähigkeit zur Empathie auseinander.

Die Erkenntnisse eröffnen eine neue Perspektive auf die Art und Weise, wie Tänzer:innen und Tanzschüler:innen mit ihrer Umwelt, ihren Mittanzenden und dem Publikum in Beziehung treten.

Spiegelneuronen wurden zum ersten Mal in den 1980er Jahren von einer Gruppe Neurowissenschaftler:innen, unter der Leitung von Prof. Giacomo Rizzolatti, an der Universität Parma entdeckt. Das Forschungsteam stellte fest, dass zwischen der motorischen Region und dem Wahrnehmungsbereich ein "Spiegelungsphänomen" auftritt und dass diese Klasse von Neuronen, die als "Spiegel" bezeichnet werden, beim Menschen auf die gleiche Weise aktiviert werden, wenn eine Geste selber ausgeführt, als auch, wenn die Ausführung der Geste nur beobachtet wird.

Diese Entdeckung offenbart einen neuen Aspekt der Integration von Wahrnehmung und Handlung: Wenn die Tanzschüler:innen den Raum betreten, nehmen sie ständig nonverbale Informationen auf. Noch bevor ein Kind die Anweisung der Tanzlehrperson verstanden hat, imitiert es sie. Bei reiferen Schüler:innen, umfasst die Nachahmung nicht nur die Abfolge der Bewegungen, sondern auch ihre emotionale Kraft.

Spiegelneuronen sind also beteiligt in Lern- und Beobachtungsprozessen und spielen eine grundlegende Rolle bei der Übertragung von Empathie und dem “Lesen” getanzter Aktionen.

Der Artikel lädt dazu ein, verschiedene Aspekte des Tanzunterrichts unter neuen Gesichtspunkten zu reflektieren.

 

Lesen Sie den ganzen Artikel in italienischer Sprache hier I neuroni specchio e la danza contemporanea

Autorin: Dr. Serena Loprevite 

www.serenaloprevite.com

Redaktion: SID - Scienza In Danza

www.scienzaindanza.com

 

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DancePodGuest - ein Podcast rund um den Tanz

Interview mit Marianne Kaiser

Marianne Kaiser hat ihr Leben dem Tanz und der Bewegung verschrieben, sie ist Tanzpädagogin, Inhaberin der KAISER TANZSCHULE Zürich, Organisatorin der KAISER Bälle und war Jurymitglied bei der Fernsehsendung «Darf ich bitten?». Ausserdem beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit mit der Feldenkrais Methode, Zen Meditation, Neurotango, Tai Chi und ist aktuell dabei, ihre eigene Tai Chi Tango Methode zu entwickeln.

In der ersten Episode des DancePodGuest Podcasts erzählt Marianne Kaiser wie sie zum Tanz gekommen ist, was sie in ihrer pädagogischen Arbeit inspiriert und bewegt, welchen Höhepunkten und Stolpersteinen sie begegnet ist und wie sie dazu kam ihre eigene Tai Chi Tango Methode zu entwickeln.

Hören Sie hier das ganze Interview als Podcast DancePodGuest - ein Interview mit Marianne Kaiser


Was inspiriert dich in deiner Arbeit?

Wir Tanzschaffenden können Wegbereiter sein für Entwicklungen beim Menschen. Man geht spielerisch vor, doch dahinter ist Tiefe und die Erkenntnis, dass jeder Moment wichtig und einmalig ist. Bei der Zen Meditation sagt man am Ende des Tages: Seid stets achtsam, niemals nachlässig! Wenn man Schüler:innen als Gäste betrachtet, so inspirieren sie. Jede Begegnung wird in jedem Moment zur gemeinsamen Entdeckungsreise.

Was waren deine schönsten Erlebnisse?

Immer wieder GROSS war für mich, junge Debütantenpaare auszubilden, über die Jahre hinweg waren es insgesamt ca. 5000 junge Menschen, um in ihren festlichen Kleidern aufs gesellschaftliche Parkett zu treten - und mich danach von ihnen loszulösen. Schön ist auch, wenn ich beim ersten Unterricht ein entspanntes Lächeln auf den Gesichtern der Lernenden sehe oder bei meinem TAI CHI TANGO Tränen in einem Gesicht entdecke.

Worin siehst du die Aufgabe einer Tanzlehrperson?

Freude zu bereiten. Das Erlernen soll lustvoll und schmerzfrei sein. Man trägt auch eine grosse Verantwortung. Man kann Menschen Welten eröffnen. Der Tanz soll ein Mittel werden, äusserlich und innerlich zu wachsen.

Wie siehts du die Verbindung zwischen Lehrperson und Schüler:innen?

«Liebe deine Schüler» hat vor X-Jahren ein deutscher Tanzlehrer an einem Kongress gesagt. Schön, wenn man das echt ausstrahlt!Didaktisch und pädagogisch sollte man sich immer hinterfragen, ob es nicht noch bessere Methoden gäbe. Man darf sich der eigenen Didaktik und Pädagogik nie zu sicher sein.

Was ist dir wichtig, wenn du Feedback gibst?

Loben, loben, loben und fest motivieren, dass man es auch «noch etwas anders» tun könnte.

Was hast du selber gelernt durch deine pädagogische Tätigkeit?

Moshe Feldenkrais hat mich gelehrt das Lernen zu lernen. Ich versuche dies stets über meine Schüler:innen und über bestmögliche  Aufmerksamkeit.

Was fasziniert dich am Tanzstil, den du unterrichtest? 

Zur Zeit entwickle ich mein TAI CHI TANGO. Ich suchte seit langem eine starke Meditationsform im Tanz. Meine Tai Chi Form wurde von einem Tänzer entwickelt. Sein Spirit und mein eigenes Tanzempfinden leiten mich.

Words of wisdom?

Weisheit? Ums Himmels Willen. Nein, Tanz ist nicht Abgeklärtheit, sondern spontane Lebensfreude! Ohne «words», Dogmen und Vorstellungen sein – frei davon sein!

 

Weitere Informationen finden sie unter www.kaisertanz.ch 

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connectivedance - Faszien & Tanz

Interview mit Lisa Lareida

Lisa Lareida ist Tanzschaffende, Choreografin, Tanzpädagogin und Neuroorthopädistin. Vor Kurzem hat sie ihren Master an der ZHdK in Zürich im Bereich Teaching and Coaching Dance Professionals abgeschlossen und sich in ihrer Abschlussarbeit mit der Verbindung von Faszien und Tanz auseinandergesetzt. Im TVS Interview spricht sie über das Prinzip des connectivedance und wie das Wissen um Faszien den Tanzunterricht bereichern kann.

 

Du bist Tanzschaffende, Choreografin und Tanzpädagogin. Wie bist du zum Tanz gekommen? Was fasziniert dich an Tanz und Bewegung?

Schon als Kind habe ich mich sehr viel bewegt und viel Sport gemacht. Sobald Musik gespielt wurde, tanzte und sang ich. Seit ich mich erinnern kann, folge ich diesem inneren Impuls, der für mich etwas vom Natürlichsten der Welt ist. Das Besondere am Tanz ist die Kombination aus vielseitiger Bewegung und Musikalität. Diese unendliche Vielfalt fand ich nirgendwo anders als im Tanz. Die Bewegung ist (m)ein Lebenselixier, das mich ausgleicht, mich selbst spüren lässt, mir Freude bereitet und mich mit Menschen verbindet. 

Nebst dem Tanz bist du auch ausgebildete Orthopädistin und hast einen Masterabschluss in Neuroorthopädie. Wie hat dein medizinischer Hintergrund deinen Zugang zu Tanz und Bewegung beeinflusst? Gibt es da Verbindungen?

Der Tanz ist, wie auch meine Vorliebe für das Handwerkliche, seit frühster Kindheit Teil von mir. Ich realisierte früh, dass die Zeit des Schulbankdrückens für mich nach den obligatorischen neun Jahren ein Ende finden würde und entschied mich für eine Lehre als Orthopädistin. Während dieser Lehre entdeckte ich ein weiteres Interessensgebiet, das mich seit jeher begleitet und meinen Werdegang zeichnete. In meiner Tätigkeit als Orthopädistin baute ich mein Verständnis des menschlichen Körpers im medizinischen Bereich aus und erweiterte dieses während meiner Masterausbildung in Neuroorthopädie. Zugleich bot mir meine Arbeit die Möglichkeit, meiner handwerklichen Kreativität Raum zu geben und mit Menschen, unter Berücksichtigung ihrer vielfältigen Individualität, zusammen zu arbeiten. Daneben widmete ich mich weiterhin intensiv dem Tanz. Ich denke, es war die Kombination all dieser Bereiche, die mein Interesse an der ganzheitlichen Betrachtung der Bewegung nachhaltig geprägt hat. 

Welche Haltung liegt deiner tanzpädagogischen Arbeit zugrunde?

Die Nachhaltigkeit; und zwar gleich auf mehreren Ebenen. Als Tanzschaffende stehe ich unter einem gewissen Kreativitätsdruck. Kreativität ist etwas, das nicht forciert werden kann, sondern entsteht. Ich habe bemerkt, dass mir sehr viel an einem Austausch mit meinen Schüler:innen auf Augenhöhe liegt. Nicht nur sie lernen etwas von mir, nein ich lerne ganz viel von ihnen. Ich liebe die Fragen, die Schwierigkeiten und die Prozesse, die während einer Unterrichtstunde auftauchen. Sie wecken meine Neugierde und rufen so auf ganz natürliche Weise Kreativität hervor. Auch die Bewegung an sich ist für mich zentral. Ich mache mir sehr viele Gedanken darüber, welche Bewegung wie, wo und wann Sinn macht im Unterricht. Jeder Mensch weist einen individuellen Bezug zur Bewegung auf und Bewegungen wirken sich unterschiedlich auf verschiedene Körper aus. Es fasziniert mich, zu ergründen, was im Körper genau passiert und welche Auswirkung eine Bewegung auf einen Organismus, eine Stimmung und in der Gesamtheit auf das Körpergefühl hat. Mein beruflicher Werdegang liefert mir dafür die pädagogischen und choreografischen Facts sowie das medizinische Wissen. So verweben sich meine Erfahrungen zu einer ganzheitlichen Betrachtungs- und Unterrichtsweise, die es mir erlaubt, mit meinen Schüler:innen nachhaltig zu tanzen und zu lernen. 

Vor Kurzem hast du deinen Master in Teaching and Coaching Dance Professionals an der ZHdK in Zürich abgeschlossen und dich in deiner Abschlussarbeit der Verbindung von Faszien und Tanz gewidmet. Das Thema scheint aktuell in aller Munde zu sein und doch ist es noch ein relativ junges Forschungsfeld, gerade auch in Bezug auf Tanz. Wie bist du darauf gekommen, dich damit auseinanderzusetzen?

Ich habe mich mit zwanzig Jahren stark mit der Haltung und muskulären Dysbalancen des Körpers auseinandergesetzt. Infolge meiner Skoliose habe ich die Rolfing Therapie entdeckt, die schon lange faszial arbeitet. Das erste Mal nach einer Therapie, hatte ich das Gefühl, dass mein Körper ausbalanciert war. Von diesem Moment an war ich mir der immensen Bedeutung der Faszien bewusst. In den folgenden Jahren erkannte ich, wie wirkungsvoll der Tanz in seiner Vielfalt an Bewegungen, Wahrnehmungs- und Anpassungsprozessen für die Faszien ist. Ich legte mein Augenmerk auf die Qualität, in der eine Bewegung ausgeführt wird, da diese die Wirkung auf die Faszien und den Körper determiniert. Welche Bewegung wirkt wie und warum? Wie kann Tanz auch in hoher Intensität den Körper zugleich stärken, ausbalancieren und nähren? Durch die Brille meines interdisziplinären Werdeganges und mit dem Fokus auf die faszialen Strukturen schärfe ich seither mein Verständnis des Tanzes. In diesem Sinne waren es die Faszien, die mich erkennen liessen, wie meine verschiedenen Interessensgebiete miteinander in Verbindung zu bringen sind.   

Wie hat das deine Wahrnehmung vom Körper beeinflusst und sich auf deine pädagogische Arbeit ausgewirkt?

Individuelle Körper weisen individuelle Bedürfnisse auf. Es gibt kein Richtig oder Falsch. In diesem Sinne sehe ich mich in der Verantwortung, meinen Schüler:innen eine Vielzahl von Möglichkeiten anzubieten, einen eigenen Weg zu entdecken, um die Qualität einer Bewegung zu erfahren. Daher arbeite ich auch weniger an der Form, sondern viel mehr an der Intention einer Bewegung. Dieser Ansatz eröffnet wiederum auch mir eine Vielfalt an Möglichkeiten, deren Eruierung mein Interesse weckt. Für mich besteht die Schönheit des Tanzes nicht darin, die Individualität in eine Form zu zwängen, sondern aus dem eigenen Körper und der Qualität eine Form zu finden. Diese Haltung integriere ich in meinem physisch intensiven Unterricht, indem ich neben Übungen und Phrasen auch Improvisationen sowie Momente der Bewegungsrecherche gestalte. Diese ermöglichen die Suche nach dem Ursprung der Bewegungsqualität. 

Wer länger bei mir im Tanzen ist, versteht mit der Zeit, dass es genau diese Phasen des Unterrichts sind, welche die Möglichkeit bieten, an den Kern der Bewegung zu gelangen. Die Suche prägt auch mein Unterrichtskonzept, welches somit nie eine endgültige Form finden wird. Ich versuche immer wieder neue Wege zu finden, etwas fühlbar zu machen, wodurch eine Verkörperung überhaupt erst möglich wird. Was schön ist, denn das ist und bleibt eine Herausforderung für mich und ich entwickle mich stets weiter. 

Kannst du uns erklären was man unter dem Begriff connectivedance versteht und welche Rolle dieses Konzept in deinem Unterricht und in deiner künstlerischen und pädagogischen Arbeit spielt?

Vor Kurzem habe ich connectivedance als einen Ort des Austauschs gegründet. Mein Anliegen ist es, eine Verbindung von Tanzlehrer*innen zu schaffen, die sich auch mit der Nachhaltigkeit des Tanzes auseinandersetzen. Zudem soll connectivedance einen Raum für die individuellen Bewegungswelten der unterschiedlichen Tanzstile bieten, indem sie sich zu einem ganzheitlichen Lernfeld vereinen können. 

Mein, im Rahmen der Masterausbildung, realisiertes Spiel bietet die Möglichkeit, den Unterricht stetig weiterzuentwickeln. Ich habe eine Methode kreiert, die keine gesonderte Unterrichtseinheit darstellt, sondern sich spielerisch in alle Elemente einer Stunde integrieren lässt und somit viel Raum für Kreativität bietet. Auf diese Weise generieren Pädagogen:innen spielend neues Material und Impulse für ihren Unterricht. Zudem öffnet die Methode auch interessante choreografische Felder. 

In welcher Form können Erkenntnisse aus deiner Forschungsarbeit den Tanzunterricht bereichern?

Ich denke, dass meine Erkenntnisse und diejenigen derer, die in einem ähnlichen Feld forschen, dem Tanz einen ganz neuen Stellenwert in unserer Gesellschaft geben können. Werden die interdisziplinär entwickelten Tools angewendet, kann es den Unterricht vielfältiger machen, die Tanzlehrer:innen kreativ inspirieren und neue Bewegungen generieren; sprich den Tanz(-Unterricht) im Kleinen und Grossen nachhaltiger gestalten. Weil nicht mehr die Form und Perfektion das primäre Ziel sind, wird der Tanz zudem zugänglicher und könnte auf Grund der gesundheitsfördernden Wirkung gar gewinnbringend im Alltag der Gesellschaft verankert werden. Ein Paradigma-Wechsel, welcher die Traditionen, die sich über mehrere Generationen gebildet haben, im medizinischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Kontext reflektiert und weiterentwickelt.

Du hast im Rahmen deiner Abschlussarbeit an einem Kartenset gearbeitet, dass man im Tanzunterricht als Inspirationsquelle verwenden kann. Kannst du uns etwas mehr dazu erzählen?

Ich möchte mein Spiel „fascia dance game“, welches ich unter dem Label connectivedance im Rahmen meiner Masterabeit entwickelte, möglichst bald veröffentlichen. Das Spiel beinhaltet 25 Karten, die den Tanz aus der Perspektive der Faszien betrachten und Unterrichtimpulse liefern. Ich habe bewusst die Form des Spieles gewählt, da ich den Spielenden, entsprechend meines nachhaltigen Ansatzes, die Freiheit lassen möchte, mit den Karten zu experimentieren und zu kreieren.

Für Fragen und Infos: [email protected]
Webseite: connectivedance | Lisa Lareida Dance
Video Entstehungsprozess Spiel 

Lektorat Interview: Sarah Elena Liechti

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Emotionen in der Tanztherapie

Interview mit Brigitte Züger Integr. Tanz- und Bewegungstherapeutin FPI, Kunsttherapeutin Bewegungs- und Tanztherapie (ED)

Brigitte Züger ist Kunsttherapeutin/Bewegungs- und Tanztherapie (ED) und integrative Tanz- und Bewegungstherapeutin FPI. Sie ist Mitglied des International Dance Council CID-UNESCO, dem Weltverband IACEAT und mehreren Berufsverbänden in der Schweiz und im Ausland. Sie ist in eigener Praxis in Basel und als Dozentin an der FHNW tätig. 2020 hat sie das Ausbildungsinstitut ZOE SCHOOL FOR DANCE MOVEMENT THERAPY gegründet und leitet die Schule auch. Das Institut bildet Tanztherapeutinnen auf akademisch angelehntem Niveau aus und führt sie zur Eidg. höheren Fachprüfung Kunsttherapie/Bewegungs- und Tanztherapie. Im TVS Interview spricht sie über Tanztherapie und welche Rolle Emotionen in unserem Leben, in der Bewegung und in Lern- und Lehrprozessen spielen.

 

Du bist Tanz- und Bewegungstherapeutin und hast dich im Verlauf deines Lebens mit diversen Körper- und Bewegungsmethoden auseinandergesetzt. Was fasziniert dich an Tanz und an der bewegten Körper- und Therapiearbeit?

Erst einmal möchte ich darlegen, wie wir Tanztherapeut:innen den Tanz definieren: Tanz ist erlebte Bewegung, welche ihre Dynamik durch  emotionale Anbindung und innere Haltung bekommt.

Mich fasziniert es, wie jeder Mensch sich anders ausdrückt, obwohl wir alle dieselbe Körperstruktur haben. An der Therapiearbeit interessiert mich, dass einerseits die bewegte Person mit der Zeit erlebt, dass der Körper in Bewegung immer tiefere Einsichten und Erkenntnisse offenbart und dass andererseits die bewegende Person sehr schnell merkt, was ihr guttut und was nicht. Mich fasziniert es, Menschen darin zu begleiten: Welche Bewegungs- und Erlebensanleitung braucht jemand, damit dieser Prozess in Gang kommt? Als Guideline dienen mir dafür meine tanztherapeutisch spezifischen Bewegungsassessments und -interventionen. Da dieser Prozess bei jedem Menschen einzigartig und ausgesprochen individuell ist, braucht es von meiner Seite viel Gegenwärtigkeit, Wissen und auch Intuition. Meine langjährige Erfahrung ist natürlich auch sehr hilfreich … Diese Mischung fasziniert mich ausserordentlich und der therapeutische Prozess gelingt mir dann, wenn ich mich wahrhaftig auf mein Gegenüber einlasse. Gelingt das, entsteht Neues, Unvorhergesehenes, Beindruckendes, nicht Erwartetes.

Was ist Tanztherapie?

Dafür gibt es die Definition von der European Association for Dance Movement Therapy (EADMT), die mir entspricht und mir gefällt:

Tanztherapie ist die therapeutische Nutzung von Bewegung zur Förderung der emotionalen, kognitiven, körperlichen, spirituellen und sozialen Integration des Individuums. Tanz als Körperbewegung, kreativer Ausdruck und Kommunikation ist Kernbestandteil von Tanztherapie. Ausgehend von der Tatsache, dass der Geist, der Körper, der emotionale Zustand und die sozialen Interaktionen miteinander verbunden sind, wird die Körperbewegung das Mittel zur Beurteilung der Situation oder des Geschehens, aber auch Ausgangspunkt für die tanztherapeutischen Intervention.

Was hat dich dazu bewegt, dein Leben dem Tanz und der Bewegungstherapie zu verschreiben? Wie bist du zum Tanz gekommen?

Als ich 18 Jahre alt war, wurde mir klar, dass ich nur Mensch werden kann, wenn ich mehr Verbindung zu meinem Körper habe. Also bin ich Gymnastiklehrerin geworden, weil mich die anmutige Bewegung sehr faszinierte. In dieser Ausbildung bin ich mit dem Modernen Tanz in Verbindung gekommen, was mich ausdrucksstark und vital hat werden lassen. Es war ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit, die keinen Worten nahekommt: erlebte und gelebte Lebendigkeit in allen Variationen und weiterreichender als meine Körpergrenzen: Ein Ruf und Hall durch das ganze Universum. Das hat mir das befriedigende Gefühl der Verbundenheit und Aufgehobenheit vermittelt. Nach meinem Tanzstudium in New York war mir klar, dass ich nicht in erster Linie „Tanzschritte“, sondern das durch den Tanz erlebbare vitale Körpergefühl in seinem ganzen Ausdruck vermitteln möchte. Das gelang mir erst, als ich merkte, dass „die Seele mittanzen muss“. 

Auf welcher Grundhaltung basiert deine therapeutische, pädagogische und künstlerische Arbeit?

Definitiv und absolut eine humanistische Grundhaltung. Dafür bin ich dankbar. Jeder Mensch ist einzigartig und wird als ein Individuum betrachtet, dessen Körper, Geist und Seele miteinander verwoben sind und sich gegenseitig beeinflussen. Das kreative Potential jedes Menschen wird erkannt, erfasst, geschätzt und unterstützt. Dabei wird dem Individuum die Fähigkeit, anderen Menschen dieselben Rechte zu gewähren und darüber einen Diskurs zu führen, zugestanden und auch von ihm erwartet.

Die humanistische Sichtweise betrachtet den Menschen eingebettet in ein ökologisches und soziales Umfeld, mit dem er in Resonanz treten kann. Er hat ein Recht auf Freiheit sowie die Berechtigung und Verantwortung auf Selbstbestimmung. Dieses Menschenbild stellt die Wechselwirkung von inneren Prozessen und der Resonanz auf äussere Gegebenheiten in den Vordergrund. Aus diesem Grund betrachten wir den Menschen auch als holistisches Wesen.

In diesem Jahr begleitet uns das Thema Tanz und Emotionen. Kannst du uns aus tanztherapeutischer Sicht erzählen, was Emotionen sind, welche Funktion sie in unserem Leben haben und welche Rolle sie in der Tanztherapie spielen?

Emotionen sind sogenannte „Marker“. Sie zeigen uns auf, wie wir uns fühlen und geben uns Informationen darüber, wie wir uns verhalten sollten: Angst zeigt uns auf, dass wir vorsichtig sein müssen. Freude zeigt uns auf, dass wir mit allen Umständen rund um uns herum an einem guten Ort sind. Wut ist die Kraft, die uns ermöglicht uns, unseren eigenen Raum wieder einzunehmen usw.

Das Wort Emotion ist nicht weit weg vom Wort Motion. In der Tat berichtet uns Antonio Damasio davon, dass jede Emotion auch eine Veränderung des Muskeltonus ist. Er meint damit auch, dass der Körper, resp. die Bewegung und die Emotionen eigentlich EIN Vorgang sind, denn er sagt auch, dass jede Veränderung einer Emotion auch eine Veränderung des Muskeltonus ist oder umgekehrt. Somit bewegen wir uns in der Tanztherapie also ständig zwischen Erleben (der Bewegung, der Emotionen, Stimmungen, innerer Bilder) und aktiver Bewegung. Somit werden Erkenntnisse generiert, die bis dahin im Unbewussten gelebt haben.

Ich beobachte, dass Menschen, die ihre Emotionen vernachlässigen in dem Masse auch ausdruckslose Körper haben und Menschen, die Ihre Emotionen zurückhalten, eher verspannte Körper haben. Das kann mit dem oben beschriebenen Prozess bearbeitet werden.

Wie siehst du aus tanztherapeutischer Sicht das Verhältnis zwischen Körper und Psyche?

Da müssten wir erst einmal definieren, was die Psyche ist. Nehmen wir einmal an, dass die Psyche die Gesamtheit des Fühlens, Empfindens und der Gedanken (als Folge des Fühlens und Empfindens)  ist. In diesem Fall ist der Körper das Mittel für diese Funktionen. In diesem Sinne ist der Körper ausführend und schafft auch Kommunikation und daraus folgend Beziehungen zu den Dingen und Menschen in unserer Lebenswelt.

Wir haben gelernt, unsere Emotionen im digitalen Raum durch Emojis auszudrücken. Wie erlebst du den Umgang der Menschen mit Emotionen in deiner therapeutischen Arbeit? 

Ich liebe Emojis, sie geben den Worten die «richtige Farbe» und den Hinweis auf die Emotion der/des Sender:in. Sie tragen demzufolge zu einer klaren Kommunikation bei, weil die Emotion, die durch die kurzen Sätze verlorengeht, durch das Emoji kommuniziert wird.  

Welchen Umgang mit Emotionen und mit dem eigenen Körper würdest du dir in unserer Gesellschaft wünschen? Wo siehst du in dieser Hinsicht Entwicklungspotential?

Ich würde mir wünschen, dass es bekannter ist, dass unsere Emotionen in einer direkten Verbindung zu unserer Bewegung stehen: Wir sagen ja auch, dass wir „bewegt“ seien, wenn uns etwas emotional betrifft. Das stimmt, denn wie bereits erwähnt, geht laut Antonio Damasio jede Emotion mit einer Muskeltonusveränderung einher.

Wir sprechen nicht mehr von negativen Emotionen, sondern unterscheiden zwischen eher angenehmen resp., eher unangenehmen oder herausfordernden Emotionen. Negativ heisst in der Physik „nicht mehr fliessend“. Das macht Sinn, denn wir haben die Tendenz, unangenehme Emotionen festzuhalten oder sogar zu unterdrücken, was wir mit unseren Muskeln machen. Die Krux ist, dass fliessende Emotionen sich sehr schnell verändern, was heisst, dass blockierte Emotionen sich nicht verändern können, was wir ja gerade nicht wollen. Man darf auch nicht vergessen, dass wenn wir Emotionen blockieren, wir auch uns, unser Bewusstsein, unsere Eindrücke, unseren vitalen Ausdruck und im schlimmsten Fall auch unsere Organe blockieren. Es ist ein Zustand, wie eingefroren sein. Die Entwicklung in unserer Kultur sollte auf den authentischen Emotionsausdruck ausgerichtet sein.

Welchen Einfluss nehmen Emotionen auf Lern- und Lehrprozesse und was bedeutet das für unsere tanzpädagogische Tätigkeit?

Erlebte Emotionen machen durchlässig und öffnen uns und unsere Wahrnehmung. Wir werden neugierig, was die wichtigste Grundlage für den Lernprozess ist. Sobald wir überfordert sind, entsteht Stress und Verspannung. In Stresssituationen schaltet der Körper auf Gefahr, die Gefahrenminderung resp. die ganze physische und psychische Kraft des Körpers wird für das Ausschalten oder für die Überwindung der Gefahr verwendet. Neugierde und Offenheit verschwinden, der Lernprozess ist blockiert. Für die Pädagogik heisst das, dass eine vertrauensvolle Lernumgebung und Raum und Zeit für die Exploration wichtig sind. Für die Tanzpädagognnen wünsche ich mir, dass sie wüssten, dass eine Emotion auch eine Muskeltonusveränderung, also eine Bewegung ist und dass sie auch mit diesem Bewusstsein unterrichten. 

Woraus schöpfst du? Was inspiriert dich in deiner Tätigkeit?

Mich inspiriert der Mut meiner Klient:innen, sich immer wieder mit ihren verborgenen, zurückgehaltenen oder noch unbekannten Emotionen zu verbinden. Ausserdem schöpfe ich aus dem Staunen über das Auftauchen von beeindruckenden Erkenntnissen für den persönlichen Wachstumsprozess, wenn Menschen ihre Emotionen und ihre Bewegung (wieder) fliessen lassen können. Das ist auch pure Vitalität und Lebensfreude.

Wie hat deine Auseinandersetzung mit Tanztherapie und verschiedenen Körpertechniken dein Leben und deine pädagogische Tätigkeit über die Jahre beeinflusst? Was hast du gelernt?

Ich habe gelernt, dass dem Körper eine unendliche und sehr beeindruckende Intelligenz zugrunde liegt: Der Schlüssel dazu ist das Bewusstsein für den Körper, seine Strukturen, von den Knochen über die Organe bis hin zu den Zellen und natürlich der ganze und unendliche Reichtum der Bewegung. 

Was würdest du Tanzpädagog:innen aus deinem reichen Erfahrungsschatz mit auf den Weg geben?

Vermittelt den Schüler:innen die Neugierde, die Entdeckungslust und die Intelligenz des Körpers. 

 

Weiter Informationen www.zoe-tanz.ch

Lesen sie den Blogeintrag Emotionen? Emotionen in der Tanztherapie 

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Beyond steps: The need for pedagogical knowledge in dance

Ein Artikel über die Notwendigkeit von pädagogischem Wissen im Tanz

Edward C. Warburton ist Tanzwissenschafler und Professor an der University of California. In diesem interessanten Artikel untersucht er verschiedene Faktoren, welche die Qualität von Tanzunterricht beeinflussen.

Er unterstreicht die Wichtigkeit von fundierten, pädagogischen Kenntnissen, im Gegensatz zu rein inhaltlichem Wissen und der Vertrautheit mit dem zu unterrichtenden Fach. Eine wirkungsvolle und nachhaltige Unterrichtspraxis sollte dementsprechend nicht nur Überlegungen enthalten, WAS und WANN unterrichtet wird, sondern auch die Frage WIE diese Inhalte vermittelt werden. Dabei spielt auch das «Lehren für das Verstehen - learning for understanding» eine grosse Rolle, was für Warburton ein ganz anderes Unterfangen ist, als das Training für das Abrufen von Schritten und Routinen. Dazu gehören auch eigene Denkmuster, persönliche Überzeugungen und Grundannahmen über Tanz und Tanzvermittlung zu hinterfragen und reflektieren.

Warburton argumentiert, dass es in Kreisen der Tanzpädagogik immer noch wenig einheitliche Vorstellungen darüber gibt, was einen guten Pädagogen ausmacht. Die Entscheidungen über die Qualität von Lehrpersonen werden immer noch ad hoc und oft basierend auf der tänzerischen Erfahrung und dem beruflichen Ruf gefällt. Doch nicht jede:r berühmte Tänzer:in, weiss automatisch auch, wie man unterrichtet. Daher ist es, in seinen Augen umso wichtiger jungen Tänzer:innen zu vermitteln, dass Pädagogik, genauso wie Choreografie ein Handwerk ist, die erlernt und erarbeitet werden muss.

Lesen Sie den Originalartikel auf Englisch: Beyond Steps: The need for pedagogical knowledge in dance

 

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DanceAbility

Eine Tanzmethode für alle: Interview zu DanceAbility mit Manuela Runge und Jeanine Elsener

DanceAbility ist eine inklusive Tanzmethode für alle Menschen. Jede:r soll mittanzen können, unabhängig von körperlichen, geistigen oder kulturellen Voraussetzungen, ob Anfänger:innen oder professionelle Tanzschaffende. Die Methode basiert auf den Grundlagen des zeitgenössischen Tanzes und der Improvisation, besonders der Contact Improvisation und wurde vom Amerikaner Alito Alessi entwickelt.


“Wir sehen immer, was geht und nicht, was nicht geht”

Manuela Runge ist Mitbegründerin vom Verein TANZflug, Leiterin Theater&Schule - Künstlerische Vermittlung am Schauspielhaus Zürich, arbeitet seit vielen Jahren als Theater- und Tanzschaffende mit diversen Gruppen und setzt sich aktiv für Kunst und Kultur für alle und mit allen Menschen ein. 

Jeanine Elsener ist Tänzerin und Bewegungspädagogin. Sie unterrichtet für verschiedene Institutionen und ihre eigenen Bewegungskurse und realisiert künstlerische Projekte. In den letzten Jahren hat sie sich auf Tanzimprovisation und den inklusiven Tanz fokussiert. Mit der Ausbildung als DanceAbility Teacher konnte sie diese Arbeit vertiefen und setzt sich ein diese Tanz-Methode zu vermitteln und weiter zu verbreiten.


Wie seid ihr zum Ersten Mal mit DanceAbility in Berührung gekommen?

Manuela: Ich habe viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, in einem theaterpädagogischen Kontext und gemerkt, dass ich über Bewegung und Improvisation mit den Jugendlichen sehr gut in Austausch komme. Während meiner tanzpädagogischen Ausbildung habe ich zum ersten mal an DanceAbility Kursen teilgenommen und bin dann nach Wien, wo es eine grosse DanceAbility Community gibt. Im Rahmen vom Tanzfestival ImPulsTanz habe ich Alito Alessi kennengelernt, der dort unterrichtet hat. Das hat mich sehr bewegt und dadurch, dass ich immer mehr erfahren habe über die Kultur, über die Arbeit und die inklusive Haltung, habe ich gemerkt, dass es eigentlich genau das ist, was ich auch in meiner Arbeit suche und habe im Jahr darauf dann den das Teachers Training gemacht.

Jeanine: Bei mir war es so, dass ich die Möglichkeit bekommen habe ein inklusives Tanzprojekt zu machen und mich dadurch vertieft mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. Ich habe recherchiert, wer das schon gemacht hat. Und bin dann so in einem DanceAbility Workshop bei Manuela im Tanzhaus Zürich gelandet. Das hat mich begeistert und ich habe diese Erfahrung in mein Projekt einfliessen lassen und gemerkt: Ich möchte noch mehr wissen. So bin ich dann auch nach Wien gegangen. Mir war es wichtig Alessi persönlich zu erleben und auch die ganze Philosophie dahinter, wirklich von ihm, der die Methode entwickelt hat, übermittelt zu bekommen.


Ihr seid beide auch noch in diversen anderen Bereichen tätig. Inwieweit haben eure Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit DanceAbility eure pädagogische und künstlerische Arbeit ganz allgemein beeinflusst?

Jeanine: Mich hat es vor allem auch Geduld gelehrt. Dass man wirklich jeden Menschen in seinem eigenen Tempo arbeiten, lernen und bewegen lässt. Und im künstlerischen Bereich, dass ich von der Improvisation ausgehe und mit dem arbeite, was da ist, was einem gegeben wird. Und auch, dass man jeden Menschen einfach so nimmt, wie er ist, weil dann lernen wir alle und das ist das Schöne daran.

Manuela: Ja, das kann ich unterstreichen. Auch in meiner Arbeit mit Jugendlichen, denke ich reflektierter darüber nach, wie leite ich etwas an? Wie spreche ich mit den jungen Menschen? Oder wie spreche ich überhaupt in einer Leitungsfunktion? Wie schaffe ich es, dass sich alle mitgenommen fühlen? Das gelingt natürlich auch nicht immer. Und es beeinflusst sicherlich auch, dass ich mir viel mehr Gedanken mache über die Gesellschaft. Wer Zugang zu künstlerischer Arbeit hat und und wer nicht? Und warum das so ist? Und das sind wichtige Fragen, wenn man in der privilegierten Situation ist, dass man anleiten kann.


Was sind eure sch
önsten Momente oder Erlebnisse und was inspiriert euch bei der Arbeit?

Jeanine: Es gibt viele Momente, aber für mich sind es vor allem die Begegnungen im Tanz. Als Teilnehmerin dieses starke Zugehörigkeitsgefühl in der Gruppe zu erleben, aber auch als Lehrerin, wenn das Feedback kommt, dass Menschen sich besser fühlen als vorher, ein gemeinsames Erlebnis hatten oder eine Erfahrung aus dem Workshop mitnehmen können.

Manuela: Für mich ist es dieses sich frei fühlen als Teilnehmerin, zu wissen, ich bin okay, so wie ich bin. Ich muss hier nichts zeigen oder etwas machen, wo ich vielleicht das Gefühl habe, das kann ich nicht. Es ist eine grosse Offenheit da, die mich auch immer wieder berührt und auch das Vertrauen, das ganz schnell entsteht unter den Tänzer:innen. Und dass man sich so schnell nahe kommt, ohne Worte, nur über den Körper und über die Körpersprache. Und das ist einfach schön.


Ihr habt es vorhin schon erwähnt, DanceAbility als Tanzmethode basiert auf Improvisation. Wie würdet ihr den Unterschied zwischen einer DanceAbility Stunde und einer “herkömmlichen” Improvisationsstunde beschreiben? Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Jeanine: Ein wichtiger Punkt ist, dass alle die gleichen Informationen und Instruktionen bekommen, ganz unabhängig von den individuellen Voraussetzungen. Das schafft eine gemeinsame Basis, die es allen ermöglicht teilzuhaben. Wir sehen immer, was geht und nicht, was nicht geht.

Manuela: Ja genau, die Diversität als Mehrwert sehen und nicht als “Oh, was mach ich jetzt? Da ist jemand, der kann das und das vielleicht nicht”, sondern zu schauen was kann dieser Mensch? Was können die Menschen im Raum? Und wie können wir das künstlerisch als Mehrwert sehen und miteinander entdecken und erforschen? Das will ich jetzt auch niemandem in einem herkömmlichen Improvisationsworkshop absprechen, aber das ist für uns ein ganz wichtiger Fokus.


Was können Tanzpä
dagog:innen aus einem DanceAbility Workshop für ihre eigene Unterrichtstätigkeit mitnehmen?

 Jeanine: Ich denke, die Arbeit mit Improvisation ist eine wertvolle Bereicherung für den Tanzunterricht. Es geht darum, den Teilnehmenden Momente zu schenken, ganz sich selbst zu sein und sich aus den eigenen Empfindungen heraus zu bewegen, seiner Intuition zu folgen und der Kreativität freien Lauf zu lassen.


Habt ihr Ziele oder Wünsche für die Zukunft? Oder noch ein paar letzte Worte, die ihr uns auf den Weg mitgeben m
öchtet?

Jeanine: Mein Wunsch ist es, einen niederschwelligen Zugang schaffen zu können. Dass alle, die tanzen möchten, die Möglichkeit bekommen, an einen Ort zu gehen, wo sie tanzen können. Und mein persönlicher Wunsch in der aktuellen Zeit ist auch, dass wir uns wieder näher begegnen können, den Tanz erleben und die Freude teilen können.

Manuela: Ich wünsche mir, dass Tanz und Kultur zugänglicher und diverser werden, sei es nun auf der Bühne, im Zuschauerraum, oder in Leitungspositionen. Und ich wünsche mir, dass sich Menschen und Institutionen, die das Privileg haben, dies zu ermöglichen, sich auch damit auseinandersetzen, sich informieren, sich mit Menschen treffen, die eine Expertise darin haben und versuchen, Zugänge zu schaffen. DanceAbility ist die Methode, die wir anwenden und mit der wir Spass haben, aber es gibt viele weitere Möglichkeiten inklusiv zu arbeiten.


Anmerkung zum Schluss -
nothing about us, without us”

Manuela: Mir ist es wichtig noch zu sagen: Wir sind jetzt hier drei Frauen, ohne sichtbare Behinderung, die über inklusive Arbeit sprechen. Ich stehe sehr hinter der Aussage “nichts über uns, ohne uns” - und wir haben deshalb auch versucht Corina Arbenz, eine gehörlose Künstlerin, die uns bei den DanceAbility Workshops unterstützt und assistiert einzuladen. Leider hat sie keine Dolmetscherin gefunden. Dies zeigt auch wieder die Stolpersteine auf. Es ist in unserer Gesellschaft leider immer noch so, dass ich als privilegierte, weisse, nicht behinderte Person mehr Zugänge habe und die Struktur auf mich ausgerichtet ist.


Das Interview als Podcast findest Du über folgenden Link: DanceAbility

Du möchtest aktiv werden: Inklusive Tanzworkshops nach der DanceAbility Methode 

Du möchtest dich weiter informieren: DanceAbility Deutschland

 

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«Da tanzt der Bär» Teil 2

Fortsetzung des Interviews mit Tamara Gassner: Tanzen ist wie musizieren – einfach machen!

Das Lehrmittel von Tamara hat den Praxistest bestanden. Im Interview teilt sie ihre Erfahrungen mit dem Lehrmittel und wir gehen vertieft auf die Möglichkeiten und Grenzen des Einbezugs von Tanz im Kindergarten ein.


Tanzen ist wie musizieren – einfach machen! Dieser Satz prägt den Einstieg zu deiner Page dance4school.ch. Wie muss ich diesen Satz verstehen? Was motiviert dich zu deinem Tun?

Viele Lehrpersonen denken beim Thema Tanz sofort an eine Choreografie oder eine Show. Also eigentlich bereits an das Endprodukt. So braucht es grossen Mut sich an das Thema zu wagen. Bei Musik ist das anders. Da wissen bereits alle, dass man das einfach machen kann. Wir alle singen mal unter der Dusche, beim Autofahren oder würden sofort mit Trommeln beginnen, sobald wir ein Tamburin in die Hände bekämen. Tanzen kann man auch einfach machen – natürlich besser nicht während dem Autofahren ; ))

Dein Lehrmittel «da tanzt der bär» wurde im Frühling in der Praxis getestet. Die Rückmeldungen sind sehr positiv…
…das Lehrmittel ermöglicht die altersgerechte Gestaltung der Tanzsequenzen
…das Lehrmittel motiviert, dem Tanzen einen zentralen Platz im Kindergarten- und Unterstufenalltag zu geben


Welche Ziele aus dem Lehrplan21 deckst du mit deinem Lehrmittel ab?

Das Lehrmittel ist angepasst an den Lehrplan 21 und deckt die Ziele aus Musik und Tanz ab. Das sind Ziele aus den Bereichen Körperwahrnehmung, Darstellen und Gestalten, Tanzen, Sensomotorische Schulung, Körperausdruck zu Musik, Bewegungsanpassung an Musik. Die genau formulierten Ziele findet man auf Lehrplan21.ch


Wie würdest du deinen pädagogischen Ansatz beschreiben?

Das Experimentieren und Erfinden soll im Vordergrund stehen. Kreativitätsförderung mit dem Ziel neue Lösungen zu finden und die Persönlichkeit zu entwickeln. Damit Kinder aber überhaupt kreativ sein können, braucht es Anreize und adäquate Hilfestellungen. Ein Lehrmittel gibt den Lehrpersonen die notwendige Unterstützung, um die Kinder zu fördern.


Was ist deines Erachtens der grosse Unterschied zwischen dem «Vorzeigen und Nachmachen» und dem von dir gewählten pädagogischen Ansatz?

Tanzunterricht heisst für viele Lehrpersonen, dass sie einen Tanz einstudieren sollen oder müssen und diesen dann den Kindern beibringen sollen. Viele Lehrmittel funktionieren so. Da gibt es einen Beschrieb wie die Bewegungen auszuführen sind und eine passende Musik dazu. Im Lehrmittel „Da tanzt der Bär“ sollen die Kinder die Basis des Tanzes und der Bewegung vermittelt bekommen und im Anschluss kreativ sein dürfen. Mithilfe jeder Tierkarte, werden ein passendes Bewegungsmuster und die Fortbewegungsform ausgeführt. Dabei werden wichtige Bewegungskompetenzen gefördert. Der Spruch, wie auch die Hilfswörter dienen der Lehrperson im Anschluss dazu, die Kinder zu kreativen Prozessen zu animieren.

Ich habe diesen pädagogischen Ansatz gewählt, da er perfekt zu der Zielgruppe passt. Kindergärtler/innen und 1.Klässler/innen sind noch sehr unbefangen, haben viele eigene Ideen und freuen sich über kreative Aufgabenstellungen. Sie haben eine kurze Auffassungsgabe und können sich noch nicht lange konzentrieren. Da sind flexibel einsetzbare, kurze Bewegungseinheiten genau das Richtige.

 

«Ich habe gestaunt, wie lange die Kinder bei einzelnen Bewegungen verweilen können. Sie hüpfen, rollen, springen, laufen, drehen unglaublich ausdauernd zur Musik.» Aline, Kindergärtnerin



Die moderne Hirnforschung weist seit einiger Zeit darauf hin, dass es für die Entwicklung von Kindern förderlich wäre, ihre individuellen Ressourcen zur Entfaltung zu bringen anstatt Kompetenzen zu vermitteln. Dein Ansatz scheint in dieser Hinsicht einen revolutionären Touch zu haben. Liege ich hier richtig? Wie stehst du als Lehrerin zu dieser Annahme?

Als Theater- wie auch als Tanzpädagogin arbeite ich schon sehr lange nach diesem Ansatz. Wenn man ein Team leitet ist es wichtig zu wissen, wen man wo und wie am besten einsetzen kann. Da gibt es das schöne Kinderbuch, das wunderbar zu diesem Thema passt: «Wenn die Ziege schwimmen lernt» von Nele Moost und Pieter Kunstreich. Ein Buch über Tiere, die eine neue «Kompetenz» lernen sollen. Wunderschön dargestellt, wie dann nebst dem Affen, dem Kletterlehrer und dem Pinguin, dem Schwimmlehrer auch die Eule als Fluglehrerin aufgeben muss, als sie dem Elefanten das fliegen beibringen möchte. Jedes Tier hat seine eigene, ganz besondere Fähigkeit. Ein Affe soll im Klettern gefördert werden und eine Ente im Schwimmen und Tauchen.

Die Entfaltung nach individuellen Ressourcen scheint mir auch bei Kindern sehr erstrebenswert. Es ist jedoch eine grosse Herausforderung trotzdem noch jedes Einzelne gezielt zu fordern und fördern. Auch die Planung, Organisation und Struktur des Unterrichts wird komplexer – denn man hat ja nicht nur Elefanten oder nur Ziegen in einer Klasse…


Du hast Tiere gewählt, um den kreativen Prozess in Bewegung zu bringen. Warum?

Die Kinder brauchen ein Vorwissen um kreativ zu werden. Tiere wecken bereits bei kleinen Kindern Assoziationen und Bilder von Gesehenem oder Erlebtem. Die Tiere sind ideal um alle Fortbewegungsformen wie auch die Bewegungsmuster erfahrbar zu machen. Jedes Tier hat seine Eigenheit bzw. Besonderheit. Der Bär zum Beispiel fördert das homolaterale Bewegungsmuster (rechte und linke Körperhälfte), das Gleichgewicht und das rhythmische Gehen. Sobald er auch noch Fische fangen muss, können die Kinder zusätzlich die Reaktionsfähigkeit und Koordination trainieren.


Zappelige Kinder oder Kinder, welche «aus der Reihe tanzen» können in der freien Bewegung ihr volles Potential entfalten und werden von der Gruppe positiv wahrgenommen. Diese Rückmeldung hat dir eine Kindergärtnerin im Rahmen der Testphase geben. Könnte sich der Kreative Kindertanz als ernstzunehmendes Mittel der Inklusion entwickeln?  

Das Tanzen unterstreicht «neue» Fähigkeiten der Kinder. Der Körper und seine Wahrnehmung stehen dabei im Vordergrund. Ich stelle immer wieder fest, dass im Tanzen plötzlich andere Kinder als üblich zu „Leadern“ werden. Das ist sehr schön zu beobachten. Tanzen verbindet und macht glücklich! Wenn wir tanzen schüttet das Gehirn Glückshormone aus. Das kann eine Klasse oder eine Gruppe so richtig zusammenschweissen.


Es gibt wissenschaftliche Studien, welche nahelegen, dass Kinder mit Entwicklungsstörungen oft Probleme im Bewegungsverhalten zeigen. Kannst du uns von Erfahrungen berichten, welche den Umkehrschluss zulassen?

Die Gehirnforschung macht grosse Fortschritte. Man weiss, dass Bewegung der Motor einer gesunden Entwicklung bedeutet. Durch Bewegung lernen die Kinder sich selber besser einzuschätzen, lernen ihren Körper und auch ihre Umgebung kennen. Durch Bewegung erfahren die Kinder Selbstwirksamkeit, was wiederum entscheidend ist für die Persönlichkeitsentwicklung. Bewegung ist leben – wir leben durch Bewegung.

Erfahrungen die ich bis jetzt gemacht habe sind zum Beispiel Jungs, die lernen Emotionen zu zeigen oder auch Mädchen, die durchs Tanzen an Selbstvertrauen gewinnen. Die Arbeit im Bereich der Körperwahrnehmung hilft ihnen sich gut zu fühlen. Das Tanzen kann das Vertrauen in den eigenen Körper steigern, was in vielen Lebensbereichen eine Bereicherung sein kann. Ich bin überzeugt, dass die Arbeit mit dem Körper Entwicklungsdefizite aufholen kann. Tanz kann auch eine gute therapeutische Ergänzung sein zum Beispiel im Bereich der Psychomotorik.

 

«Grundsätzlich geht es mir nicht darum, dass die Kinder besser tanzen können, sondern dass sie die Musik, sich selbst und die Gruppe bewusster wahrnehmen.» Petra, Kindergärterin

 

Der Beobachter hat 2020 berichtet, dass drei bis fünf Prozent der Kinder in der Schweiz ein ADHS diagnostiziert haben. Kannst du dir vorstellen, dass der Kreative Kindertanz bei der Entwicklung von Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität präventiv eingesetzt werden kann?

Tanzen hat ganz viel mit Wollen ohne Müssen zu tun. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kinder im Tanzunterricht einen Ausgleich zum Alltag finden können. ADHS ist ein sehr grosses Feld und die Diagnosen extrem unterschiedlich. Klar ist, dass Tanz als eigene Ausdrucksform viele Möglichkeiten bietet. Mit dem Tanzen kann ich was sagen ohne zu reden, ich kann Emotionen zeigen ohne zu weinen, ich kann mich körperlich betätigen ohne Leistungsdruck und ich kann meine eigenen Lösungen finden auf Umwegen. Das Tanzen bietet den Kindern neue Strategien, die sie auch im Leben anwenden können.


Noch eine letzte Frage: Du bist Angestellte an einer Tanzschule, arbeitest als Berufsschullehrerin, bist Tanzpädagogin und selbst als Tänzerin und Choreographin engagiert. Wo holst du dir Kraft für dieses grossartige und vielseitige Engagement?

Ich bin Visionärin. Der Tanz gehört in bzw. an die Schulen. Meine Vision treibt mich an. Jeden Tag versuche ich kleine Ziele zu erreichen. Dabei versuche ich eine gute Balance zu finden zwischen Familie und Arbeit, was mir ehrlich gesagt aber auch nicht immer gelingt. Jeden Tag was zu finden was mir Freude bereitet, gibt mir Kraft. Wenn ich am Abend zufrieden bin und weiss, dass sich der Tag gelohnt hat, bin ich happy.

 

Du möchtest das Kartenset bestellen?

Hier kannst du das tun: Bestellung Lehrmittel «Da tanzt der Bär»


Du möchtest deinen Kinder im Bereich Tanz und Musik fördern?
Du suchst eine einfache Methode, die flexibel und einfach einsetzbar ist?
Du möchtest praxinahe Tipps und Tricks für die Unterrichtsgestaltung?

Dann könnte die Fortbildung genau das Richtige für dich sein. Tamara Gassner, Lehrperson, studierte Tanzpädagogin und J&S Expertin im Bereich Tanz stellt dir das Lehrmittel vor und zeigt dir praxisnah und mit viel Engagement wie du deine Kinder an den Tanz heranführen kannst.

Weitere Infos und Anmeldung: Fortbildung zum Lehrmittel «Da tanzt der Bär»

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Dance for Health

Richtlinien für die Entwicklung von gesundheitsspezifischen Tanzprojekten

Dance for Health bietet ganzheitliche, evidenzbasierte Aktivitäten für den Einzelnen zur Bewältigung und Anpassung an körperliche, geistige und soziale gesundheitliche Herausforderungen. In Dance for Health-Sitzungen beziehen geschulte Lehrkünstler Menschen als Tänzer und nicht als Patienten in eine freudvolle, interaktive, künstlerische Praxis ein.

Im Rahmen des Dance for Health Kommitees, in dem auch die Universität Bern vertreten ist, wurde eine Infograpfik angefertigt, um Tanzpädagogen bei der Entwicklung von Gesundheitsprojekten im Genre Tanz zu unterstützen.

Weitere Informationen in Englisch: International Association for Dance Medicine & Science

Infografik zum Download (nur auf Englisch verfügbar): Developing a Dance for Health Project: Considerations

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Männliche Haltung zum Freizeittanz

Eine Tanzmuffelstudie

Niemand kommt als “Tanzmuffel” auf die Welt. Die Tatsache, dass die Vermittlung tänzerischer Fähigkeiten nicht als schulische Aufgabe verstanden wird und dass Jungen im Laufe ihrer Entwicklung wenig, sehr spät oder gar nicht mit grundlegenden Tanzfertigkeiten konfrontiert werden, könnte eine bedeutsame Ursache für die mangelnde männliche Beteiligung am Freizeittanz sein.

Warum sind Männer in vielen Tanzstilen noch immer untervertreten? Corinna Janson beschäftigt sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit für den MAS in Dance Science an der Universität Bern eingehend mit dieser Frage und kommt zu interessanten Schlussfolgerungen im Hinblick auf die explizite Gestaltung von Tanzangeboten für Jungs. 

Hier können Sie die Zusammenfassung der Studie downloaden.

Tanz hat in vielerlei Hinsicht einen positiven und gesundheitsfördernden Einfluss auf den Menschen. Dabei setzt jede tänzerische Stilrichtung Schwerpunkte und trainiert jeweils ganz bestimmte Bewegungsqualitäten.

Mehr von Corinna Janson: Workshop in Tanzhologie im Herbst 2021 in Zürich

Mehr über Corinna Janson: Tanzhologie Studio

 

 

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Spiegel im Tanzunterricht: Hilfreich oder Hindernis?

Spiegel gehören zur Grundausstattung vieler Tanzstudios. Sind diese für die tänzerische und mentale Entwicklung der Schüler förderlich?

Dieser Artikel wirft einen kritischen Blick auf den Gebrauch von Spiegeln im Tanzstudio und untersucht die Frage, ob und inwiefern Spiegel einen Einfluss auf das Körperbild und die technische Entwicklung von Tänzerinnen und Tänzer haben.

Zum englischen Originalartikel: Mirrors in the Dance Class: Help or Hindrance

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Gesundheit durch Tanz

Interview mit Corinna Janson, Heilpraktikerin und Tanzpädagogin

Corinna Janson, Begründerin der Tanzhologie® und Leiterin des Tanzhologie Studios in Bad Kreuznach, hat als 4-Jährige mit Ballettunterricht begonnen und später eine Ausbildung als Naturheilpraktikerin absolviert. Heute gibt sie Tanzunterricht mit einem therapeutischen Bewusstsein. Im Interview mit TVS beschreibt sie ihren Lebensweg von der leidenschaftlichen Tänzerin in die therapeutische Tätigkeit und wieder zurück.

 

Sie sind Heilpraktikerin und Tanzpädagogin. Was war zuerst? Das Tanzen oder die therapeutische Tätigkeit?

Das ist bei mir fast wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei: Ich habe schon als 4-jährige mit Ballettunterricht begonnen und kann mir ein Leben ohne Tanz nicht vorstellen. Mit 19 Jahren fiel allerdings meine Entscheidung, Tanz als Hobby zu pflegen und mich beruflich anderen spannenden Themen zuzuwenden. Begeistert von der ganzheitlichen Menschenbetrachtung in der Klassischen Homöopathie absolvierte ich 1995 eine 3jährige Vollzeit Ausbildung zur Heilpraktikerin und arbeitete dann zunächst 14 Jahre lang als Homöopathin in einer Gemeinschaftspraxis zusammen mit meinem Mann, der sich auf die Traditionelle Chinesische Medizin spezialisiert hat. Nebenberuflich habe ich aber schon seit meinem 18 Lebensjahr mit Bewegung gearbeitet: als Übungsleiterin habe ich Aerobic unterrichtet, Gymnastikkurse für Gruppen der Rheuma Liga gegeben, Aqua Fitness Kurse geleitet, und meine Ballettlehrerin durfte ich auch schon in jungen Jahren und bei vielen Gelegenheiten im Unterricht vertreten, bevor ich mich tanztherapeutisch, tanzmedizinisch und tanzpädagogisch fortgebildet habe.

Heute verbinden Sie ihre therapeutische Arbeit mit dem Tanzen und leiten das Tanzhologie Studio in Bad Kreuznach. Wie sind sie dazu gekommen?

Ich gebe Tanzunterricht mit einem therapeutischen Bewusstsein und mein Angebot im Tanzhologie Studio ist als gesunde Freizeitbeschäftigung gedacht. Nachdem ich selber als junge Heilpraktikerin kein alltagskompatibles Freizeitangebot mit Tanz finden konnte, das Gesundheit, Kunst und Kreativität verbindet, begann ich 2003 mit der Entwicklung eines eigenen Konzeptes. Durch  meine tanztherapeutische Ausbildung bei Dr. Detlef Kappert in Essen konnte ich mein Konzept mit tanzpsychologischen Inhalten komplementieren. Für mich war Dr. Kappert damals so etwas wie  der „Hahnemann des Tanzes“ und er inspirierte mich zur Begriffsfindung „Tanzhologie". Tanzhologie unterrichtete ich zunächst neben der Praxistätigkeit, allerdings beanspruchte mein Tanz-Forschungsinteresse immer mehr Raum, so dass ich mir Unterstützung in der Praxis suchte, um genügend Zeit zu haben, diesem auch nachzugehen.

2011 starb dann plötzlich und unerwartet meine Ballettlehrerin, zu der ich ein enges Verhältnis hatte und deren künstlerische Aktivitäten mich über 30 Jahre lang geprägt haben. Ich war damals kurz vor dem Abschluss des Zertifikates in Tanzmedizin (bei ta.med) und fühlte mich als Therapeutin auch verantwortlich, die Gruppen dieser Tanzschule irgendwie „aufzufangen“. So nahm ich die Herausforderung an, das Studio zu übernehmen, zunächst in der Absicht, für den tanzpädagogischen Part eine Lehrkraft einzustellen, und meinen eigenen Schwerpunkt auf die Organisation des Studios und die Tanzhologie-Kurse zu legen. Dass es sich doch anders entwickelt hat, und ich mittlerweile seit 10 Jahren Ballett unter einem ganzheitlichen Aspekt vermitteln darf, dafür bin ich meinen Studiomitgliedern und meinem Schicksal sehr dankbar.

Sie legen ihre Arbeit die Vorstellung einer untrennbaren Verbindung von Körper, Geist und Emotionen des Menschen zugrunde. Wie begründen Sie diese Annahme?

Von dieser Verbindung gehen sämtliche große naturheilkundliche Heilverfahren unisono aus -seien es westliche oder fernöstliche Methoden- und es entspricht dem, was ich erlebe, bzw. in meiner Praxis erlebt habe. So ist es in den ausführlichen homöopathischen Anamnesen oft zu beobachten, dass sich ein bestimmtes Thema bei einem Menschen auf den unterschiedlichen Ebenen widerspiegelt. Als Homöopathin verstehe ich Krankheitssymptome als „Sprache der Lebenskraft“ die sich im Körper und im Gemüt ausdrücken. Es gilt in erster Linie diese Sprache zu verstehen und darauf mit adäquaten Mitteln zu reagieren, damit Heilungsprozesse in Gang kommen können.

Wie unterscheiden sich Tanztherapie und Tanzhologie®?

Tanzhologie® ist als allgemein gesundheitsfördernder Tanzunterricht konzipiert, der die positiven Effekte verschiedenster Tanzstile in Kombination mit Entspannungstechniken zum Wohle des Menschen nutzt. Anders als Tanztherapie ist Tanzhologie® keine Methode um pathologische Muster zu therapieren, sondern dient der Gesundheitsprophylaxe und der Persönlichkeitsentwicklung. Es ist eine abwechslungsreiche und freudvolle Freizeitbeschäftigung in der Gruppe, die Tanztechnik vermittelt und individuellen Bewegungs- und Ausdrucksbedürfnissen Raum gibt, ohne dass persönliche Probleme in den Stunden tiefergehend thematisiert werden.

Sie beschäftigen sich eingehend mit der Wechselwirkung von Körperwahrnehmung und Selbstwertgefühl und haben unter anderem den Einfluss von Tanztraining auf das Körperbild von Patientinnen mit Essstörungen erforscht. Zu welchem Schluss sind sie dabei gekommen? 

Die Erfahrungen aus dem Tanzprojekt mit den Anorexie- und Bulimiepatientinnen bestärken mich in der Ansicht, dass Tanzunterricht einen wertvollen Beitrag in der heutigen Gesellschaft leisten kann, um der Entfremdung vom eigenen Körper entgegen zu wirken. Dabei haben sowohl freie Tanzübungen in Form von Improvisation, als auch Elemente aus dem Klassischen Ballett, einen sehr förderlichen Einfluss.

Ich fand es erstaunlich, dass bei einigen Probandinnen schon mit einer geringen Zahl an Tanz-Interventionen sehr nachhaltige Ergebnisse erzielt werden konnten! Das spricht absolut dafür, das Potential von Tanz noch viel umfassender zu erforschen und gezielter zu nutzen.

Es gibt einige Fachpersonen, die eine therapeutische Ausbildung fordern, um den positiven Nutzen des Tanzens auf die psychische Gesundheit auszuschöpfen. Wie stehen Sie dazu? 

Grundsätzlich bin ich der Ansicht: Wenn man therapeutisch tätig sein möchte, sollte man auch eine therapeutische Ausbildung absolvieren. Im Tanz liegt ein unglaublich grosses Potential, um auf einfache und freudvolle Art und Weise Genesungsprozesse in Gang zu setzen oder sie zu unterstützen. Wer mit dem Medium Tanz körperlich oder psychisch leidende Menschen verantwortungsbewusst begleiten möchte, braucht neben einer umfassenden eigenen Tanzausbildung auch eine entsprechende Schulung und Erfahrung im Umgang mit Patienten.

Gleichzeitig finde ich, dass wir gar nicht genug darauf hinweisen können, welchen grossen Einfluss jeder Tanzlehrende auf Gesundheit und Persönlichkeitsbildung seiner SchülerInnen und StudentInnen hat. Auch für Tanzpädagogen (und insbesondere wenn sie mit Kindern arbeiten!) ist es wichtig, ein Bewusstsein für den (durchaus vorhandenen!) therapeutischen Wirkungsgrad im Tanzunterricht zu entwickeln.

Inwiefern lassen sich die Erkenntnisse und Erfahrungen der Tanzhologie® in die Tanz-Unterrichtstätigkeit mit Laien integrieren?

Meine Erkenntnisse und Erfahrungen aus Tanzhologie fließen in sämtliche Bereiche meiner Tanzschule ein. Im Ballettunterricht baue ich regelmäßig in allen Altersstufen Elemente aus Tanzhologie ein. Das sind insbesondere Improvisationsübungen, aber auch Zentrierungsübungen, Wahrnehmungsschulungen und Entspannungstechniken. Ich halte es für wichtig, sich eine gute Bewegungstechnik anzueignen, ohne dabei die Fähigkeit der freien Bewegungsgestaltung zu verlieren.

Um zur körperlichen Gesundheit beizutragen achte ich auf eine ausgewogene Beanspruchung des Körpers bei meinen Choreografien; und Aufführungen konzipiere ich so, dass die Mitwirkenden sich mit dem, was sie darstellen identifizieren können, indem ich sie mittels Tanzhologie-Elementen aktiv an den kreativen Gestaltungsprozessen beteilige.

Zum Abschluss: Viele Tanzschulen leiden unter Männermangel. Sie haben ihre Abschlussarbeit im Rahmen MAS Dance Science der Uni Bern dem Thema «Männliche Haltung zum Freizeittanz – eine Tanzmuffelstudie» gewidmet.

Haben Sie einen Tipp für Frauen, welche ihre Männer zum Tanzen motivieren wollen?

Leider NEIN! Diese Studie habe ich zwar gewissermassen entworfen, weil ich nach einem Trick gesucht habe, um Tanzmuffel in Tänzer zu verwandeln - aber letzten Endes ist durch diese Untersuchung vor allem mein Verständnis für Tanzmuffel gewachsen. Für die Tanzkunst werden Männer in unserer Gesellschaft schlecht vorbereitet. In den entscheidenden Jahren, in denen sich musische und tänzerische Grundfertigkeiten gut einprägen, werden Jungen im deutschsprachigen Raum vom Tanzen eher abgehalten, als gefördert. Und später sollen sie dann - ohne die Grundfertigkeiten verinnerlicht zu haben- beim Paartanz „die volle Verantwortung für das Gelingen übernehmen“ - so hat es ein bekennender Tanzmuffel ausgedrückt. Kein Wunder, dass sie dazu keine Lust haben, auch wenn sie grundsätzlich sehr gern den Körperkontakt beim Tanzen mögen und auch das Tanzen mit einer Partnerin lieben. Einfach mal so abtanzen, ohne festgelegte Schritte und Verantwortung: das mögen die meisten Männer jedenfalls fast genauso gerne, wie Frauen. Wir können uns da nur als Gesellschaft bemühen in Zukunft in der Erziehung auch frühzeitig die Körperbildung durch Tanz für Jungen zu fördern. Hier bleibt noch viel zu tun und zu forschen.

Vielen Dank für das Interview Frau Janson. Wir freuen uns, Sie im Herbst in Zürich für den Tanzhologie-Workshop begrüssen zu dürfen.

Weitere Infos und Anmeldung: Tanzhologie - Eine Unterrichtsmethode zur Gesundheitsförderung durch Tanz

 

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«Da tanzt der Bär» I

Interview mit Tamara Gassner, Lehrerin, Tanz- und Theraterpädagogin und Performance Künstlerin

Tamara Gassner bildet seit über 20 Jahren Tanzpädagogen aus und hat vor kurzem ein neues Lehrmittel für Kindertanzpädagogik herausgegeben. Im Interview mit TVS spricht Sie über ihre Leidenschaft und Berufung als Tanzpädagogin und wie es dazu gekommen ist, ein Tanzlehrmittel für Kindergarten und Unterstufe mit dem Titel «da tanzt der Bär» zu gestalten.

 

Matchless bildet seit über 20 Jahren Tanzpädagogen aus. Die Ausbildung ist in ihrer Form nach wie vor einzigartig in der Schweiz. Wie ist es dazu gekommen?

Vor zwanzig Jahren gab es nur wenige Tanzschulen und auch sehr wenige Tanzlehrerinnen- und lehrer. Eine Tanzpädagogik-Ausbildung fehlte auf dem Schweizer Markt. Als wir unser Team erweitern wollten, stellte sich die Suche als sehr schwierig heraus. So kam die Idee, dass wir unsere TanzlehrerInnen selber ausbilden könnten. Mit meinem Knowhow als Schullehrerin, der langen Tanzerfahrung, einem passenden Studium in Bern und einem wertvollen Team mit vielen Ressourcen, war dies schlussendlich möglich. Die Ausbildung bietet ein gutes Basiswissen und ein solides Fundament um in die Berufswelt als Tanzpädagoge oder Tanzpädagogin einzusteigen. Wir sind stolz, dass sich unsere Lehrstätte schon seit zwanzig Jahren bewährt. Aktuell freut es uns, dass wir trotz Corona «hoffentlich» im April mit einem neuen Lehrgang starten dürfen.

Die Absolvierung eines Praktikums bildet einen gewichtigen Bestandteil der Ausbildung. Warum ist dies so wichtig? 

Tanzpädagoge ist man nicht einfach – man wird es erst richtig durch die Praxis. Umso wichtiger ist es, erste Erfahrungen im Berufsleben schon früh zu sammeln.

Der Praktikumsort dient der Pädagogin zur direkten Umsetzung des Gelernten und gewährleistet so einen direkten Einstieg ins Berufsleben. Ein Praktikum ist eine Tätigkeit, die praktische Erfahrung im Beruf vermittelt und den Lernenden eine Chance bietet, ihre Fähigkeiten neben dem Lehrgang auszubauen und das Gelernte daraus in die Praxis umzusetzen. Zudem kann ein Praktikum die Suche für einen zukünftigen Job um einiges erleichtern! Konnte man sein Können an einer Tanzschule schon mal zeigen und sich beweisen, ist es naheliegend, dass man anschliessend eine Anstellung bekommt.

Welches sind aus Sicht der TeilnehmerInnen die grössten Stolpersteine auf dem Weg zum Tanzpädagogen?

Mit diesem Beruf wird man nicht reich! Es ist immer wieder schwierig den Beruf so in sein Leben zu integrieren, dass es möglich ist davon zu leben. Wie viele Stunden kann und soll ich pro Woche unterrichten? Wie viele Stunden bedeuten für mich Leidenschaft und ab wann wird es zum Alltag? Was kann mein Körper leisten, was kann ich ihm zumuten?

Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich die Absolventinnen während des Lehrgangs entwickeln. Wie sie sich selber besser kennenlernen, wie sie ihren Körper verändert wahrnehmen. Durch die Arbeit mit sich selbst und die Auseinandersetzung mit der Materie können Fragen plötzlich beantwortet werden. Pläne werden geschmiedet und Richtungen gewechselt - Ziele erreicht und Herausforderungen angenommen.

Kommt Zeit kommt Rat! Es braucht oft einfach viel Zeit, bis sich die Teilnehmerinnen ihren Weg zurechtgelegt haben. Die Organisation und Struktur, den eigenen Arbeitsrhythmus finden, bedeutet eine grosse Herausforderung.

Neuerdings bieten Sie auch Online-Fortbildungen im Bereich der Kindertanzpädagogik an. Was hat Sie dazu bewogen?   

Wir sind seit zwei Jahren bereits an einem Konzept für eine Online Ausbildung im Bereich Tanz und Aerial Pädagogik. Unser Ziel wäre es, dass auch Interessenten aus dem Tessin, der Romandie, Graubünden oder sogar aus den umliegenden Ländern an unserer Ausbildung teilnehmen könnten.

Mit den Online Fortbildungen wagen wir einen ersten Schritt in diese Richtung. Wir bieten so gezielt pädagogische Inhalte, die auch online gut vermittelbar sind. Die Corona Zeit hat uns dabei noch einen Extraschub verpasst. Wir hatten ein bisschen mehr Zeit und Energie und sind nun gespannt auf die nächste Ausgabe. Es ist eine Weiterbildung zum Thema «Improvisation als Unterrichtsmethode» und findet an zwei Freitagabenden Ende April statt.

Nun haben Sie ein Tanzlehrmittel entwickelt, das bereits im Kindergartenalter ansetzt. Warum bereits so früh? 

Tanzen macht glücklich und fördert ganzheitlich! Also kann man nicht früh genug damit beginnen. Lange bevor unsere Kinder sprechen lernen, kommunizieren sie über ihren Körper mit ihrem Umfeld und entwickeln einen natürlichen Drang sich zu bewegen. Die Bewegung ist der Motor einer gesunden Entwicklung.

Im Rahmen der obligatorischen Schule hat Tanzen immer noch sehr wenig Platz. Das ist sehr schade und hat bestimmt verschiedene Gründe. Antje Klinge, Vorstandsmitglied im Bundesverband Tanz in Schulen e.V. hat das 2018 gut beschrieben: Vielleicht liegt es an der mangelnden Ausbildung der Lehrkräfte, die in ihrem Studium nur für kurze Zeit mit Tanz konfrontiert werden. Oder aber auch an der anspruchsvollen Aufgabe, einen besonders sensiblen, da körpernahen Handlungsbereich anzubieten, der in der Öffentlichkeit einen schweren Stand hat und meist nur in seiner professionellen Ausrichtung als Bühnen- und Showtanz oder im Kontext populärer Musikclips Anerkennung findet. Mit dem Projekt Dance4School setze ich genau an diesem Punkt an und möchte Hindernisse überbrücken. Lehrpersonen sollen mit Hilfe von geeigneten Lehrmitteln und Hilfestellungen einen einfachen Zugang zur Vermittlung von Tanz erhalten. Langjährige Tanzerfahrung ist nicht notwendig, um Kinder für den Tanz zu begeistern.

Mit dem neusten Lehrmittel «da tanzt der Bär» gehe ich noch einen Schritt weiter. Bereits Lehrpersonen auf Kindergarten- und Unterstufe, können Kinder mit Leichtigkeit an den Tanz heranführen. Es geht dabei nicht nur ums Vormachen und Nachahmen, sondern vielmehr ums Experimentieren und Finden. Das Lehrmittel besteht aus Tierkarten, die wichtige Bewegungsmuster und Fortbewegungsformen bei kleinen Kindern erfahrbar machen und die Basis tänzerischer Kompetenzen vermitteln. Mit dem Einsatz der Karten werden Ziele des Lehrplans 21 aus dem Bereich Musik und Tanz Kindergarten und Unterstufe abgedeckt.

«Da tanzt der Bär» wird aktuell in der Praxis getestet. Fortsetzung folgt...

 

Weitere Informationen zum Projekt «Dance4school»

Weitere Informationen zur Ausbildung in Tanzpädagogik für Erwachsene

Weitere Informationen zu den Online-Kurse

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Tanzpädagogik im Erwachsenenalter

Eine Möglichkeit die psychische Gesundheit zu bewegen?

Anna Pilchowski, Sozialpädagogische Bildungsforscherin, erschliesst in ihrem Artikel die Möglichkeiten, welche das Tanzen in der sozialen Arbeit haben kann. Das Potential des Tanzens liegt in der Kombination von Bewegung, Musik und sozialer Interaktion und bietet sich als emotionaler und psychischer Ausgleich und als kreatives Medium zur Stressreduktion an.

Menschen eines Alters zwischen 30 und 60 Jahren werden mit individuellen und entwicklungsspezifischen kritischen Lebensereignissen und mit leistungsgesellschaftlichen Strukturen konfrontiert sowie mit einer Pluralisierung von Lebensentwürfen, die Leistungs- und Entscheidungszwänge generiert und persönlichkeitsbildende Maßnahmen in den Hintergrund geraten lässt. Dadurch besteht die Gefahr einer negativen Beeinflussung ihrer psychischen Gesundheit. Das dadurch bedingte Verlangen der Individuen nach Handlungsfähigkeit verweist auf den Bedarf der Zielgruppe. Tanzpädagogik setzt an der Persönlichkeitsbildung an und kann anhand tanzpädagogischer Dimensionen eine Möglichkeit der Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch darstellen, die sich auf das psychische Wohlbefinden auswirken, wodurch Annäherungen an das Wirkungspotential auf die psychische Gesundheit dargestellt werden können. In diesem Kontext stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Tanzpädagogik in der Sozialen Arbeit aufweist. Denn die körperliche Auseinandersetzung in der Tanzpädagogik kann – trotz bestehender Grenzen – niedrigschwellige Zugänge eröffnen.

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Zur kürzlich erschienen Publikation von Anna Pilchowski: Tanzpädagogik im Erwachsenenalter. Eine Möglichkeit die psychische Gesundheit zu Bewegen (2021)

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Teenagerinnen tanzen für eine bessere psychische Gesundheit

Ergebnis einer Studie mit 112 Mädchen im Alter von 13 bis 19

Depressionen, Stress, Müdigkeit und sogar Kopfschmerzen, unter denen junge Mädchen leiden, können durch regelmäßigen Tanz gelindert werden.

Die Studie mit dem Titel "Influencing Self-rated health among adolescent girls with dance intervention" wurde von der Physiotherapeutin, Anna Duberg von der Universitätsklinik Örebro und Doktorandin an der Örebro Universität in Schweden durchgeführt.

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Lebenselixier Tanz

Wer sich im Rhythmus der Musik bewegt, stärkt nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch die Psyche

Ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist für den Gesundheitseffekt von Tanzen verantwortlich: unter anderem die Musik, die Berührung sowie die körperliche Bewegung. Und dabei wurde uns diese Form der Bewegung in die Wiege gelegt.

Ich kann nicht tanzen!« Wie oft haben Sie diesen Satz schon gehört? Oder ihn vielleicht selbst ausgesprochen? Viele Menschen, insbesondere in nördlichen Ländern wie Dänemark, Deutschland oder England, tanzen sehr wenig, weil sie meinen, es nicht zu können. Die Angst ist allerdings unbegründet. Die Fähigkeit, einem Rhythmus zu folgen, ist uns laut wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Wiege gelegt.

Lesen Sie den gesamten Artikel im Spektrum Gehirn&Geist

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Ballett für alle

Über die Anpassung von Unterrichtsformen zur Erhöhung der Barrierefreiheit

Clare Guss-West ist Vorsitzende des IADMS-Komitees "Dance for Health" und internationale Lehrbeauftragte an der Universität Bern. In diesem interessanten Beitrag spricht sie über moderne Entwicklungen und Inklusion im Ballettunterricht.

Mehr als jede andere Tanzform stellt das Ballett mit seinem vorherrschenden Fokus auf die physische Leistung, der äusserlichen Form und Konformität mit traditioneller Ästhetik vielleicht die größten Herausforderungen für alle Aspekte der Barrierefreiheit dar, und doch wächst die Nachfrage nach angepasster Ballettpraxis schnell. Institutionen wie die Royal Academy of Dance und das Adaptive Dance Program der Joffrey Ballet School begrüßen diese Entwicklung und integrieren in vielen Fällen Kinder mit motorischen Herausforderungen in den regulären Unterricht.

Zum englischen Originalartikel

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Wirkung eines einwöchigen Tanzprojekts auf die soziale Interaktion

Eine wissenschaftliche Perspektive: Tanz macht Schule

Als ich aufwuchs, hatte ich die Gelegenheit, den Tanz von klein auf zu erleben, und das habe ihn bis heute beibehalten. Bei meiner derzeitigen Arbeit als Tanzlehrer in verschiedenen Tanzschulen kann ich beobachten, welche positiven Auswirkungen Tanz auf die Gruppendynamik und jedes einzelne Kind im Studio haben kann.

Das Ergebnis meiner Studie legt nahe, dass gemeinsames Tanzen die Empathiefähigkeit und die Verbundenheit zwischen Gleichaltrigen erhöht.

Lesen Sie die Zusammenfassung der Studie von Anouk Lehner, MAS Dance Science, auf Englisch: Effect of a one-week-dance-project on the social interaction between students and teachers in a public school

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Einfluss von Tanztraining auf das Körperbild von Patientinnen mit Essstörungen

Körperwahrnehmung und Selbstwertgefühl im Tanz

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Tanzunterricht ein geeignetes Mittel ist, um das Verhältnis zum eigenen Körper und das Selbstwertgefühl zu verbessern.

In unserer Konsumgesellschaft wird sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt, der Körper wird mehr und mehr zur Ware und „geht als fühlender Körper verloren.“ (Zitt, 2008, S.143). Eine allgemein zunehmende Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper führt häufig zur Entwicklung eines negativen Körperbildes und gipfelt in Krankheitsbildern wie Anorexie und Bulimie, die maßgeblich in Industrieländern vorkommen (DGPM, 2010, S. 20). Sie sind gekennzeichnet durch eine pathologische Entfremdung vom eigenen Körper und seinen Bedürfnissen und gehen typischerweise mit gravierenden Körperwahrnehmungsstörungen einher. Um den Effekt von Tanz auf die Entwicklung eines positiven Körper- und Selbstwertgefühls zu verdeutlichen, wurden für diese Projektarbeit sechs Probanden mit Essstörungen untersucht.

Projektarbeit downloaden: Einfluss von Tanztraining auf das Körperbild von Patientinnen mit Essstörungen

Weitere Informationen zur Autorin und der Methode: Tanzhologie Studio

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Tanz & kreative Bewegung: Effekte auf die Selbstwirksamkeit und das Wohlbefinden von Senioren

Wissenschaftliche Perspektive: Wohlbefinden im Alter

Tanzen wird von der WHO (2018) als gesundheitswirksame körperliche Aktivität für ältere Erwachsene empfohlen. Trotzdem gibt es nur wenige Studien zu diesem Thema. Mit dieser Arbeit versucht Carla Winkelmann im Rahmen ihrer Abschlussarbeit für das MAS Dance Science diese Lücke zu schliessen.

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Zeitgenössischer Tanz bietet viele Möglichkeiten zur gelebten Inklusion

Ein Interview von Alessandro Schiattarella «Strano» mit Catja Loepfe, Künstlerische Leiterin des Tanzhaus Zürich

Catja Loepfe ist künstlerische Leiterin des Tanzhaus Zürich und setzt sich seit 2017 verstärkt für Inklusion ein. Dieses Interview ist im Rahmen der Publikation der Fachstelle Kultur inklusiv von Pro Infirmis entstanden. Die Fachstelle setzt sich für die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ein und begleitet Kulturinstitutionen im Rahmen von Labelpartnerschaften.

Zum vollständigen Artikel auf der Seite vom Tanznetzwerk Schweiz reso

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Jahrbuch Tanzforschung 2020: Sinn und Sinne im Tanz

Perspektiven aus Kunst und Wissenschaft

Aus der Perspektive unterschiedlicher AutorInnen aus Kunst und Wissenschaft werden Wege aufgezeigt, wie aus verschiedenen Situationen neuartige Zugänge zu künstlerischer, forschender und vermittelnder Praxis entspringen können.

Ähnlich und doch verschieden: Sinn und Sinne im Tanz. Sinn steht für Sinnhaftes, für Einsicht und Vernunft - und mit Sinne wird alles Sinnliche, wird Erfahrung und Wahrnehmung verbunden. Tanz macht Sinn, Tanz ist Sinnlichkeit. Aus der Reibung dieser beiden Pole entstehen für den künsterlischen Tanz wie auch für deren Erforschung neuartige Ansätze. Das im Körper gespeicherte Wissen spielt dabei eine bedeutende Rolle. Aus der Perspektive unterschiedlicher Autorinnen und Autoren aus Kunst und Wissenschaft werden Wege aufgezeigt, wie aus verschiedenen Situationen neuratige Zugänge zu künstlerischer, forschender und vermittelnder Praxis entspringen können.

Dieses gtf-Jahrbuch enstand in Zusammenarbeit mit dem Institute for the Performing Arts and Film (IPF) der Züricher Hochschule der Künste.

Bestellen bei Transcript Verlag

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Tanztherapie: Wie Tanzen heilen kann

Tanzen wirkt nicht nur präventiv. Tanzen kann auch heilen.

Tanztherapie kann bei nahezu jeder Erkrankung eine wunderbare begleitende Massnahme darstellen. Sie kann aber auch beim Gesunden die persönliche Entwicklung fördern. Ina Sauther durchforscht für sie die aktuelle wissenschaftliche Studienlage.

Zum vollständigen Artikel: Zentrum für Gesundheit

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Buchtipp | Tanzen macht nicht nur glücklich, sondern auch schlau

Der Bestseller von Lucy Vincent jetzt auf Deutsch erhältlich

Gehirn im Viervierteltakt: Wir haben es immer gewusst, aber nun ist es wissenschaftlich belegt. Tanzen macht nicht nur glücklich, sondern auch schlau.

Die Kombination aus Rhythmus, musikalischem Gehör, Choreographiearbeit, asymmetrischem Training von linker und rechter Körperhälfte, Koordinationsvermögen (alleine, als Paar oder in der Gruppe) und Ausdauertraining fördert und fordert unterschwellig den Denkapparat. Das lässt sich in der Gerontologie und Demenztherapie wunderbar umsetzen, aber auch im schulischen Kontext gibt es hiermit eine Alternative zum Geigenunterricht.

Weitere Informationen finden Sie beim Goldmann Verlag

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Emotionale Intelligenz im Tanz

Infoblatt 7

Emotional intelligente Tänzer und Tanzpädagogen können einschätzen, welche Handlung voraussichtlich welche Emotionen auslösen werden, um dann dieses Wissen in eine verantwortungsvolle Entscheidungsfindung einfliessen zu lassen.

Die Info-Blätter können für 10.00 Euro (3,50 Euro für Mitglieder) bei der ta.med - Gemeinnütziger Verein für Tanzmedizin bezogen werden. 

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Tanz wirkt! Wirkt Tanz?

Rückblick auf den Forschungstag Tanztherapie 2019 der Gesellschaft für Tanzforschung GfT

Am 11. Mai fand der Forschungstag Tanztherapie 2019: "Tanz wirkt! Wirkt Tanz?" statt. Er wurde vom Berufsverband der TanztherapeutInnen Deutschlands (BTD) in Kooperation mit der Gesellschaft für Tanzforschung (gtf) und der Medical School Hamburg veranstaltet.

Das Anliegen des Forschungstags Tanztherapie 2019 war es, den gegenwärtigen Stand der tanztherapeutischen Forschung in den Blick zu nehmen, die vielfältigen Formen der Forschung in der Tanztherapie sichtbarer zu machen und sich zu fragen: Wie, warum, für wen und vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund forschen wir?

Auf der Webseite der Gesellschaft für Tanzforschung GfT finden Sie den gesamten Beitrag mit Berichten von TeilnehmerInnen über die Vortrage und Workshops

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Impulse und Perspektiven für Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer

Interview mit Frau Dr. Andrea Schärli, Leiterin MAS in Dance Science der Universität Bern

Über aktuelle Forschungsschwerpunkte und die vielseitigen Entwicklungsmöglichkeiten für TanzlehrerInnen

Seit 2015 leiten Sie den MAS in Dance Science der Universität Bern. Was hat sich in den vergangenen vier Jahren verändert?

Das Interesse an der Dance Science ist ungebrochen und sogar noch gewachsen. Wir haben vor vier Jahren mit einer Gruppe von über 20 Studierenden angefangen, die alle vor einem Jahr abgeschlossen haben. Auch bei der dritten Runde haben wir wieder über 20 Studierende. Es sind inzwischen immer mehr Studien zu unterschiedlichen Tanzstilen und vermehrt auch interdisziplinäre Arbeiten verfügbar, welche nebst der Medizin auch die Fachbereiche Psychologie, Bewegungs- und Trainingswissenschaft, Pädagogik und Biomechanik umfassen.

Unsere Studierenden widerspiegeln diesen Trend. Der tänzerische Hintergrund reicht von Breakdance, Orientalischem Tanz, zeitgenössischem Tanz, Jazztanz bis hin zu Musicaltanz. Auch liegt das Interesse nicht mehr ausschließlich im professionellen Bühnentanz, sondern auch in der Spezialisierung auf verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Gerade die gesundheitlichen Effekte von Tanz bei Seniorinnen und Senioren ist ein Thema, auf welches ich von Journalisten in letzter Zeit immer wieder angesprochen werde. Das scheint ein ‚hot topic‘ zu sein.

 

Tanzen wird immer noch gerne als Fitnesstraining eingestuft. Wie sehen Sie das?

Tanzen kann natürlich als Fitnesstraining dienen, je nach Tanzstil und Lehrer. Oft steht aber nicht das ‚Workout‘ im Vordergrund, sondern das Erlernen von komplexen Bewegungsabläufen, das Bewegen mit Musik, die Imagination oder die Interaktion mit dem Tanzpartner. Interessanterweise zeigen zum Beispiel viele Studien auf, dass gerade Balletttänzerinnen und -tänzer im Bereiche der aeroben Ausdauer nicht über eine gleich gute Fitness verfügen wie durchschnittlich aktive Menschen. Die Aussage, dass Tanz ein Fitnesstraining sei, ist also mit Vorsicht zu geniessen. Wenn ein vollumfängliches Fitnesstraining mit Ausdauer und Kraftrainingselementen erwünscht ist, dann ist Tanzen sicherlich nicht die erste Wahl.

 

In den Neurowissenschaften ist das Interesse am Tanzen stark gestiegen. Ist die Entdeckung der Spiegelneuronen dafür verantwortlich? Wie können wir uns diese Entwicklung erklären?

Tanz ist in der Tat für die Neurowissenschaften sehr interessant. Das rührt daher, dass Tänzerinnen und Tänzer sich unglaubliche lange Choreographien einprägen können und dass sie ein fast unendliches Bewegungsrepertoire aufweisen. Die Spiegelneuronen sind ein wichtiger Aspekt beim Erlernen dieser Bewegungsabfolgen.

Darüber hinaus zeigen neuere Studien deutlich auf, dass der Tanz als Aktivität sich von anderen Bewegungsformen, wie zum Beispiel  Joggen oder Fitnesstraining abhebt, gerade im Kampf gegen neuro-degenerative Erkrankungen wie Demenz. Beim Tanzen sind die exekutiven Funktionen (z.B. die Fähigkeit zum Dual Tasking) kontinuierlich angesprochen. Und es sind eben genau solche Aktivitäten mit komplexer Koordination in Verbindung mit kognitiven Herausforderungen, die unserem Gehirn und Körper optimal schulen, sowohl in der Kindheit als auch im Alter.

 

Welcher Forschungszweig kommt ihrer Meinung nach im Moment noch zu kurz? Wo wünschen Sie sich neue Forschungsschwerpunkte?

Es gibt immer noch wenige methodisch gut durchdachte Studien, die Effekte von Tanz auf die Gesundheit und das Wohlbefinden verschiedener Bevölkerungsgruppen untersuchen. Hier gibt es sicherlich noch Bedarf. Auch fände ich es schön, wenn der Bereich des motorischen Lernens vermehrt auf Tanz übertragen wird und mit tanzspezifischen Studien vorangetrieben wird.

 

Der MAS in Dance Science bietet ein breit abgestütztes Weiterbildungsprogramm, welches weit über die motorischen und biomechanischen Aspekte der Bewegung zur Musik hinausgeht. Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser Ausrichtung?    

Wir wollen vor allem Praktiker aus dem Feld des Tanzens mit theoretischen Konzepten zu verschiedenen Disziplinen wie Anatomie, Physiologie, Neurowissenschaften, Biomechanik, Bewegungs- und Trainingswissenschaft, Psychologie und Pädagogik ausrüsten, damit sie ihre Tätigkeit reflektieren können und neue Impulse erhalten. Wichtig ist uns auch, die Forschungsmethode und das Lesen und Verstehen von wissenschaftlichen Artikeln zu vermitteln, damit die Teilnehmenden in Zukunft ihre Inhalte und Methoden evidenzbasiert wählen können. Dies ermöglicht auch das Erstellen neuer Programme/Curricula, zum Beispiel Tanz für Seniorinnen in einem Altersheim. Zu diesem Thema bieten wir im Oktober und November übrigens zwei Workshops an.

 

Welche Möglichkeiten eröffnet eine fundierte Aus- und Weiterbildung den TanzlehrerInnen in der Schweiz?

Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer erhalten die Möglichkeit, ihr Training evidenzbasiert und nach neusten wissenschaftlichen Standards auszurichten und sich so von anderen Anbietern abzuheben. Mit einer Weiterbildung zum Beispiel in der Dance Science können auch Ideen für neue Angebote entwickelt werden.

 

Bevor Sie in die Forschung eingestiegen sind, haben Sie sich unter anderem auch intensiv mit Tanzpädagogik auseinandergesetzt und waren selbst aktiv als Tanzlehrerin am Gymnasium tätig. Was sind ihre Erfahrungen?

Ja, das stimmt. Ich hatte auch in den Niederlanden unterrichtet und da war Tanz sogar ein Maturafach. Es sind immer noch meist die Mädchen, die freiwillig zum Tanzen kamen und die sich fürs Tanzen begeistern liessen. Eine Umfrage in UK zeigt, dass Tanzen die zweit beliebteste körperliche Aktivität nach Fussball ist. Da muss unbedingt angesetzt werden. Die Jugendlichen sollen mit tollen Angeboten im Tanzbereich zur Bewegung motiviert werden. Momentan unterrichte ich auch Tanz für die Sportwissenschafts-Studierenden und da ist es wunderbar zu sehen, dass grad auch die jungen Männer extreme Fortschritte erzielen und das Tanzen richtig zu schätzen lernen. Einer hat mal gesagt: „Schade habe ich nicht früher gemerkt wie cool Tanzen ist!“

 

Welche Rolle spielt das Tanzen für Sie im Bildungsprozess von Kindern und Jugendlichen?

Tanzen ist wichtig für die Bewegungsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es wird in der Schweiz aber leider stark vernachlässigt. Im neuen Lehrplan ist es einerseits der Musik und andererseits dem Sport zugeteilt. Es sollte aber unbedingt ein eigenständiges Fach sein, was auch den Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer zusätzliche Anerkennung geben würde. Die meisten Sport- und Musiklehrer können das Fach nur ansatzweise vertreten. Bei uns am ISPW gibt es Forschung zum Einfluss von physischer Aktivität/Sportunterricht auf die kognitive Leistung von Schülern (Gruppe von Prof. Dr. Mirko Schmidt). Dabei hat sich gezeigt, dass komplexe Bewegungsaufgaben zu höheren Leistungen in der Schule führen können. Tanz würde da also eine wichtige Rolle spielen, wenn es denn nur angeboten würde.

 

Welche Rolle spielt das Tanzen in der Gesundheitsprävention?

Bewegungen im Allgemeinen und Tanzen im Speziellen können viele Krankheiten und Probleme vorbeugen. Wie oben schon genannt, sind es eben komplexe Bewegungsaufgaben, welche für die Kognition und z.B. im Kampf gegen die Demenz entscheidend sein können. Hier sehe ich ein riesiges Potential, welches bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Es ist zu hoffen, dass wir mit Studien Fakten auf den Tisch legen können und dann Politiker und Vertreter von Krankenkassen überzeugen können, dass das Tanzunterricht eine sehr effektive Prävention und/oder Rehabilitation sein kann.

 

Was trägt das MAS-Programm zu dieser Entwicklung bei?

Wir versuchen mit Studien, die Vorzüge des Fachs Tanz aufzuzeigen und so dann vielleicht auch irgendwann die Politiker davon überzeugen zu können!

 

Weitere Informationen: Weiterbildungsangebot der Universität Bern in Dance Science

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Tanzen und Gesundheit aus sportmedizinischer und sportpsychologischer Sicht

Positive Gesundheitseffekte des Tanzens aus Sicht der Medizin

„Bewegung ist Medizin“, ein Slogan, der in den letzten Jahren sehr populär wurde und aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich Richtigkeit hat. Doch inwiefern hält das Tanzen, was es verspricht? Eine kurze und kritische Bestandsaufnahme zur aktuellen Studienlage von Dr. Wolfgang Schobelsberger.

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Cool facts, hot feet

Menschen tanzen aus Spaß, Erholung, sozialen Gründen und zunehmend auch für ihre Gesundheit. Es gibt etwas Einzigartiges am Tanz, wie er inspiriert und motiviert

Dieser Report legt den Fokus auf unterschiedliche Altersgruppen, Tanzstile, Settings und medizinische Bedingungen im Rahmen der Erforschung von Freizeittanz.

Der Schwerpunkt liegt auf Forschungsarbeiten und Evaluationsberichten, bei denen ein wissenschaftlicher Ansatz bei der Erhebung und Analyse von Daten verfolgt wurde. Dazu gehören beispielsweise der Einsatz von randomisierten Kontrollstudien, validierten Messgeräten für körperliche Aktivität und der psychischen Gesundheit sowie statistische Standardverfahren. In der Übersicht werden auch Zeitschriftenartikel aufgeführt, bei denen die Forschungsmethodik nicht den aktuellen wissenschaftlichen Standards entspricht, aber wichtige Hinweise für die Auswahl von zukünftigen Forschungsschwerpunkten liefern können.

Hier können Sie den gesamten Bericht Dancing to health - a review of the evidence von People Dancing UK herunterladen. 

 

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Tanz ist mehr als Therapie

Eine qualitative Analyse des therapeutischen Tanzunterrichts für Parkinson-Betroffene

Welche Vorteile und Grenzen hat der Tanzunterrricht für Parkison-Bertroffene und wie sollen die Lektionen gestaltet werden, damit die Teilnehmer einen möglichst grossen Nutzen davon tragen?

Nebst der Verbesserung der Motorik können gut strukturierte Tanzkurse auch die soziale Verbundheit erhöhen. Aus Sicht der Teilnehmer ist die sorgfälltige Planung und Anpassung der Kursinhalte an die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Betroffenen ausschlaggend für die Qualität der Kurse. 

Diese Studie wird TVS-Mitgliedern auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt. 

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Tanzen wirkt als wahres Gehirntraining und macht geistig fit

Eine Studie der Universität Bochum zur Gesundheit von Senioren

Tanzen hält fit und wirkt als wahres Gehirntraining, was schon länger bekannt ist. Aber wie effektiv hilft es beispielsweise älteren Menschen? Genau das haben jetzt Bochumer Forscher getestet – mit verblüffendem Ergebnis: Übten die betagten Probanden nur einmal pro Woche ein speziell für ältere Leute entwickeltes Tanzprogramm, verbesserte dies ihre geistige Fitness und steigerte ihre Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit.

Lesen Sie den gesamte Artikel im Wissenportal von Neuronalfit

Und hier noch ein visueller Beitrag auf Focus Online zur Inspiration: Tanzender Senior stielt Strassenmusiker die Show 

 

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Tanzen sollte vom Hausarzt verschrieben werden

Eine Zusammenfassung der vielfältigen Nutzen des Tanzens

Tanzen ist eine ganzheitliche Körperaktivität, bei der du ganz schön ins Schwitzen kommst. Deine Gesundheit wird es dir danken, wenn du regelmäßig tanzt, denn dieser Sport wirkt sich auf viele Bereiche deines Körpers aus:

Muskeln: Durch die Bewegung verbessert sich die Funktion deiner Muskelzellen. Deine Koordinationsfähigkeit wird gefördert. Verspannungen lösen sich und treten seltener auf. Zudem können deine Muskeln bei Belastung besser und schneller reagieren.

Stützapparat: Sehnen und Bänder werden durch die rhythmische Bewegung kräftiger durchblutet. So kannst du deine Gelenke besser schützen. Aber auch diese profitieren vom Tanzen. Deine Beweglichkeit wird erhalten und sogar verbessert.

Wirbelsäule: Tanzen ist eine Sportart, bei der es auf die richtige, aufrechte Haltung ankommt. Das erhöht die Beweglichkeit deiner Wirbelsäule. Du wirst feststellen, dass du dich allgemein aufrechter halten wirst. So beugst du Bandscheibenvorfällen vor.

Organe: Die Bewegung sorgt dafür, dass dein Herz leistungsfähiger wird. Deine Durchblutung verbessert sich. Die gesteigerte Sauerstoffversorgung sorgt für eine bessere Funktion deiner Lunge, verbrauchte Luft wird schneller ausgeschieden.

Immunsystem: Tanzen erhöht die Anzahl der Killerzellen deines Immunsystems. Damit kann dein Körper Infekte schneller abwehren: Du wirst nicht mehr so schnell krank werden.

Fettverbrennung: Durch das rasche Tempo einiger Tänze (Disco-Fox, Jive) verändern sich deine Enzyme. Es bilden sich viel mehr Enzyme, die Fett verbrennen. So wirst du auf Dauer eventuell vorhandenes Hüftgold los – und die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass sich neuer „Speck“ ansammeln kann.

Gedächtnissteigerung: Dein Gehirn wird, wie bei jedem Ausdauertraining, besser durchblutet. So wirst du wach, leistungsfähig und kannst dir viel mehr merken. Im Laufe deines Lebens lässt normalerweise die Verknüpfung der Nervenzellen untereinander nach – das so genannte neuronale Netz wird abgebaut. Tanzen verbessert die Verknüpfung deiner Gehirnzellen untereinander. Die koordinierten und rhythmischen Bewegungen erhalten so dein Gehirn jung. Es ist sogar möglich, dass sich verkümmerte Bereiche des Gehirns wieder regenerieren. Nachgewiesen ist, dass Tanzen das Lernvermögen und das Gedächtnis verbessert.

Hormone: Durch die Bewegungen steigt die Serotoninproduktion. Das macht dich glücklich und kreativ. Darüber hinaus wird auch das Kreativitätshormon ACTH vermehrt produziert. Dadurch entspannt sich dein Körper, dein Geist aber wird hoch leistungsfähig. TänzerInnen sind überdies Menschen, die Probleme kreativer lösen als andere – sie sind es gewohnt, auch die rechte, kreative Gehirnhälfte mit einzusetzen.

Endorphine: Das Tanztempo sorgt dafür, dass nach einigen Übungsstunden Endorphine freigesetzt werden. Das sind körpereigene Stoffe, deren Wirkung mit Drogen vergleichbar ist. Allerdings sind sie viel harmloser. Sie sorgen „nur“ dafür, dass du dich entspannst, glücklich und zufrieden fühlst.

 

Unser Buchtipp zum Thema

Tanzmedizin, Anatomische Grundlagen und gesunde Bewegung, Josef Huwyler, Hogrefe, 2013

Dieses grundlegende Lehrbuch der Anatomie und Sportmedizin ist aus der jahrzehntelangen Arbeit des Autors mit Tänzern hervorgegangen. Es vermittelt Tanzpädagogen, professionellen Tänzern und Tanzschülern praktisch nutzbare Kenntnisse über ihren Körper, die direkten Bezug zu ihrer Arbeit haben. Der verständliche und ausführliche Text wird durch zahlreiche Abbildungen veranschaulicht. Das Buch dient auch dem Arzt als Leitfaden für seine Lehrtätigkeit an Ballettschulen. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis bietet die Möglichkeit zu weiteren Informationen.

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Tanzen als Medizin: Mit Schwung gegen Altersbeschwerden

Portrait einer Tanzgruppe der besonderen Art

Gut für die Kondition, für Psyche und Gedächtnis: Tanzen kann, vor allem für ältere Menschen, mehr sein als nur ein Ausdruck von Lebensfreude.

Zum vollständigen Artikel der Deutschen Ärztezeitung

Weiterführende Informationen zur Tanzgruppe ArtRose

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Tanzen ist der gesündeste Sport

Tanz stimuliert den Körper als Ganzes, aktiviert das Gehirn, macht Menschen glücklich und schafft sozialen Zusammenhalt.

Man kann es nicht oft genug sagen. Der Tanz hat positive Auswirkungen auf den Körper, das Gehirn, die Stimmung und das soziale Verhalten. Diese Aktivität, die Kinder zum aufblühen bringt, Paare bindet und Rentner verjüngt, ist für Männer vorteilhafter als jeder andere Sport, sagt die Neurobiologin Lucy Vincent in Make your brain dance!

Zum vollständigen Artikel in der fränzösischen Zeitschrift Le temps

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Wenn Kinder tanzen

Ein spannender Beitrag über den Nutzen von Tanzen bei Kindern

Tanzen hat einen positiven Einfluss auf die körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung von Kindern. Die Fähigkeit zu tanzen ist bereits vorhanden, bevor Kinder sprechen können.

Kinder bewegen sich auf eine angeborene Weise: Bewegung dient dazu, Gedanken oder Gefühle auszudrücken. Wenn ihre Bewegungen strukturiert und bewusst ausgeführt werden, wird es zum Tanz. Wenn du Kinder hast, fragst du dich vielleicht, wie du ihre unerschöpfliche Energie am besten kanalisieren kannst. Für Mädchen und Jungen jeden Alters ist der Tanz eine ausgezeichnete Alternative zum Teamsport.

Zum französischen Originalartikel auf Partenaire de danse

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Jahrbuch Tanzforschung 2018: Tanz – Diversität – Inklusion

Das Jahrbuch der Gesellschaft für Tanzforschung Gtf versammelt grundlegende Positionen zu Diversität und Inklusion im und durch Tanz

Diversität, Teilhabe und Inklusion sind in aktuellen Debatten in Bildung, Wissenschaft, Politik und Kultur zentrale Leitbegriffe und Mitgestalter gesellschaftlicher Entwicklungen.

Im Tanz spielt Diversität seit langem eine bedeutende Rolle, sei es als tanzkünstlerisches Thema, als Impuls für kreatives Schaffen, im Rahmen tanzpädagogischer Vermittlungsprozesse oder auch in tanztherapeutischen Kontexten. Zudem zeichnet sich Tanz durch sein hohes Teilhabe- und Inklusionspotenzial aus.

Das Buch ist auf Open Access zum Download verfügbar.

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«So und nicht anders»

Ein Tanzprojekt, welches das Menschsein zelebriert

Dass Tanzen nicht dem sportlich-akrobatisch-dynamischen Körper vorbehalten ist, zeigt das Tanzprojekt von Jeannine Elsener und Massimiliano Madonna am Tanzfestival 2019 in Zug. Eine einzigartige Darbietung, welche das Menschsein zelebrierte, die Akzeptanz des Einzelnen und die gemeinsame Leidenschaft im Vordergrund stellt.

Die Bilderstrecke des Projekts ist berührend und inspirierend zugleich.

Hier geht es zum Artikel in der Zuger Zeitung.

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Aktuelle Studien zu Tanzinterventionen mit Kindern

„Moving Systems“ als multidisziplinärer Ansatz gegen Schulabbruch und zur Lernförderung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit bewegungs- und tanzorientierten Interventionen in zwei verschiedenen Schulsettings. Die erste Studie wurde in Deutschland an einer damaligen achten Hauptschulklasse mit SchülerInnen durchgeführt (Schaub-Moore 2017), welche ein hohes Risiko trugen, den Schulabschluss nicht zu bestehen bzw. die Schule vorzeitig abzubrechen. Die zweite Studie wurde von Sarnadinha, Pereira, Ferreira, Fernandes und Veiga (2018) mit Vorschulkindern in Portugal durchgeführt und untersuchte die Auswirkungen einer Psychomotorik- und einer Tanz- und Bewegungsintervention bei Kindern mit besonderem Förderbereich.

Die Studie von Dr. rer. soc. Iris Bräuninger steht auf Research Gate zum Dowonlad bereit. 

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Tanzen wirkt positiv auf unsere Hirnleistung

Interview mit Neurowissenschaftler Wolfgang Knecht

Der Neurowissenschaftler Wolfgang Knecht von der ETH Zürch erklärt, wie Wellness fürs Gehirn funktioniert und wie Sie Ihr Denkorgan in Topform bringen

Die Wirkungen von Tanz aufs Gehirn werden derzeit an der ETH untersucht. Das Spezielle daran ist, dass dabei die akustische Welt auf die Bewegung trifft und somit mehrere Funktionen gleichzeitig aktiviert werden – beispielsweise die Aufmerksamkeit, und die Sensorik und eben die Motorik. Das hat einen positiven Effekt auf unsere Hirnleistung. Basierend auf diesen Ergebnissen werden nun Spiele hergestellt, welche verschiedene geistige und körperliche Funktionen trainieren können.

Zum Interview im Tagesanzeiger

 

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Takt für Takt gesünder

Tanzen macht glücklich, fit und ist ein gutes Mittel gegen Altersbeschwerden und Fettpölsterchen. Und alle können es lernen!

Wer tanzt, trainiert Körper, Geist und tut seiner Seele Gutes. Andrea Schärli, Dozentin und Fachleiterin Tanz des Instituts für Sportwissenschaft in Bern: «Tanzen ist eine der effektivsten und gesündesten Sportarten überhaupt. Verglichen mit beispielsweise Joggen, Radfahren oder Krafttraining hat Tanzen den Vorteil, dass es körperliche Aktivität mit kognitiven Herausforderungen und sozialen Komponenten vereint.»

Ingrid Peter (73) kreist geschmeidig ihre Hüfte zum Aufwärmlied «079» von Lo & Leduc. Dann kubanische Salsamusik. Schnelle Schritte, Drehungen und Hüpfen. Alles in roten Absatzschuhen. «Nach dieser Stunde bin ich pflotschnass. Ich tobe mich aus und tanke gleichzeitig neue Energie», sagt die Rentnerin aus Bolligen (BE). Jeden Mittwochabend besucht sie einen Salsakurs nur für Frauen in der Berner Tanzschule Muevete.

Hier können Sie den vollständigen Artikel im Drogistenstern downloaden

Das könnte Sie auch Interessieren: Senioren Tanz Bern - ein interdisziplinäres Projekt

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Tanzstunden müsste es auf Rezept geben

Interview mit den Neurowissenschaftlern Julia F. Christensen und Dong-Seon Chang

Sich zu Rhythmen zu bewegen macht nicht nur Freude, sondern trägt immens zu unserer Gesundheit bei. Zwei Neurowissenschaftler erklären, warum man unbedingt öfter das Tanzbein schwingen sollte.

Lesen Sie den vollständigen Aritkel in der Frankfurter Allgemeine

Hier geht es direkt zum Beststeller von Julia F. Christensen und Dong-Seon Chang: Tanzen ist die beste Medizin - Warum es uns gesünder, klüger und glücklicher macht. Oder Sie lassen sich durch das Interview mit Julia F. Christensen insprieren 

 

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Buchtipp | Tanzen ist die beste Medizin

Warum es uns gesünder, klüger und glücklicher macht

Gesundheit und Tanzen sind zwei Seiten derselben Medaille: Zu tanzen lindert nachweislich die Symptome von Parkinson und Depression; es schult den Gleichgewichtssinn, die Koordination, hilft gegen Demenz besser als jedes Gehirnjogging, kurz, es macht uns zu einfühlsameren, geduldigeren, glücklicheren und anziehenderen Menschen. Tanzen kann sogar Beziehungen retten, denn: Liebe geht durch die Beine. Die Autoren verraten, warum wir überhaupt tanzen, dass Tanz Ausdruck von Gefühlen sein kann, warum er als gesellschaftlicher Kitt dient, als Symbol für Schönheit und Verführung gilt und zur Heilung von Körper, Geist und Seele beiträgt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse lebendig und anschaulich vermittelt: Bei bei exlibris bestellen

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Sophie tanzt. Und tanzt. Und tanzt.

Tanzen als Lebeneselexier

Eine Tanzstudentin sitzt nach schwerer Erkrankung im Rollstuhl. Doch aufzugeben kommt für Sophie Hauenherm nicht in Frage. Jetzt hat die 18-Jährige ihre Bachelorprüfung an der Palucca-Hochschule abgelegt.

Als sich die 18-jährige bei ihrer Abschlussprüfung verbeugt, muss sie dabei sitzen bleiben – im Rollstuhl. Das Publikum ist wie gebannt. Dem bewegenden Auftritt folgt ein Moment der Stille. Dann Standing Ovations.

Lesen Sie den vollständigen Arikel der Deutschen Ärztezeitung und im Spiegel Online

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Die Heilkraft des Grooves

Warum das Tanzen in vielen Kulturen der Welt tief verankert ist

Der Mensch ist ein Tänzer. Doch warum nur? Forscher beginnen, das rauschhafte Verhalten zu enträtseln. Experimente zeigen: Die rhythmische Bewegung zu Musik verführt und verbindet – und kann sogar Kranken heilen. Es ist ein Fest für den Körper, eine Ode an die Gemeinschaft und die Ästhetik, getanzter Sex und Leidenschaft pur.

Zum Originaltext auf Spiegel Online

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Dank Tanz weniger Stürze

Eine Untersuchung durch Studenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Bewegung und Tanz können gerade bei Patienten mit eingeschränkter Mobilität das Sturzrisiko senken. Diese Annahme haben drei Studentinnen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in der Praxis überprüft.

Lesen Sie den vollständigen Presseartikel im Freiämter

Bewegungs- und Tanzangebote für Senioren finden Sie auf sicherstehen.ch, einer Initiative von des BFU, Pro Senectute und Gesundheitsförderung Schweiz

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Ich kann meinen Herzschlag spüren

Tanzen verbessert die Selbstwahrnehmung und erhöht die Präsenz im eigenen Körper

Interozeption ist der Prozess der Wahrnehmung von Signalen des Körpers, einschließlich Herzfrequenz (HR) und Magensignale und wird als ein Mechanismus beschrieben, der entscheidend an der Schaffung von Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein beteiligt ist.

Die Aufgabe der Herzschlagwahrnehmung ist ein Werkzeug zur Messung der interozeptiven Genauigkeit (IAcc) von Menschen. IAcc korreliert positiv mit Messungen des Selbstbewusstseins und mit Attributen wie emotionaler Sensibilität, Empathie, prosozialem Verhalten und effizienter Entscheidungsfindung. Die interozeptive Genauigkeit ist in der Allgemeinbevölkerung auf einem moderaten Niveau, und Versuche, Gruppen von Menschen zu identifizieren, die aufgrund ihrer spezifischen Ausbildung (z.B. Yoga, Meditation) einen höheren IAcc aufweisen könnten, waren nicht erfolgreich. Eine aktuelle Studie mit Musikern deutet jedoch darauf hin, dass die in der Kunst ausgebildeten Personen einen hohen IAcc-Wert aufweisen könnten. In dieser Studie wurde der IAcc an 20 professionellen Tänzern und 20 weiblichen Kontrollpersonen anhand der Herzschlagwahrnehmung getestet. Tänzer hatten einen höheren IAcc, und dieser Effekt war unabhängig von ihren niedrigeren Herzfrequenzen (ein Proxy-Mass für körperliche Fitness), ihrer Zählfähigkeit und ihrem Wissen über Herfreuquenzen. Eine zusätzliche Analyse zwischen den Gruppen nach einem Median-Split in der Tänzergruppe (basierend auf jahrelanger Tanzerfahrung) ergab, dass sich die IAcc-Werte der Juniortänzer von der Kontrollgruppe unterschied und die IAcc der Seniortänzer höher war als die der Juniortänzer und der Kontrolle. Die Dauer der Tanzerfahrung korreliert also positiv mit IAcc. Demgegenüber wurden keine Korrelationen zwischen IAcc und Fragebogen-Messungen von Empathie, emotionaler Erfahrung und Alexithymie gefunden. Diese Ergebnisse werden im Kontext aktueller Theorien des Abfangens und der Emotion diskutiert, die die Merkmale des Kunsttrainings hervorheben, die mit IAcc in Verbindung gebracht werden könnten.

 

Zur Studie von Julia F. Christensen (kostenlose Anmeldung auf Researchgate erforderlich, nur auf Englisch)

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Tanz der Neuronen

Wenn tanzen klüger macht

Tanze mit deinem Kortex. Welche Auswirkungen hat das Tanzen auf unsere Intelligenz und gibt es einen Unterschied zwischen professionellem Wettbewerbstanzen und freiem Improviationstanz?

Seit Jahrhunderten wird über den gesundheitlichen Nutzen des Tanzes in Fachbücher geschrieben, meist als körperliche Betätigung. In jüngster Zeit haben wir eine umfangreichere Forschungsbewegung über die gesundheitlichen Vorteile des Tanzes gesehen, wie z.B. den Abbau von Stress und die Erhöhung des Serotoninspiegels, mit einem Fokus auf das allgemeine Wohlbefinden des Einzelnen. Schließlich wurde ein weiterer, eher unerwarteter Nutzen untersucht, der die Leser dieses Beitrags begeistern dürfte: Tanzen macht uns oft intelligenter.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel auf dem französischen Blog von Tango Kiosk

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Not all about sex?

Neuronale und bio-behaviorale Funktionen des menschlichen Tanzes

Tanzen bewegt und viele empfinden eine natürliche Freude beim Tanz. Diese Studie beschäftigt sich mit der Hypothese, dass Tanzen bemerkenswerte neurobiologische Effekte auf den Körper hat, welche weit über einen kurzfristigen Stimmungsanstieg und einen gesteigerten Sinn für Ästhetik hinausgehen.

Ein integrativer Überblick über die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse und Ergebnisse aus der Verhaltensforschung schafft Klarheit bezüglich der Auswirkungen des Tanzes auf den Menschen, unabhängig des kulturellen Hintergrundes. Im ersten Teil wird die zentrale Bedeutung des Tanzes für das menschliche Leben auf dem Hintergrund der Archäologie, der vergleichenden Psychologie, der Entwicklungspsychologie und der interkulturellen Psychologie dargelegt. Im zweiten Teil werden die empirischen Evidenzen für sechs neuronale und bio-behaviorale Funktionen des Tanzes überprüft: (1) Aufmerksamkeitsfokus, (2) grundlegende emotionale Erfahrungen, (3) Bilder, (4) Kommunikation, (5) Selbstintimation und (6) sozialer Zusammenhalt.
Auf dieser Basis werden unterschiedlichen Sichtweisen über die Funktion des Tanzes für den Menschen diskutiert: (1) Tanz ist reines Vergnügen, (2) beim Tanzen geht es nur um Sex, (3) Tanzen dient ausschliesslich dem Stimmungsmanagement und erhöht das subjektive Wohlbefinden, und (4) Tanz ist nur Experten vorbehalten. Als junges Forschungsfeld sind die Beweise immer noch lückenhaft nicht vollständig schlüssig. Dieser Überblick zielt darauf ab, einen Schritt in Richtung einer Systematisierung eines neuen Forschungsfeldes zu machen: einer neuro- und bio-behavioralen Wissenschaft des Tanzes.

 

Dieser Artikel wird TVS-Mitgliedern auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt. 

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Tanzen gegen Ticks

Die bewegende Geschichte eines Jungen mit Tourette-Syndrom

Wenn Dominik tanzt, ist er in seiner Welt. Kein Gedanke an Krankheit oder peinliche Auffälligkeiten. Dass er ein Tourette-Syndrom hat, wussten lange Zeit nur wenige. Jetzt hat seine Mutter ein bewegendes Buch darüber geschrieben, wie er mit Ballett die Tics überwunden hat.

Lesen Sie den vollständigen Artikel der Deutschen Ärztezeitung

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Move your arm like a swan

Ein Programm für Parkinson-Betroffene: Dance for PD®

Die körperlichen Symptome der Parkinson-Krankheit können sich wie eine Falle anfühlen. Langsamkeit der Bewegung, Steifheit, Gleichgewichtsverlust und Zittern machen Aktivitäten des täglichen Lebens schwierig bis unmöglich, und die Menschen werden isoliert, ihr Körper eine unvorhersehbare, unempfindliche Last.

Dance for PD®, eine Zusammenarbeit zwischen der Brooklyn Parkinson Group und der weltberühmten Mark Morris Dance Group, arbeitet daran, diese Belastung zu verringern. Das Programm arbeitet mit professionellen Tänzern in Tanzstudios zusammen, welche mit Parkinsonbetroffenen Strategien zur Erhöhung ihres Bewegungsspielraumes und zur Verbesserung des Gleichgewichts entwickeln, indem sie ihren Körper kreativ und ausdrucksstark einsetzen.

Artikel wird TVS-Mitglieder auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

Mehr Informationen und Tanzkurse für Parkinson-Betroffene finden sie auf Parkinson Schweiz

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Tanzen statt Psychopharmaka?

Eine interessante Übersicht aktueller wissenschaftlichen Studien

Was wäre, wenn regelmäßiges Tanzen, welcher Stil auch immer, eine wirksame Therapie gegen Depressionen wäre? Zu diesem Ergebnis kommen mehrere wissenschaftliche Studien.

Die Ergebnisse auf Französisch im Überblick bei Partenaire de danse

Weitere Informationen zur Tanz- und Bewegungstherapie von der Universitätsklinik Zürich

 

Unser Buchtipp zum Thema

Die Kunst und die Wissenschaft der Tanz- und Bewegungstherapie - Leben ist Tanz, Sharon Chaiklin, Hilda Wengrower, Oriold Bücher Verlag, 2017

Diese Übersetzung von The Art and Science of Dance/Movement Therapy: Life is Dance deckt eine große Bandbreite der Anwendung der Tanz- und Bewegungstherapie bei verschiedenen Gruppen ab und zeigt zugleich auf, wie und weshalb diese Therapieform so geeignet ist, Veränderungen zu bewirken. Das Buch ist eine einmalige Sammlung, in der jedes Kapitel sowohl theoretische als auch praktische Aspekte, darunter Fallstudien, bespricht. Einige Kapitel vermitteln ergänzende Informationen wie die über die Methoden zur Beobachtung von Bewegung, die Anwendung der Forschung zu kulturellen Unterschieden und des Bewusstseins für diese in der Praxis der nonverbalen Kommunikation. Aktuelle Literaturhinweise erleichtern es den Leserinnen und Lesern, sich in Fragen zu vertiefen, die sie interessieren. 

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Tango für Parkinson-Betroffene: Ein vielsprechender Weg

Eine Initiative der Klinik Lengg

Mehrere internationale Studien konnten zeigen, dass sich Tango-Tanzen nachweislich positiv bei Morbus Parkinson auswirkt: insbesondere auf Gleichgewicht, Beweglichkeit, Wahrnehmung, Denkvermögen und das Ermüdungssyndrom (Fatigue). Davon inspiriert bot das Zürcher RehaZentrum Lengg der Klinik Lengg im Juni 2016 einen Tango-Schnupperkurs an.

Zum Kursangebot der Klinik Lengg


Weitere Informationen und aktuelles Kursangebot auf Parkinson Schweiz

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Rock 'n' Fit

Tanzen hält den Geist fit

Wer regelmässig tanzt, senkt das Risiko, an Demenz zu erkranken. Das zeigen Forschungen aus den USA. Nicht zuletzt deshalb boomen Seniorentanzanlässe.

Zum vollständigen Artikel in der Coop Zeitung


Hier finden Sie Seniorentanzgruppen in ihrer Nähe: Seniorentanz Schweiz

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Tanzen macht die Seele frei

Ausbrechen aus dem Alltag – beim Tanzen fällt das Jugendlichen leicht

Musik geniesst in unserer Gesellschaft einen weitaus höheren Stellenwert als der Tanz. Zu Unrecht. Wenn Kinder tanzen, spüren sie Glück. Erwachsenen fällt es oft nicht leicht, einfach draufloszutanzen. Dabei lohnt es sich, sich ganz der Bewegung hinzugeben.

Lesen Sie den gesamten Ariktel im ElternMagazin Fritz+Fränzi

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Tanzheimer

Senioren schwingen das Tanzbein

Tanzen soll im Alter unmöglich sein. Von wegen! Das dachten sich drei ZHAW-Studentinnen die sechs Tanzstunden für Senioren organisierten. Sogar Teilnehmer mit Rollator konnten am Programm mitmachen. Ein Erfahrungsbericht.

Mehr Informationen zum Tanzheimer-Projekt auf der Webseite der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW

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Persönlichkeitsentwicklung durch Tanz

Pädagogische Postulate und ihre Bedeutung für die Unterrichtspraxis in Deutschland

Persönlichkeitsentwicklung durch Tanz gilt als schlüssiges Argument um Tanz an der Schule zu unterrichten. Doch welche Wirkung zeigt zeitgenössischer Tanz auf die Persönlichkeitsentwicklung bei Schülerinnen und Schüler? Was bedeutet es, zeitgenössischen Tanz zu unterrichten? Welche Aspekte einer möglichen Persönlichkeitsentwicklung werden durch den zeitgenössischen Tanz angesprochen? Und letztlich: Lassen sich Wirkungen von zeitgenössischem Tanz auf einer psychologischen Ebene nachvollziehen?

Generell zeigen die Schülerinnen und Schüler des Tanzprojektes neue Bewegungserfahrungen und freudvolle Erlebnisse im Umgang mit Körperlichkeit und Körperkontakt. Es wird während des Tanzens eine soziale Erfahrung angeboten. Eine damit einhergehende Beeinflussung der eigenen Selbstwirksamkeitserwartung kann empirisch teilweise nachvollzogen werden. Eine bewusste Auseinandersetzung mit Ausdruck und Kreativität wird angestrebt, lässt sich aber nicht mittelbar messen. Gerade der zeitgenössische Tanz hat die individuelle Förderung und die Entfaltung des kreativen Potentials jedes einzelnen Schülers und jeder Schülerin im Fokus und gibt damit Impulse zur Persönlichkeitsentwicklung. Dabei zeigen sich spezifische Erfahrungen, die gerade durch die Konfrontation mit Tanzen ausgelöst werden, wie „neue Bewegungserfahrungen zu machen“ oder die Erfahrung, sich selbst vor Publikum zu präsentieren. Vor allem aber werden die Schülerinnen und Schüler in ein Gesellschaftsgebiet eingeführt, das den Umgang mit Körperlichkeit spielerisch und frei von Leistungsgedanken vermitteln kann und das ist existentiell wichtig als Grundlage für Gesundheit und Glück.

Hier können Sie die vollständige Doktorarbeit von Isolde Cäcilia Reichel downloaden: Persönlichkeitsentwicklung durch Tanz 

 

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Tanz und Gehirn: Eine Rezension

Wie tanzen die Plastizität des Gehirns beeinflussen kann

Tanz ist eine universelle Form des menschlichen Ausdrucks, die eine reiche Quelle für wissenschaftliche Studien bietet. Der Tanz bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Plastizität des Gehirns und seine Interaktion mit dem Verhalten zu untersuchen.

Mehrere Studien haben die Verhaltenskorrelate des Tanzes untersucht, aber über die Hirnbasis des Tanzes ist weniger bekannt. Studien zur Tanzbeobachtung deuten darauf hin, dass lang- und kurzfristiges Tanztraining die Gehirnaktivität in den Aktions- und Simulationsnetzwerken beeinflusst. Trotz methodischer Herausforderungen gibt es heute Ergebnisse zum Neuroimaging während des Tanzes und mehrere Gehirnregionen, welche beim Tanzen aktiv sind, wurden lokalisiert. Vorarbeiten aus unserem Labor deuten darauf hin, dass ein langfristiges Tanztraining sowohl die graue als auch die weisse Gehirnsubstanz verändert.
Die vorliegende Arbeit umfasst funktionelle Neurobildgebungsstudien zur Tanzbeobachtung und -performance sowie strukturelle Neurobildgebungsstudien von erfahrenen Tänzern. Um den laufenden Dialog zwischen Tanz und Wissenschaft zu fördern, werden zukünftige Richtungen der Tanz- und Gehirnforschung sowie deren Implikationen diskutiert. Die Erforschung der Neurowissenschaften des Tanzes wird zu einem besseren Verständnis der Gehirn-Verhaltensbeziehungen und der Plastizität des Gehirns bei Experten und Nicht-Experten führen und kann bei der Entwicklung tanzbasierter Therapieprogramme angewendet werden.

 

Zur vollständigen Studie auf Englisch: Annals of the New York Academy of Sciences

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Tanzen fördert die Aufmerksamkeit

Wie das Tanzen unsere Wahrnehmung verändert

Daria Höhener, eine passionierte Tänzerin, erarbeitete im Rahmen ihrer Maturaarbeit am Gymnasium in Trogen ein Tanzprojekt und bestätigt mittels eines wissenschaftlich erprobten Konzentrationstest die These: „Tanzen fördert die Aufmerksamkeit bei Primarschülern, Kantonsschülern, jüngeren und älteren Erwachsenen“.

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Verräterischer Hüftschwung

Wie jemand tanzt, sagt eine Menge über seine Persönlichkeit aus

Vom Stammestanz der Massai in Kenia bis zur Techno- Party im angesagten Berliner Club – getanzt wird in allen Kulturen. Die rhythmischen Bewegungen zur Musik machen nicht nur Spaß, sie erfüllen auch viele wichtige Aufgaben: Götter beschwören, Regen bringen, Gegner beeindrucken, Gemeinschaft und Kampfesgeist stärken. Die aus evolutionärer Sicht wohl wichtigste Funktion aber dürfte die Balz sein. Da unterscheiden die Menschen sich wenig von vielen Tierarten, die wunderbare Tänze aufführen, um potenzielle Partnerinnen zu beeindrucken oder Konkurrenten einzuschüchtern.

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Tanz und Kulturelle Bildung

„Jeder Mensch ist ein Tänzer“ (R. v. Laban): Tanz als ästhetisch-expressives Bildungsmedium

Claudia Fleischle-Braun, ehemalige Dozentin für Gymnastik und Tanz an der Universität Stuttgart schreibt über die Grundlagen, den Wert und die Vielfalt der tanzpädagogischen und -künstlerischen Vermittlungsarbeit im Rahmen der Kulturellen Bildung.

Tanz ist eine nonverbale Darstellungs-­ und Ausdrucksform des Menschen, in deren Zentrum die subjektive ästhetische Inszenierung des Körpers und eine Formung der Bewegung in Raum und Zeit stehen. Die Erscheinungsformen und Funktionen des Tanzes sind geprägt von ihrem jeweiligen geschichtlichen und soziokulturellen Umfeld. Daher spiegeln die verschiedenen traditionellen Tanzformen und stilistischen Spielarten des zeitgenössischen Tanzes ein jeweils eigenes Verständnis von Körperlichkeit und Bewegung wider, das sich in unterschiedlichen ästhetischen Idealen, Normen und Praktiken äußert. Verschiedene Tanzstile beinhalten und zeigen daher immer auch kollektive oder individuelle Wahrnehmungs­- und Umgangsweisen mit dem Körper; und sie können den Zeitgeist und die Lebensgefühle einer Generation erfahrbar werden lassen.

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Tanzen ist Leben: Die Energie zum Tanzen ist unerschöpflich

Interview mit Gunter Kreuz , Musikkognitionsforscher an der Universität Oldenburg

Noch bevor die Menschen schreiben konnten, tanzten sie. Die Bewegung zur Musik verleiht Kraft und Selbstbewusstsein, sagt Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg. Im Interview erklärt der Musikkognitionsforscher, warum Tanzen entspannt und wie es gegen Krankheiten hilft.

Lesen Sie das vollständige Interview mit dem Musikkognitionsforscher Gunter Kreuz auf Spiegel Online

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Eine Stunde Tanz pro Woche hält Geist und Körper fit

Wie sich Aufmerksamkeit, Reaktion, Balance und Lebensstil in sechs Monaten verbessert

Tanzen hält fit, das konnten Forscher der Universität Bochum schon vor einiger Zeit nachweisen. Jetzt testeten sie eine spezielle für Senioren entwickeltes Tanzprogramm mit verblüffendem Ergebnis: Selbst zuvor inaktive Senioren konnten nach sechs Monaten Training nur einmal pro Woche für eine Stunde, nicht nur ihre körperliche Fitness, sondern auch ihre Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit, erheblich steigern.

Lesen sie den gesamten Artikel aus dem Pressespiegel der Ruhr Universität Bochum. Zum englischen Originalartikel auf Frontiers in Aging Neuroscience

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Tanzen macht Schule: Die Rolle des Tanzes im Bildungsprozess

Neue Horizonte im Bildungssystem

Diese Studie soll ermutigen den im schulischen Kontext üblichen methodischen Ansatz zu überprüfen, da er kognitive Prozesse überbetont und die für die Persönlichkeitsentwicklung äusserst wertvollen körperlich-spielerisch-kreativen Erfahrungen vernachlässigt.

Keine andere Aktivität hat einen vergleichbaren Einfluss auf Körper, Geist und Emotionen wie das Tanzen. Mehr denn jede andere Ausdrucksform, kann das Tanzen Kinder helfen ihren Körper zu bewohnen und ungenutzte Potentiale zu entfalten.

Hier können Sie die Studie Marzia Candela downloaden: The role of Dancing in the educational process

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Kreativer Kindertanz

Interview mit Gisela Peters-Rohse

Es gibt kaum einen Tanzpädagogen in Deutschland, der nicht mit Gisela Peters-Rohse gearbeitet hat! Sie unterrichtet auf der ganze Welt: Indonesien, Philippinen, Russland, China. Im Interview spricht Sie über ihren Zugang zum Tanz, ihre persönlichen «Meister» und erfolgreiches Unterrichten.

Das Interview ist auf Deutsch und wurde auf Tanznetz publiziert: Sechs Fragen an Tanzlehrer die uns bewegen

Unser Buchtipp zum Thema:

Das Kind und sein Tanz von Gisela Peters-Rohse

Gisela Peters-Rohse ist eine Legende im Bereich des Kindertanzes - wie keine zweite deutsche Pädagogin genießt sie in diesem Metier auch international höchstes Ansehen. Das beruht einerseits auf ihrer in vielfacher Hinsicht besonderen Persönlichkeit, auf Phantasie, Empathie, Intuition und all den »guten Eigenschaften«, die ein Pädagoge für überzeugende Ergebnisse benötigt. Grundlage ihres Erfolges ist aber auch ihre in langjähriger Erfahrung und Entwicklung erarbeitete Methodik.

Hier bestellen

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Tanz als Alltagskultur

Résumé von Ulla Ellermann und Barbara Flügge-Wollenberg

Tanz als Alltagskultur und was sie für Kinder und Jugendliche leisten kann: Von der Förderung der Sozialkompetenz und dem verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper bis hin zur Akzeptanz von anderen Kulturen

Tanz als Alltagskultur kann nur verstanden werden, wenn zunächst klar ist, dass es den Tanz nicht gibt, sondern eine Vielzahl von unterschiedlichen Erscheinungsformen und Stilrichtungen, wie z.B.: Historischer Tanz, Klassischer Tanz, Moderner Tanz, Zeitgenössisch Künstlerischer Tanz, Tanztheater, Zeitgenössische Tanzformen wie HipHop, Jazz, Show etc., Gesellschaftstanz mit Walzer, Tango, Rumba, Cha­-Cha­-Cha etc. bis hin zum deutschen oder internationalen Volkstanz. Hinzu kommt, dass sich die Vermittlung in allen Bereichen einerseits an die TanzkünstlerInnen, die professionellen BühnentänzerInnen und andererseits an die Laien wendet, die mit unterschiedlicher Motivation und Befähigung tanzen – vom Kleinkind bis zum Erwachsenen.

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Der Rollstuhl tanzt mit

Portrait einer begeisterten Tanzlehrerin

Für ein paar Stunden den schwierigen Alltag vergessen und sich beim Tanzen körperlich und geistig fordern: Dieses Ziel verfolgt die St. Galler Tanzlehrerin Irene Gasser mit ihren Rollstuhl-Tanzkursen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel im Tagblatt

Weitere Informationen zu Kursangeboten von Rollstuhltanz

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Der Volkstanz als Prozess des Interkulturellen Lernens

Eine explorative Studie

Kann Tanzen einen Beitrag zum Erwerb von interkultureller Kompetenzen leisten und welche Bereiche umfasst er? Dieser Frage hat Tolga Candas Altinok seine Dissertation an der Deutschen Sporthochschule Köln gewindet.

Der einleitenden Frage geht die Annahme voraus, dass Tanzen ein geeignetes Medium ist, um die Kommunikationsfähigkeit zu fördern. Hier liegt ein entscheidender Unterschied zwischen Tanz und Sport: Sport betont vor allem den Gedanken des Wettkampfes, beim Tanzen steht hingegen der soziale Aspekt im Vordergrund. So kommen Studien zum Thema „interkulturelles Lernen“ zu folgender Stellungnahme: „Tanz ist ein Medium, das eine ganzheitliche Annäherung und Begegnung mit fremden Kulturen gestattet, da durch das Erleben und Aneignen der kulturspezifisch geprägten und kodifizierten Körperbewegungen und Tänze Begleitinformationen über die jeweilige Herkunftskultur und deren Gesellschaft vermittelt werden können.

Zur Dissertation von Tolga Candas Altinok, eingereicht am Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung in Köln.

 

Unser Buchtipp 

Konzepte der Tanzkultur - Wissen und Wege der Tanzforschung von Margrit Bischof und Claudia Rosine, erschienen im Transcript Verlag, 2010

Abstract: Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Wissensbereichen liefern in diesem Studienbuch profunde Standortbestimmungen zu den Themen der Tanzforschung und illustrieren ihre Position anhand von Beispielen. Ein Leitfaden zu den Konzepten der Tanzkultur, der neue Wege zum Wissen eröffnet.

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Tanz, Selbstvertrauen, Alter und Geschlecht

Warum es sich lohnt, früh mit dem Tanzen zu beginnen

Tanzvertrauen ist ein Masstab für das domänespezifische Selbstwertgefühl, das die subjektive Wahrnehmung einer Person betreffend ihrer Tanzfähigkeiten beschreibt. Diese Studie beschäftigt sich damit, wie sich das Selbstvertrauen von TänzerInnen in Abhängigkeit von Geschlecht und Altersgruppe verändert.

Über 13’000 Menschen sahen sich ein Video an und füllten dann eine Online-Umfrage aus. Die Ergebnisse zeigen auf, dass das Tanzvertrauen zwischen den Geschlechtern und Altersgruppe variiert, so dass Frauen im Allgemeinen ein höheres Maß an Tanzvertrauen haben als Männer, und das Tanzvertrauen ändert sich an signifikanten Punkten im Entwicklungszyklus. Frauen verfügen in der frühen Adoleszenz über ein hohes Selbstvertrauen beim Tanz, fallen jedoch nach dem 16. Lebensjahr deutlich ab. Im späten Teenager-Alter steigt das Selbstvertrauen wieder kontinuierlich an, bevor es sich in der Mitte des Lebens einpendelt. Es gibt einen signifikanten Rückgang des Tanzvertrauens bei Frauen, wenn sie ihre späten 50er Jahre erreichen.

Bei Männern beginnen die Selbstvertrauenswerte beim Tanzen niedrig und steigen dann während der späten Teenagerjahre und Anfang der 20er stetig an, bevor sie Mitte der 30er Jahre wieder abflachen. Es gibt eine signifikante Zunahme des Tanzverständnisses bei Männern, wenn sie Mitte 60 sind. Die Ergebnisse und die Verbindung zwischen Social Dance und Selbstwertgefühl werden im Rahmen von zwei theoretischen Modellen des Selbstwertgefühls diskutiert, dem "Reflected Appraisal Model" und dem "Competencies Model".

 

Die englische Studie wird TVS-Mitglieder auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt.

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Use it or lose it: Tanzen macht dich schlauer

Eine wissenschaftliche Studie über den Einfluss des Tanzens auf die kognitive Leistungsfähigkeit

Die Wirksamkeit von Tanzen auf den Punkt gebracht. Richard Powers fasst aus verschiedenen Studien Erkenntnisse über die aussergewöhnliche, positive Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit durch Tanzen zusammen. Er kennt sich damit aus! Richard Powers unterrichtet seit über 40 Jahren an der Stanford University’s Dance Division “historic and contemporary social dance”. Lesen Sie weiter oder gehen Sie tanzen!

Bis anhin wurde dem Tanzen vor allem positive Effekte bei der Steigerung des körperlichen Wohlbefindens und ein sozialer Nutzen zugeschrieben. Seit einiger Zeit belegen nun Studien, dass Tanzen auch einen wesentlichen Einfluss auf die mentale Leistungsfähigkeit des Menschen hat. Ein Vergleich mit anderen kognitiven und körperlichen Aktivitäten belegt, dass Tanzen nicht nur einen sehr hohen Einfluss auf die Bildung von neuen Nervenbahnen im Gehirn hat und sogar Demenz-Erkrankungen vorbeugen kann, sondern auch schon bei Kindern die mentale Leistungsfähigkeit erhöht. Der Schlüssel liegt darin, dass Tanzen mehrere Funktionen des Gehirns – namentlich kinästhetische, rationale, musikalische und emotionale – gleichzeitig aktiviert. Der Tanzstil ist nicht relevant. Vielmehr ist die Art und Intensivität der individuellen Beteiligung, beim Entstehen der Bewegung und in der Begegnung mit dem Tanzpartner ausschlaggebend. Und – je öfter wir tanzen und je früher wir mit dem Tanzen beginnen, desto grösser der Nutzen!

Lesen Sie den gesamten Arikel von Richard Powers in Englisch: Use It or Lose It: Dancing Makes You Smarter, Longer

Wer sich im Detail mit der Thema "Freizeitaktivitäten und das Risiko von Demenz bei älteren Menschen" auseinandersetzten will kommt hier zur Originalstudie im New England Journal of Medicine.

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Shall we dance?

Eine Studie über die Wirkungen des Tanzens auf das Wohlbefinden

Die positive Wirkung musikalischer Erfahrungen für Gesundheit und Wohlbefinden wurden bereits in vielen Studien aufgezeigt. Die empirische Arbeit konzentrierte sich auf musikalische Aktivitäten wie Hören und Singen, wobei die möglichen Auswirkungen des Tanzes vernachlässigt wurden. In der vorliegenden Studie haben 475 nicht-professionelle erwachsene Tänzer an einer Online-Umfrage teilgenommen, die darauf abzielte, die Vorteile des Tanzes zu untersuchen.

Die quantitative und qualitative Analyse ergab, dass das Tanzen in mehrfacher Hinsicht einen potenziell positiven Einfluss auf das Wohlbefinden hat. Es wurden positive Effekte auf physischer, sozialer und spiritueller Ebene festgestellt. Insbesondere wurde ein erhöhtes Selbstwertgefühl und eine Verbesserung von Bewältigungsstrategien in Konfliktsituationen festgestellt. Diese explorative Studie bildet einen Ausgangspunkt für ein besseres Verständnis der Auswirkungen von Amateurtänzen auf das allgemeine Wohlbefinden und liefert überzeugende Argumente, warum das Tanzen in die Agenda der öffentlichen Gesundheitsförderung aufgenommen werden sollte.

Zur englischen Publikation im Arts & Health Magazin

Zum deutschen Originaltext in der Dissertation von Cyntia Quiroga Muricia (Schrift B)

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Gesundheitliche Aspekte des Tanzens

Vom Gefühl zur systematischen Forschung

Tanzen wird seit jeher mit der Förderung von Heilungsprozessen und Gesundheitspflege verbunden, aber erst in den letzten Jahren ist das Interesse an der systematischen Erforschung des gesundheitlichen Nutzens markant angestiegen.

Der Beitrag des Tanzes zur Steigerung von Gesundheit und Wohlbefinden kann aus zwei Perspektiven betrachtet werden. Einerseits kann der Tanz als Freizeitbeschäftigung mit potenziell gesundheitsförderndem Nutzen angesehen werden. Andererseits wird der Tanz im klinischen Kontext als eine unterstützende Therapie bei einer Vielzahl von körperlichen und geistigen Problemen eingesetzt. Diese Publikation von Cynthia Quiroga Muricia untersucht die verfügbaren Evidenzgrundlagen für die Zuordnung von spezifischen gesundheitlichen Vorteilen zum Tanz.

Publikation bei Oxford Schoolarship unter dem Titel Dance and health – exploring interactions and implications. Die deutsche Fassung finden Sie in der Dissertation von Cynthia Quiroga Murcia (Schrift A).

 

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Tango hat Einfluss auf Stress- und Sexualhormone

Hintergrundwissen zu einem im Jahr 2009 zum Weltkulturerbe erkorenen Tanzstils

Tango hebt nicht nur die Stimmung, sondern hat auch nachweislich Einfluss auf die Menge der Stress- und Sexualhormone im Körper. Das mit Stress assoziierte Hormon Cortisol nimmt beim Tango-Tanzen ab, dagegen schüttet der Körper beider Partner in erhöhtem Maß das Sexualhormon Testosteron aus.

Lesen Sie den vollständigen Artikel auf Fokus Online oder gehen Sie direkt zur Publikation von Cynthia Quiroga Murcia, MSc im Journal of Music and Medicine: Emotional and Neurohumoral Responses to Dancing Tango Argentino: The Effects of Music and Partner.

Das könnte Sie auch Interessieren: Tanzen - Subjektive und psychobiologische Wirkung, Dissertation von Cynthia Quiroga Murcia. 

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Die psychobiologische Wirkung des Tanzens

Eine Studie zum Tango-Tanz

Welcher Einfluss haben Musik- und Partnerwahl auf den Hormonhaushalt des Körpers? Die vorliegende Studie untersucht die hormonellen Reaktionen des Körpers beim Tangotanz und die spezifischen Einflüsse von Musik- und Partnerwahl.

Die Auswertung der Daten von 22 Tänzern deuten darauf hin, dass Bewegung mit Musik und Partner positivere Auswirkungen hat auf emotionalen Zustand als Bewegung ohne Musik oder ohne Partner. Darüber hinaus wurden mit dem Vorhandensein von Musik Verringerungen der Cortisolkonzentrationen festgestellt, während Erhöhungen des Testosteronspiegels mit der Anwesenheit eines Partners verbunden waren. Die Studie belegt positive psychobiologische Reaktionen der TänzerInnen und trägt dazu bei, den unterschiedlichen Einfluss von Musik und Partnerwahl zu verstehen.

Zur englischen Publikation im Music and Medicine Journal oder zum deutschen Originaltext in der Doktorarbeit von Cynthia Quiroga Murcia (Schrift D)

 

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Kinder brauchen Musik, Spiel und Tanz

Rhythmik als ganzheitliches Bildungsangebot in der frühkindlichen Erziehung

In allen Kulturen der Welt gibt es dasselbe Phänomen: Begeisterte Kinder, die zu einem Lied mit elementarer Lebensfreude tanzen und singen. Die Affinität und Faszination, die von Musik und Tanz ausgehen, sind letztendlich unabhängig vom Lebensalter, von der Intelligenz, vom Kulturkreis und auch von Wahrnehmungsdefiziten und Behinderungen. Musik wird als universelle Sprache betrachtet. Der Mensch lässt sich von Musik emotional "fesseln" und bewegt sich gerne dazu rhythmisch, wenn es vielleicht nur mit dem großen Zeh ist!

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